Dootgesechte leevt länger: dat Kulturgoot Nedderdüütsch – Totgesagte leben länger: das plattdeutsche Kulturgut

Dootgesechte leevt länger: dat Kulturgoot Nedderdüütsch – Totgesagte leben länger: das plattdeutsche Kulturgut

9. Januar 2020 Aus Von Celler Presse

CELLE. Die Plattdütsche Gille Celle lud am 08.01.2020 von 13-15 Uhr zum monatlichen Mittagessen ins Hotel Heidekönig ein. Helga Fleischer, 2. Gillmeisterin, begrüßte die Gäste. Nach dem Mittagstisch tragen die Gäste einzelne kleine Gedichte vor, vertellen ihre Lebensgeschichten oder singen gemeinsam plattdeutsches Liedgut.

Nachdem nun der 1. Gillmeister erkrankt war, übernahm Helga Fleischer den Vorsitz. Mit einer kleinen Glocke holte sie die Gäste aus ihren Gespächen heraus und sorgte so für aufmerksame Zuhörer. Sie eröffnete den plattdütschen Nachmittag mit einem Gedicht von August Theis aus dem Buch „… dör de Puustebloom. Riemels un Vertell´n in Heidjer Platt“. Kassenwart Erich Meyer begrüßte die Gäste mit „Niejahr“ von Hans-Heinrich Homann. Danach konnte ein wenig geschnackt werden. So stellte sich im Gespräch mit der 2. Vorsitzenden heraus, dass das älteste Gillenmitglied vor 4 Jahren mit 101 Jahr verstorben sei: Lieschen Poggenburg. Selbst im letzten Lebensjahr hat sie noch plattdütsch gelesen. Danach trug die Prüferin den Kassenbericht über das vergangene Jahr vor: Die eingenommenen Gillenbeiträge wurden für kleine Geschenke zu runden Geburtstagen, Adventsgeschenke an den Gillen-Vorstand mit Mitgliederessen und für Todesanzeigen und Beerdigungskränze ausgegeben. Während der Prüfungsbericht rumgereicht wurde, sangen alle gemeinsam das „Senioren Lied“. Danach sorgten Zeitungsartikel auf Platt zum Thema „Abnehmen“ für einige Lacher. Das niederdeutsche Liedgut „Dat du min Leevsten büst“ ließ die Gäste in eigenen Erinnerungen schwelgen. Hier ein kleiner Auszug mit hochdeutscher Übersetzung:

  1. Dat Du min Leevsten büst, dat du wol weeßt! Kumm bi de Nacht, Kumm bi de Nacht, segg mi wat Leevs! Dass Du mein Liebster bist, das weißt du wohl! Komm in der Nacht, komm in der Nacht, sag mir was Liebes!
  2. Kumm du üm Middernacht. kumm du Klock een! Vader slöpt, muder slöpt, ick slap aleen. Kommst du um Mitternacht, kommst du um eins! Vater schläft, Mutter schläft, ich schlaf allein.
  3. Klopp an de Kammerdör, fat an de Klink! Vader meent, muder meent, dat deit de Wind. Klopf an die Zimmertür, fass die Klinke an! Vater meint, Mutter meint, das sei der Wind.

Hermann Timme alias der zaubernde Lokomotivführer Tim Mero vertellte einen Schwank aus seinem Leben. Damals gab es aber noch keine Zaubershows, sondern im Rahmen eines Kabaretts oder Varietés traten die Zauberkünstler für einige Minuten auf. Seinen 1. Bühnenauftritt hatte er 1951 im Hotel Hartmann in Wietzendorf bei einem Turnerball des TSV Wietzendorf. Damals, so sagte er, hatte er starkes Lampenfieber und zuppelte an seinem Zylinder und Frack herum, den alle Zauberkünstler trugen.

Helga Fleischer zitierte aus einer plattdeutschen Kolumne von Rita Krüger aus dem Buxtehude Tagesblatt: „Segg ik doch: Doodseggte leevt länger! Un is dat nich schöön, dat vundaag Kinner wedder de Chance hebbt, Plattdüütsch in de School zu lehren? Sik an Leeswettstrieden to bedeligen? Ik hebb dat mitkregen letzt Week bi den Wettstriet. All Kinner weren bannig stolt op dat Kulturgoot Nedderdüütsch!“ – Sag ich doch: Totgesagte leben länger! Und ist das nicht schön, dass heutzutage Kinder wieder die Chance haben, Plattdeutsch in der Schule zu lernen? Sich an Lesewettbewerben zu beteiligen? Ich habe das letzte Woche bei einem Wettstreit mitbekommen. Alle Kinder waren außrordentlich stolz auf das Kulturgut Plattdeutsch!

Zum Abschluss wurde noch das Abschiedslied angestimmt.

Gillendreepen in´n eersten Veerdeljohr 2020

05. Februar     Dreepen: Klocke halvig een (12.30 Uhr)

                        Middageeten: Klocke een (13.00 Uhr)

04. März         Dreepen: Klocke halvig een (12.30 Uhr)

                        Middageeten: Klocke een (13.00 Uhr)

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de





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