Die Amazonas-Synode hat keine Türen zugeschlagen

Die Amazonas-Synode hat keine Türen zugeschlagen

24. Januar 2020 Aus Von Celler Presse

HERMANNSBURG. Auf Einladung der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg (FIT) hat der evangelische Pfarrer Martin Bräuer D.D. aus Bensheim den Studierenden und Lehrenden der FIT sowie interessierten Gästen von einer Sondersynode berichtet, die die Römisch-katholische Kirche im Oktober 2019 im Vatikan abgehalten hat.

Vor dem Vortrag des Catholica-Referenten und stellvertretenden Leiters des Konfessionskundlichen Instituts in Bensheim hat Fabiano Soares, ein aus Brasilien stammender Studierender des Masterprogramms der FIT, eine bildreiche und eindrucksvolle Einführung zu Geografie, Geschichte, politischer Lage sowie der kulturellen, religiösen und spirituellen Vielfalt der rund 2000 indigenen Stämme gegeben. So erfuhren die ZuhörerInnen, dass das Amazonas-Gebiet größer ist als die Europäische Union und dass allein das Gebiet, in dem schon seit Jahrzehnten der blutige Konflikt zwischen dem „Agro-Business“, also denen, die den Wald zur wirtschaftlichen Vermarktung abholzen, und denen, die den Wald bewahren wollen, ausgetragen wird, 7 Mal so groß ist wie die Bundesrepublik Deutschland.

Mit diesen Dimensionen vor Augen war umso besser nachzuvollziehen, dass der Vatikan dem Amazonas-Gebiet eine Sondersynode widmet und dass sich die Teilnehmer in großer Einigkeit zu einem verstärkten Einsatz für eine ganzheitliche Ökologie aussprachen sowie die Ausbeutung von Mensch und Natur verurteilten.

Auch die Rechte und religiösen Ausdrucksformen der indigenen Völker wurden von der Synode respektiert – wenngleich konservative Stimmen auch vor einer zu starken Würdigung indigener Traditionen sowie vor einer „Relativierung des Christentums“ warnten. Hier steht der katholischen Kirche laut Bräuer noch ein – über den Amazonas hinausgehender – Richtungsstreit darüber bevor, inwieweit lokale religiöse Ausdrucksformen Auswirkung auf die katholische Weltkirche haben dürfen.

Kontrovers wurden auf der Synode laut Bräuer innerkirchliche Fragen und bisherige Tabu-Themen wie „Ämter für Laien“ (insbesondere Frauen) und „Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt“ (sog. viri probati) diskutiert – allerdings regional beschränkt auf das Amazonas-Gebiet. Progressive Stimmen befürworteten derartige Öffnungen, um dem Priestermangel zu begegnen. Konservative Kräfte warnten davor, dass Öffnungen in der Amazonas-Region Auswirkungen für die gesamte Weltkirche haben könnten. Das Zölibat – erläuterte Bräuer – ist keineswegs eine Glaubensfrage. Durch das Zölibat soll vielmehr die Besonderheit des Priesteramtes gegenüber dem Laienamt hervorgehoben werden.

Immerhin sind – wenn auch vage – Forderungen nach einer Zulassung des viri probati sowie nach einer Debatte über das Frauendiakonat mit einer Zweidrittelmehrheit in das Abschlussdokument aufgenommen worden. Auch im Nachgang zur Synode sprachen sich einige katholische Bischöfe neben einem verstärkten Einsatz für eine ganzheitliche Ökologie und für ein Engagement für die Indigenen auch für eine Stärkung der Dienst tuenden Frauen „durch ein angemessenes Amt als weibliche Gemeindeleiterinnen“ aus.

Einzelheiten bleiben offen, aber klar ist, dass diese Themen auf der Agenda der katholischen Kirche bleiben und auf eine Klärung durch die Kirchenleitung warten.

Auf einem anderen Blatt steht der von einem Zuhörer angesprochene Aspekt, dass die brasilianische Regierung unter Staatspräsident Bolsonaro sich gegen jegliche Einmischung der katholischen Kirche in Fragen der Umwelt und des Umgangs mit den indigenen Völkern verwahrt.

Bräuer fasst die Amazonas-Synode wie folgt zusammen: „Die Synode hat keine Türen zugeschlagen, sondern eher welche geöffnet. Die Teilnehmer aus dem Amazonas kehren nicht leeren Händen nach Hause.“

Rektor Professor Richebächer und Dozent Dr. Fischer, der den Ökumene-Abend initiiert hatte, dankten dem Gast für die spannenden Einblicke in die Synode. Die Beschäftigung mit Fragen der Ökumene sei der FIT ein großes Anliegen und soll mit weiteren Veranstaltungen fortgesetzt werden.

PR
Fotos: Dorothea Müller





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