Insektensterben – was können Gartenbesitzer dagegen tun?

Landkreis CELLE. Beim Seminar der Kreisgruppe Celle im Verband Wohneigentum stellte der freiberufliche Gartenfachberater Klaus-Dieter Kerpa  das Programm der Fa. Neudorff vor und betonte, dass Neudorff sich von Anfang an vehement gegen chemisch-synthetische Mittel gewehrt habe. Weiterhin wies er darauf hin, dass auf der Internetseite des Unternehmens zahlreiche Informationen zu Pflanzen- und Insektenwissen sowie Rat und Service angeboten werden. Weiterhin bestehe dort die Möglichkeit, einen Newsletter zu abonnieren.

Kerpa führte aus, dass Insekten mit mehr als eine Million wissenschaftlich beschriebenen Arten innerhalb der Tierwelt die artenreichste Klasse darstellt. Die Population der Insekten hat in den vergangenen 30 Jahren dramatisch abgenommen und beträgt jetzt nur noch etwa 75 % der damaligen Werte. Dies veranschaulichte er mit Fotos von Windschutzscheiben, die nach einer Fahrt nicht mehr so voll mit Insekten sind wie vor 20 Jahren.

Kerpa legt dar, dass Insekten viele wertvolle Funktionen übernehmen. Insekten sind wichtiger Bestandteil der Nahrungskette, sie machen unsere Böden fruchtbar indem sie organische Substanzen zersetzen, sie befreien uns von „Müll“ indem sie sich von Kot ernähren und als wichtigste Aufgabe sichern sie in der Landwirtschaft unsere Ernährung. Insbesondere Bienen sind als Bestäuber in erheblichem Maße für den Erhalt und die Fortpflanzung der Pflanzenwelt verantwortlich.

Das Insektensterben führt er auf vier Faktoren zurück: 1. der Einsatz von Neonicotinoiden wie Pestizide, Fungizide oder Herbizide, 2. Verschwinden von natürlichen Lebensräumen die durch riesige Monokulturen ersetzt werden, 3. Verlust von Randstreifen und schutzgebenden Hecken, 4. Klimawandel.

Neonicotinoide sollen das Saatgut vor Insektenbefall schützen. Das Gift bleibt nicht in dem Saatgut sondern gelangt von der Wurzel bis in die Blüten hinein. Über die Pollen nehmen die Insekten die Gifte auf. Außerdem verteilen sich die Stoffe auch im Boden und gelangen auch in die nahegelegenen die Bäche. Neonicotinoide beeinträchtigen u.a. das Orientierungsvermögen von Bienen. Belastete Bienen finden nur zu 55 % zum Bienenstock zurück während unbelastete Bienen zu 85 % zurückfinden.

Lebensraum oder Biotope: Insekten kommen nicht rein zufällig vor sondern sie stehen in einer engen Wechselbeziehung zu der vorhandenen Pflanzen- und Tierwelt. Monokulturen tragen zum Verschwinden der Nahrungsspezialisten bei. Für Insekten sind mit Kies angelegte Steingärten Gärten des Grauens. Die vereinzelten Pflanzen ziehen kaum Insekten an! Auch große Rasenflächen sind nicht insektenfreundlich. In naturnahen Gärten bilden sich Nahrungsketten. Wildkräuter und Wildgehölze spielen hier eine große Rolle als Nahrungsgrundlage für Insekten. So kann Beifuß z.B. bis zu 180 verschieden Insektenarten ernähren! Kerpa empfahl Nektarinseln für Schmetterlinge anzulegen. Hierzu ist die im Handel erhältliche Samenmischung „Bunte Schwärmerei“ geeignet, die aus über 25 verschiedenen ein- und mehrjährigen heimischen Wildblumen besteht. Die Sorte „Nachtschwärmer Treff“ enthält nachtblühende Sorten, die einen verführerischen Duft verströmen und so Nachtfalter und Insekten anlocken, die als Nahrungsquelle für Fledermäuse dienen. Die Sorte „Gartenstars“ enthält Pflanzen mit großen Samen, die eine begehrte Nahrungsquelle für heimische körnerfressende Vögel sind. Die Samenmischung „Bienengarten“ ist speziell auf die Bedürfnisse von Wildbienen und Hummeln abgestimmt.

Wir als Hauseigentümer können nun dem Insektensterben entgegensteuern, in dem wir eine Vielfalt an Blumen, Pflanzen und Sträuchern in unseren Gärten anpflanzen. Herr Kerpa gab viele Anregungen und Tipps dazu und riet auch davon ab, jedes sogenannte Unkraut und Verblühte sofort zu entfernen. Also nicht zu ordentlich aufräumen, Insekten brauchen Schlupflöcher wie Trockenmauern oder Holzstapel. Mit Grafiken und zahlreichen kleinen Filmbeiträgen verdeutlichte Kerpa das Vorgetragene und appellierte an die Teilnehmer, ökologisch wertvolle Ziersträucher (z.B. Weigelien und Deutzien) sowie Gehölze (z.B. Schwarzer Holunder, Felsenbirne oder Schneeball) in ihren Gärten anzupflanzen. Auch Hecken können aus Wildgehölzen wie Schlehe, Weißdorn, Brombeere oder Heckenrose angelegt werden.

Zu guter Letzt ging Kerpa auf Insektenhotels ein. Diese kann man leicht aus Hartholz bauen. In dieses werden Löcher von 4 bis 8 mm Durchmesser gebohrt. Man kann auch Bambusstäbe oder hohle Pflanzenstängel verwenden, die man mit Blumendraht zusammenbindet. Für das Aufstellen des fertigen Insektenhotels wird am besten ein wind- und regengeschützter, vollsonniger Platz gewählt und die Einflugöffnung südwärts ausgerichtet.

Während des Vortrags wurden viele Fragen gestellt und beantwortet und jeder nahm wichtige Erkenntnisse für sich und seinen Garten mit nach Hause. So endete dann auch, unterbrochen von einem gemeinsamen Mittagessen, eine lehrreiche Veranstaltung.

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