Vortrag über Kindermorde im Nationalsozialismus: Andreas Babel im Christian-Gymnasium

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HERMANNSBURG. Einen Tag nach dem Holocaust-Gedenktag erlebten die Abiturienten des Christian-Gymnasiums und interessierte Gäste einen Beitrag zur Erinnerungskultur, der vielen naheging. Andreas Babel hielt einen Vortrag über die staatlich veranlassten Morde an Kindern und Jugendlichen während des Nationalsozialismus.

Andreas Babel hielt in der Aula des Christian-Gymnasiums einen Vortrag über den Mord an Kindern während des Nationalsozialismus.

Babel, von Beruf Journalist, befasst sich intensiv mit dem Thema Euthanasie in der NS-Zeit und ist Autor des Buches „Kindermord im Krankenhaus“. Bei seinen Recherchen stieß er unter anderem auf die spätere Leiterin der Kinderabteilung des Celler Allgemeinen Krankenhauses, Dr. Helene Darges-Sonnemann, die in einem Hamburger Kinderkrankenhaus aktiv an Kindstötungen beteiligt war. Sie verließ 1943 das brennende Hamburg mit 200 Kindern und wurde in Celle aufgenommen, wo sie blieb. Ihre Einstellung behinderten Kindern gegenüber änderte sie nie. Anhand ihres Falles und weiterer Einzelbeispiele von Tätern und Opfern aus dem norddeutschen Raum und speziell dem Landkreis Celle zeigte Babel während seines Vortrags zum einen die Grausamkeit des nationalsozialistischen Systems eindringlich auf, zum anderen wies er nach, dass es oft „ganz normale Menschen“ waren, die zu den abscheulichsten Taten bereit waren, sei es aus Karrieregründen oder aus Überzeugung. Gezeigt wurden aber auch Ärztinnen, die sich aus moralischen und religiösen Gründen weigerten, Kinder zu töten.

Dr. Alexandra Wenk, Altschülerin, Historikerin und Mitglied des Schulvorstands, hatte zu Beginn des Nachmittags den Referenten begrüßt und das Publikum, das aus Schülern der Oberstufe und interessierter Öffentlichkeit bestand, in das Thema eingeführt. Hierbei brachte sie auf den Punkt, um was es bei Veranstaltungen wie dieser geht: In einer Zeit, in der die entsetzlichen Verbrechen gegenüber zahlreichen Bevölkerungsgruppen und Menschen im Ausland „als „Vogelschiss“ der deutschen Geschichte bezeichnet werden, sind wir besonders gefragt, diesen Abschnitt der deutschen Geschichte besonders ins Gedächtnis zu rufen.“

Sebastian Salie
Foto: Sebastian Salie





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