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Geflüchteten gegenüber eigene Haltung überprüfen

CELLE. Der Film „Wir sind jetzt hier“ regte Publikum im Kinosaal des Bomann-Museums zum Nachdenken und Diskutieren über Migration und Integration an. Vor Ort waren der Produzent und ein Protagonist des Films. Keine Hand rührt sich, als der Film „Wir sind jetzt hier“ zu Ende ist. Der Inhalt wirkt nach. Erst als der anwesende Dokumentarfilmer Niklas Schenk zusammen mit dem Afghanen Azim Fakhri vor das Publikum tritt, löst sich die Starre im Kino-Saal des Bomann-Museums zu einem begeisterten Applaus.

In dem Film über Flucht, Migration und Integration in Deutschland erzählen sieben junge Männer aus dem Irak, Eritrea, Somalia, Syrien und Afghanistan über ihre Erfahrungen mit Flucht, vor allem aber darüber, wie sie in unserem Land aufgenommen wurden. Gezeigt wurde der Beitrag auf Initiative des Projekts „Vom Jobling zur Fachkraft“ der vhs Celle mit Unterstützung von Hilke Langhammer vom Bomann-Museum.

„Uns war es wichtig, eine breite Öffentlichkeit zu informieren, mit welchen Hürden und Schwierigkeiten junge Geflüchtete in Deutschland zu kämpfen haben“, betont Niklas Schenk, der den Film zusammen mit seiner Frau, Ronja Wurmb-Seibel, Autorin und Journalistin der „Zeit“, produziert hat. Das Ehepaar lebte 2013/2014 in Afghanistan und nahm 2015 einen jungen Afghanen bei sich auf, der als geflüchteter Minderjähriger zu ihnen kam. Es waren vor allem seine negativen Erfahrungen, die Auslöser für die Filmidee wurden.

„Jemand ist uns fremd, weil der Kontext, die Umgebung, die Herkunft fremd ist – und nicht die Person. Nur der direkte Kontakt kann Meinung und Haltung ändern“, so Niklas Schenck.

Zum persönlichen Kontakt und Austausch lud an diesem Abend auch die Anwesenheit von Azim Fakhri ein, einem der Protagonisten des Films „Wir sind jetzt hier“. Er stellte sich den Fragen des Publikums und erzählte von seinem Engagement für Straßenkinder in Afghanistan und seiner dortigen Tätigkeit als IT-Experte. In Deutschland angekommen, wurde ihm zwar bald ein Arbeitsvertrag angeboten, er erhielt jedoch keine Arbeitserlaubnis. Der Nachzug seiner Familie mit zwei kleinen Kindern erfolgte erst nach drei Jahren.

„Die Offenheit der jungen Männer im Film hat mich beeindruckt“, sagt Regina Volkmann aus Eschede, eine der rund 30 Zuschauenden. „Wir sollten selbst offener für Neues werden und uns immer wieder in unserer Haltung überprüfen.“

Auch freundlich gemeinte Nachfragen können verletzend wirken. So berichtet ein junger Iraker im Film, dass er als Bachelor verwundert gefragt wurde, ob es in seinem Herkunftsland Universitäten gäbe. Ein Syrer äußert die Hoffnung, nach Abschluss seiner Ausbildung nicht mehr als Flüchtling bezeichnet zu werden.

„Solche Erfahrungen können auch die Auszubildenden des Projekts ‚Vom Jobling zur Fachkraft‘ nachvollziehen“, sagt Projektleiterin Ute Labudde, die teilnehmende Azubis einlud, den Film anzuschauen. Im Rahmen des Projekts werden junge Migrantinnen und Migranten von Patinnen und Paten während ihrer Ausbildung beraten und unterstützt.

Die Produzenten des Films plädieren für ein Migrationsverfahren, bei denen Menschen ihren Fall schon im Heimat- oder einem Transitland vortragen dürfen. „Damit würde die lebensgefährliche Fahrt über das Meer wegfallen, und die Migrierenden wüssten, dass sie im Ankunftsland gleich durchstarten können“, so Schenk. Als ersten Erfolg wertet er, dass der Film „Jetzt sind wir hier“ demnächst im Auswärtigen Amt vorgeführt wird. In manchen Landtagen wurde er bereits gezeigt.

Institutionen, die den Film zeigen möchten, können Kontakt zu Niklas Schenk und Ronja Wurmb-Seibel aufnehmen: schenck.niklas@gmail.com und ronja@vonwurmbseibel.com.

PR
Foto: Judith Knabe/vhs Celle






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