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So erleben kleine Geschäfte die Pandemie: grün & wertvoll

CELLE. Seit dem Winter vergangenen Jahres findet sich am Markt ein kleines Seifengeschäft, indem hausgemachten Seifen und allerlei nachhaltige Drogerieartikel erhältlich sind. Anja Röthig erzählt, wie sie die Pandemie erlebt hat und welche Auswirkungen dies auf ihr Geschäft „grün & wertvoll“ hat.

„Wieso haben Sie denn geöffnet?“

In diesem kleinen Laden steigen einem verschiedene Düfte in die Nase. Liebevoll dekoriert zeigen sich dort: Naturseifen, Kordelseifen, Seifenschalen, Badezusätze, handgemachte Naturkosmetik sowie kleinere Geschenkartikel. Im Hinterzimmer wird gerade eine Seifenlauge angerührt, aus der neue Seife entsteht. Anja Röthig erzählt, dass sie bereits vor 6 Jahren auf der Ferieninsel Borkum ihr erstes Geschäft eröffnet hatte und im vergangenen Jahr hierher nach Celle gekommen ist. Gerade im Pandemiejahr stellte sie die Erweiterung vor echte Herausforderungen. So habe der Lockdown der Tourismusbranche dazu geführt, dass sie kaum Umsätze in Borkum gehabt habe. Hier in Celle wäre während des Lockdowns auch kaum etwas los gewesen. Sie sei froh darüber, dass ihr Geschäft direkt am Markt liegen würde. Denn dies führe immerhin zu ein wenig Laufkundschaft zu Marktzeiten. Viele Bürger Celles würden ihren Laden kaum kennen und wenn sie nun hineinschauen, wäre häufig die erste ungläubige Frage: „Wieso haben Sie denn geöffnet? Alle Geschäfte mussten doch jetzt schließen.“ Geduldig legt sie diesen Kunden dar, dass sie Drogerieartikel anbiete. Folglich führe sie Dinge für den alltäglichen Bedarf und somit dürfte sie auch geöffnet haben. Diese Nachfragen stimmen sie ein wenig nachdenklich. Wieso sollen die kleinen Geschäfte schließen, wo hier der Andrang doch um einiges niedriger ist. Ein geordneter Zugang für Kunden wäre in kleinen Geschäften doch viel besser möglich, als in den großen Lebensmittelketten oder Drogeriemärkten.

„Wir müssen lernen mit dem Virus zu leben.“

Dieses Corona-Virus hat gewaltig das Leben und auch das Geschäftsleben durch einander gewirbelt. Das zeige sich auch bei den Bürgern. Viele würden missmutig durch die Straßen laufen. Die Stimmung wäre bedrückt. Aber es zeige sich auch, dass jetzt mit dem besseren Wetter und der Öffnung sich die Stimmung bei den Kunden und den Bürgern aufhelle. Die Terminvergabe zum Shoppen findet sie ein wenig unglücklich. Denn schnell könnte bei den Kunden ein Gefühl der Verpflichtung entstehen, sich unter Zeitdruck für eine Ware entscheiden zu müssen. Besonders die Beschränkungen der Gastronomie und der Tourismus-Branche machen ihr persönlich zu schaffen. Denn gerade der Tourismus auf Borkum habe ihr viele Kunden beschert, denen sie mit einem Seifenworkshop auch ein wenig bildenden Zeitvertreib angeboten habe. Viele Kunden blieben dort nun aus. Außerdem wünsche sie sich, dass durch flächendeckende Tests sowie Clusterbeobachtungen zielgenauer so genannte Hot-Spots aufgespürt werden und dort stärkere Hygienemaßnahmen ergriffen werden. So könnte dann auch die Kulturbranche mit dementsprechenden Auflagen wie einem Negativ-Test, Maske und ausreichend Abstand ermöglicht werden. Schließlich könne man ja nicht ständig Öffnen und wieder Schließen. Das wäre zum einen für die Psyche der Bürger nicht gut und für die Finanzen der kleinen Geschäfte auch nicht förderlich. Da müssten alltagspraktische Lösungen entwickelt werden, die sowohl den Risikogruppen ausreichend Schutz biete, aber der normale gesellschaftliche Betrieb aufrecht gehalten werden könne.

Das Unglück der Corona-Hilfen

Mit den Lockdowns kamen auch die Corona-Hilfen. Ihre Steuerberaterin musste erst einen Lehrgang besuchen, bevor sie sich in der Lage gesehen habe, einen Antrag für die Corona-Hilfen stellen zu können. Es wäre ein unglaublich riesiger Aufwand damit verbunden. Wenn sie ein Kosten-Nutzen-Analyse führen müsste, würde sie aus rein geschäftlicher Sicht sagen, dass der Aufwand viel zu hoch für viel zu wenig Unterstützung liege. Die meisten Corona-Hilfen wurden erst viel zu spät ausbezahlt und  würden nicht einmal die laufenden Kosten abdecken. Dabei muss ja auch ein Geschäftsführer von etwas leben, schließlich habe ein Geschäftsführer nicht nur Miete, Versicherungen und dergleichen zu zahlen, sondern würde auch seinen Lebensunterhalt mit den Einnahmen erzielen. Doch diese werden bei den Corona-Hilfen nicht berücksichtigt. Für ihr Celler Geschäft könne sie ohnedies keine Hilfen beantragen, da sie ja nachweisen muss, wie viele Einnahmen sie vor einem Jahr erzielt habe. Sie beobachte auch, wie viele kleine Geschäfte aufgeben mussten, da sie nicht mehr in der Lage waren, das Geschäft weiterzuführen. Viele Träume, die die Geschäftsführer mit viel Leidenschaft verwirklicht haben, würden durch die Pandemie-Maßnahmen in Scherben liegen. 

Redaktion
Celler Presse 

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