Die Bundestagsabgeordneten Henning Otte und Thomas Bareiß besuchen den Drilling Simulator in Celle

CELLE. Auf Einladung des heimischen Bundesabgeordneten Henning Otte (CDU) kam sein Fraktionskollege Thomas Bareiß nach Celle, um sich über die Aktivitäten, Funktion und Möglichkeiten des Drilling Simulators zu informieren. Prof. Dr. Ing Joachim Oppelt nahm als Leiter dieses Forschungszentrums der TU Clausthal die Gelegenheit, die Bedeutung der Einrichtung speziell für die Bohrindustrie und allgemein für die Energiewende zu erläutern. Bareiß ist Energiebeauftragter der CDU/CSU-Bundesfraktion und dabei in die Sondierungsgruppe Energie, Klimaschutz und Umwelt berufen worden.

vlnr. Henning Otte, Thomas Bareiß und Teststandleiter Michael Koppe
vlnr. Joachim Oppelt, Henning Otte, Thomas Bareiß und Jörg Nigge

Während Henning Otte als Abgeordneter des Wahlkreises Uelzen/Celle sich schon mehrfach von der Forschungsarbeit überzeugen konnte, ist Thomas Bareiß in Baden-Württemberg beheimatet und Abgeordneter des Wahlkreises Zollernalb-Sigmaringen und besuchte nun erstmals Celle. Prof. Oppelts Anliegen war es nun, „einen nachhaltigen Eindruck von der Forschungseinrichtung zu vermitteln“, wie er es ausdrückte. Die Errichtung des Drilling Simulator Celle (DSC) ist ein wesentliches Element zur Verstetigung der Forschungsarbeiten des im Jahr 2014 erfolgreich abgeschlossenen niedersächsischen Forschungsverbundes „Geothermie und Hochleistungsbohrtechnik – gebo“. Der Drilling Simulator als Forschungszentrum der TU Clausthal wurde am Standort Celle eingerichtet, weil sich hier das Zentrum der deutschen Bohr- und Geothermie-Industrie befindet. Ein äußeres Zeichen dafür ist auch die unmittelbare Nachbarschaft zur Firma Baker Hughes mit ca. 1.600 Mitarbeitern. Bohrwerkzeuge für den weltweiten Einsatz werden hier gefertigt, und eine Forschungsabteilung sorgt dafür, dass die Werkzeuge auf dem neuesten Stand sind.

vlnr. Jörg Nigge, Henning Otte, Wolfgang Genannt, Thomas Bareiß

Wolfgang Genannt vom Verein GeoEnergy, dem sich mittlerweile 64 Unternehmen angeschlossen haben, erläuterte ergänzend hierzu, dass von den 70.000 Einwohnern in Celle 38.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, davon allein in der Erdöl-/Erdgasbranche 8.000.

Aufgabe des DSC ist es, die Realisierung der „Energiewende“ durch Hochtechnologie-Forschung im Bereich der kostengünstigen und umweltfreundlichen Erschließung des geologischen Untergrunds durch anwendungsbezogene Forschungsarbeiten zu fördern.

Der DSC verfolgt die Zielsetzung, eine möglichst realitätsnahe Simulation des hochkomplexen Tiefbohr-Prozesses, einschließlich geplanter konkreter Bohrprojekte, mit den gekoppelten wissenschaftlichen Großgeräten „Software- und Hardware-Simulator“ zu ermöglichen. Diese „Vorab-Simulation“ soll in der späteren Bohrpraxis helfen, gefährliche und umweltschädigende Situationen zu vermeiden. Die am DSC gewonnenen Forschungsergebnisse werden so Eingang bei der Konzeption, Planung und Realisierung zukünftiger Geothermie- und untertägiger Speicherprojekte im In- und Ausland finden.

Neben Zwecken der eigenen wissenschaftlichen Forschung steht der Drilling Simulator Celle auch industriellen Kunden für vielfältige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten zur Verfügung. Unser Ziel ist es, den Kunden zu helfen, durch vorherige realistische und wiederholbare Laboruntersuchungen hohe Kosten und Stillstandszeiten bei der späteren Realisierung von Bohrprojekten reduzieren zu helfen.

14 Mitarbeiter sind aktuell in der Einrichtung beschäftigt, zusätzlich ein Praktikant und vier Master- bzw. Bachelorstudenten. Das Interesse der Studenten liege nicht nur in der Bohrtechnologie für Erdöl und Erdgas, sondern vermehrt in zukunftsträchtigen Technologien wie z. B. Sicherung und Speicherung von Wasserstoff.

Zu der Tatsache, dass Celle das Zentrum der deutschen Erdölindustrie ist, zählt auch – oder besonders – dass im Jahre 1858 in der Gemeinde Wietze im Landkreis Celle die weltweit erste Bohrung nach Erdöl durch den Prof. Konrad Georg Hunäus erfolgreich war. Eigentlich wollte er Braunkohle finden, eher zufällig stieß er auf Erdöl, was ja zu einem weltweiten Boom führte. Anfangs wurde in Wietze auf „gut Glück“ gebohrt. 1963 wurde die Erdölförderung in Wietze eingestellt. Aus der Primitivtechnik ist im Laufe der Jahrzehnte eine Hochtechnologie geworden, die weltweit eingesetzt wird und größtenteils das Ergebnis der Forscher aus Celle ist. Und es geht ja nicht nur senkrecht runter; bis zu 15 Kilometer wird in großen Tiefen der Bohrer horizontal weitergetrieben. „Software ist das Entscheidende, Hardware kann jeder machen“, so Prof. Oppelt. Es gehe auch darum, dass die sensible Elektronik Temperaturen von 200 Grad aushalten muss.

Thomas Bareiß hatte auch Gelegenheit, den Bohrsimulator zu bedienen. Das erläuterte ihm und den weiteren Gästen – unter ihnen auch Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge – der wissenschaftliche Mitarbeiter Patrick Höhn. Wenn auch das Ziel ist, Bohrfehler zu vermeiden, wurde hier in der Simulationssituation der Fehler aus der Bohrung im Golf von Mexiko im Jahre 2010 nachgestellt und erläutert.

Der Drilling Simulator wurde 2015 gebaut. Wie Prof. Oppelt betonte, sei die Finanzierung des Betriebes bis 2020 gewährleistet. Neben einer Grundfinanzierung für die Mitarbeiter in Höhe von 700.000 € beteiligt sich das MWK mit 350.000 € und die TU Clausthal mit 150.000 €. Daran müsse weiter gearbeitet werden. Vielleicht war das der nachhaltigste Eindruck, den der Parlamentarische Staatssekretär mitnehmen konnte.

Redaktion
Celler Presse

Fotos: Celler-Presse.de

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