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Fallschirmsprungeinsatz ins Gefängnis

  • Scheuen

Fallschirmsprung aus Transportflugzeugen A400M, nächtlicher Anmarsch und Kampf um eine ehemalige JVA: in der Luftlandeübung „Dunkler Anfang“ stellen die Zweibrückener Fallschirmjäger über mehrere Tage ihre Fähigkeiten unter Beweis und den zuvor erarbeiteten Operationsplan auf die Probe.

Bis zum letzten Moment hängt die Durchführung am seidenen Faden. Dann, am Nachmittag, ist endlich klar: das Wetter spielt mit, die Flugzeuge können starten. Während der letzten hellen Stunden starten aus Zweibrücken zwei große graue Transportflugzeuge A400M, im Rumpf aufgereiht warten mehrere Wellen kampfbereite Fallschirmjäger und Luftlandepioniere. Bevor das Licht schwindet, springen sie über dem Zielgebiet ab. Als die Maschinen hinter den Bäumen verschwinden, ist der Himmel voll grüner Kappen, die auf den ersten Blick gemütlich Richtung Landezone sinken. Erst in Bodennähe ist erkennbar, mit welch hoher Geschwindigkeit die Springer tatsächlich unterwegs sind. Während der Landung kommen sie mit einem Tempo auf, das einem ungebremsten Sprung aus rund drei Metern Höhe entspricht. Gleichzeitig wird an der nahen Waldkante ein farbiges Stoffpanel hochgezogen, um den Sammelpunkt anzuzeigen. Denn dass die Landezone nur einen flachen Bewuchs aus Heidekraut hat, ist für den Sprungdienst zwar von Vorteil, bietet im taktischen Einsatz aber wenig Deckung. Also heißt es nach der Landung schnellstmögliches Sammeln im nahen Wald, gefolgt von einer Lageeinweisung durch den Fallschirmspezialzug. Dieser ist bereits drei Tage zuvor abgesprungen und hat die Absetzräume aufgeklärt. Im Handumdrehen ist die Truppe zwischen den Bäumen verschwunden. Hier, im Sichtschutz von Kiefern und Birken, aktualisieren die Soldaten bei schwindendem Licht die Lagekarten, bereiten Waffen und Material aus den Türlasten vor, überprüfen die Vollzähligkeit und stellen die Nachtkampffähigkeit her. Bei Einbruch der Dunkelheit beginnt die Annäherung durch die niedersächsischen Wälder an das Angriffsziel.

Für die Fallschirmjäger ist der Fallschirmsprung der „Weg zur Arbeit“. Ihr Auftrag ergibt sich aus dem Operationsplan der Vorwoche, ihr Ziel: die leerstehende JVA „Salinenmoor“, ein Gebäudekomplex, dem sie sich möglichst ungesehen nähern sollen, um mögliche Feindkräfte zu überraschen. Der Anmarsch klappt, trotzdem dauert der Kampf um das ehemalige Gefängnis mehrere Stunden. Die Luftlandepioniere öffnen den Zugang durch die Stahltore. Das festungsartige Gebäude erweist sich als schwer zu „knacken“ und bietet dem Feind große Vorteile. Für die Männer und Frauen bedeute dies stundenlange körperliche Belastung und volle Konzentration unter Nachtsichtoptiken, in verwüsteten Gebäuden voller Scherben und Stacheldraht. Raum für Raum arbeitet sich die Truppe im Wiederhall ständiger Schüsse und Explosionen durch die Gebäude und Stockwerke.

„Dunkler Anfang“ verlangte den Fallschirmjägern einiges ab

„Luftlandeoperationen sind Kernauftrag und Alleinstellungsmerkmal des Fallschirmjägerregiments. Mit Blick auf die bevorstehenden Übungen „SWIFT RESPONSE“ und „KOMET“ können wir so unseren Ausbildungsstand vertiefen“ erklärt der Kommandeur des Fallschirmjägerregiments 26, Oberstleutnant Oliver Henkel. „Auf eine einsatznahe und harte Ausbildung kommt es mir besonders an. Im Fokus steht, den bereits hohen Bereitschaftsgrad meiner Kräfte noch weiter zu stärken. Ziel ist es, im 360-Grad-Ansatz im gesamten NATO-Bündnisgebiet für Landes- und Bündnisverteidigung und im Rahmen von militärischen Evakuierungsoperationen jederzeit weltweit einsetzbar zu sein. Nach den beschränkten Übungsbedingungen der Pandemie machen wir wieder große Schritte nach vorne. Bei allen Übungen ist entscheidend, dass Landes- und Bündnisverteidigung sowie das Nationale Risiko – und Krisenmanagement für uns zwei Seiten derselben Medaille sind.“

Auftakt war eine Woche intensiver Gefechtsstandarbeit im Ausbildungs- und Übungszentrum Luftbeweglichkeit in Celle, das den Brigadegefechtsstand einer „Air Manoeuvre Task Force“, eines luftbeweglichen Großverbandes, darstellte.

In einem eigens eingerichteten Zeltkomplex, dem Hauptgefechtsstand, wertete der Stab des Fallschirmjägerregiments 26 über mehrere Tage hinweg unter Zeitdruck Informationen aus und erarbeitete auf dieser Grundlage schließlich den Operationsplan und den Befehl für den „Dunklen Anfang“. Bis zur letzten Minute galt es hier, trotz wenig Schlaf den Überblick und die Konzentration zu behalten um immer wieder neu eingehende Informationen zu Feind und Wetter zu berücksichtigen, um letztlich die taktische Idee des Kommandeurs in die Tat umzusetzen. Schon die Ausgangslage war komplex, denn auf dem Übungskontinent schwelte eine komplizierte Gemengelage, die als fiktives Übungsszenar keinen bestehenden Konflikt abbildete, aber durchaus Elemente enthielt, die an verschiedene aktuelle Krisen- und Kriegsgebiete erinnerten. Ziel war unter anderen, die Soldatinnen und Soldaten auf verschiedenen Ebenen in ihren jeweiligen Tätigkeitsfeldern weiterzubilden und zu beüben: von der Operationsplanung über eine Führerweiterbildung bis hin zur Gefechtsübung mit einer taktisch fordernden Bodenoperation.

Eine der Besonderheiten war, dass der Hauptgefechtsstand in Celle aufgebaut war, die Befehlsausgabe auf Kompanieebene und die Masse der Truppe aber in Zweibrücken blieben. Operationspläne und Befehle wurden digital über die Gefechtsstandinformationssysteme von Celle aus nach Zweibrücken verschlüsselt übermittelt. Mit dieser räumlichen Trennung wurde auch die Distanz zwischen „Gastland“ und „Einsatzland“ verdeutlicht und die digitale Informationsübermittlung mit beübt. So stiegen erst mit Beginn ihres Auftrags die Fallschirmjäger in Saarbrücken in die Transportflugzeuge und sprangen über dem „Einsatzgebiet“ im niedersächsischen Scheuen in mehreren Anflugwellen ab.

Der Kommandeur des Ausbildungs- und Übungszentrums, Oberst Jörn Rohmann, zieht ein positives Fazit der Übung.

„Luftlandeinsatzverbände, also flexible, mobile Verbände, die nach Luftlandung im Schwerpunkt einer Landoperation oder auch an mehreren Punkten gleichzeitig operieren, sind ein schlagkräftiges und reaktionsschnelles Instrument moderner Streitkräfte. Mit modernen Lufttransportmitteln, streitkräftegemeinsamer Feuerunterstützung und abgestützt auf sichere Kommunikationsnetze, kann ein Fallschirmjägerregiment den Kern dieses Systemverbundes Luftlandeoperation bilden. Damit kann der Verband gerade in der Landes- und Bündnisverteidigung entscheidende Wirkung erzielen, zu der andere Truppen nicht bzw. nicht rechtzeitig in der Lage sind. Gesamtbewertend ist festzuhalten: Das Fallschirmjägerregiment 26 hat – gleichwohl stark gefordert und hart erkämpft – ausnahmslos alle gesteckten Übungsziele erreicht. Geschenkt wurde den Zweibrückenern der Operationserfolg nicht. Umso beeindruckender war deren Leistung!“

Andrea Neuer
Fotos: Bundeswehr / Andrea Neuer

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