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Geflüchtete absolvieren Erste-Hilfe-Ausbildung

CELLE. Im Rahmen der „Interkulturellen Uni“ an der vhs Celle setzten sich Migranten, Geflüchtete und interkulturell Interessierte eine Woche lang mit den Themen Gesundheit, Geschichte und Gefühle auseinander. „Ist es so richtig?“ Khaled Mahmoud versucht, in einem gleichbleibenden Rhythmus die Puppe, die vor ihm auf dem Boden liegt, „wiederzubeleben“. Timo Schümmer, Erste-Hilfe-Trainer bei M-A-U-S (Medizinische Ausbildung und Seminare) ist zufrieden: Ob es sich um das fachgerechte Verbinden einer Wunde, das vorsichtige Entfernen des Helmes eines verunglückten Motorradfahrers oder die beschriebenen Wiederbelebungsversuche handelt – die Teilnehmenden des von ihm geleiteten Erste-Hilfe-Kurses bewältigen jede Aufgabe ausgezeichnet.

Der Erste Hilfe-Kurs bildete die Abschlussveranstaltung der „Interkulturellen Uni“, die Anfang Oktober bereits zum vierten Mal von der vhs Celle ausgerichtet wurde. Migranten, Geflüchtete und interkulturell Interessierte hatten die Möglichkeit, eine Vielzahl von Veranstaltungen zu besuchen. Bis zu 20 Teilnehmende mit den unterschiedlichsten kulturellen Hintergründen waren zeitweise anwesend. Wer alle Angeboten besuchte, erhielt zum Abschluss ein Zertifikat.

„Die Themen wurden wie zuvor von einer Gruppe Migranten und Geflüchteten vorgeschlagen“, erklärt Jochen Frieske, pädagogischer Mitarbeiter für interkulturelle Bildung an der vhs Celle und Organisator der „Interkulturellen Uni“. „Hier zeigte sich, dass neben kulturellen Aspekten vor allem die Geschichte Deutschlands von großem Interesse ist.“

So lag ein thematischer Schwerpunkt der Interkulturellen Uni auf geschichtlichen Themen. „Wir haben uns gefragt, mit welchen Gefühlen wir von heute aus auf die Geschichte blicken“, erläutert Enno Stünkel, pädagogischer Mitarbeiter für politische Bildung der vhs Celle, der die Teilnehmenden durch die Ausstellung die „Macht der Gefühle. Deutschland 1919-2019“ führte, die zurzeit in der vhs Celle, Trift 20, zu sehen ist. „Über Emotionen wie Wut, Trauer, Glück, wie Ekel oder Angst wird deutlich, dass alltägliches Leben und Erleben eng mit den geschichtlichen Verwerfungen der letzten 100 Jahre verbunden sind.“ Vertieft wurde die Geschichte des Nationalsozialismus bei einem Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen behandelt.

„Ich wusste gar nicht, dass etwas so Schreckliches hier ganz in der Nähe von Celle geschehen ist“, zeigte sich Frau Yazgan, ursprünglich aus der Türkei stammend, tief bewegt. Aus den unterschiedlichen emotionalen Reaktionen der Teilnehmenden wurde deutlich, wie sie die Vergangenheit durch ihre eigenen Erfahrungen interpretierten.

Ein weiterer Fokus der Veranstaltung lag auf gesundheitlichen Themen: Mitarbeiter des MiMi-Projekts (Von Migranten für Migranten) informierten „rund ums Impfen“ und gaben wichtige Ratschläge und Tipps, wie Kinder gesund bleiben.

Die Teilnehmenden des Erste-Hilfe-Kurse gingen am Ende mit dem Wissen, künftig in Notsituationen kompetenter handeln zu können und zudem eine wichtige Teilleistung für den Führerscheinerwerb erfüllt zu haben.

Die Ausstellung „Macht der Gefühle“ ist noch bis zum Ende des Jahres in der Geschäftsstelle der vhs Celle, Trift 20, zu besichtigen. Führungen sind auf Anfrage möglich.

PR
Fotos: Martina Hancke/vhs Celle






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