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CELLE. Der Titel der Shakespeare-Premiere ist Programm. Das Celler Publikum ist wieder einmal begeistert von einer Inszenierungsform nach ihrem Geschmack. Es war eine Premiere nach Maß im Schlossinnenhof am Freitagabend.

Vor Beginn des Stückes konnte man unter einem malerischen Himmelskarré, eingerahmt von den historischen Gemäuern des Residenzschlosses Celle, die Kulisse auf sich wirken lassen. Das Bühnenbild war zwar vom Aufbau eher zweckmäßig als schlichtes Stufengestell angelegt, aber durch seine Ausgestaltung mit Malerei und Requisite sowohl passend zum Schlossambiente wie auch zu dem 1601 entstandenen Stück. Die Kulisse insgesamt ließ auf eine klassische Inszenierung schließen.

Das Stück beginnt mit der sehr einfallsreich umgesetzten Szene, in der die Geschwister Viola (Johanna von Gutzeit) und Sebastian (Maurizio Micksch) nach einem Schiffbruch in der stürmischen See ums Überleben kämpfen und dabei getrennt werden. Viola wird gerettet und nimmt als ihr Bruder verkleidet, unter dem Namen Cesarion, im fiktiven Land Illyrien eine Stellung als Botenjunge beim Grafen Orsino (Dirk Böther) an. Hier beginnen dann die obligaten Irrungen und Wirrungen: Orsino umwirbt die adlige Olivia (Eva-Maria Pichler), diese lehnt alle Werbung ab, bis sie Cesario begegnet. Dieser , bzw. diese, hat sich inzwischen in ihren Dienstherren verliebt, kann aber ihre Rolle als junger Mann nicht aufgeben. Diverse Verwandte, Hausgäste und Dienstpersonal mischen aus unterschiedlichsten egoistischen Motiven lustig mit und verwirren die Situation immer mehr. Ein Höchstmaß an Verwechslungen entsteht, als der ertrunken geglaubte Sebastian plötzlich wieder auftaucht.

Dem Team des Schlosstheaters und an dieser Stelle besonders Markus Kopf (Regie) und Ralph Blase (Dramaturgie) ist eine Stückgestaltung gelungen, die sich mal streng am Original orientiert und dann wieder auf originelle Art und Weise mit modernen Einsprengseln für zusätzliche Komik sorgt.

Wenn denn Sebastian und Antonio erstmal mit dem Motorrad in die Kulisse einfahren und über einen Ghettoblaster “Highway to hell” rockt, kommen die modernen Elemente zur Geltung.

An dieser Stelle sollen auch die musikalischen Einlangen besondere Erwähnung finden. Orsino und Cesario musizieren mit Piano und Violine. Der Narr (Jürgen Kaczmarek) greift zu Violine und Balalaika. Das Enseble singt nicht nur live, sondern auch sauber und selbst das Publikum wird zu einem vierstimmigen Kanon herangezogen.

Eine eindrucksvolle Leistung zwischen selbstverliebt und völlig wahnsinnig bietet der Haushofmeister Malvolio (Felix Meyer). Dieses wurde vom Publikum mit entsprechendem Applaus bedacht.

Recht eigenwillige Züge hatte die Interpretation der Rolle des Sebastian. Es war schon sehr komisch, wenn Sebastian und sein Piraten-Freund Antonio (Ulrich Gall) eine Karikatur eines Pas-de-deux tanzen.

Alles in allem aber eine wirklich gelungene und begeisternde Inszenierung, für ein aufgeschlossenes Shakespeare-Publikum und jeden, der sich von einem Klassiker unverkrampft unterhalten lassen möchte!

Redaktion
Celler Presse





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