Zukünftiger Schul-Unfall-Verkehr (SUV) an neuer Grundschule in Celle: Gefährdung maximieren oder gemäß #VisionZero reduzieren?
Es ist wieder an der Zeit, die Leitpfostenkostüme rauszuholen! Für die Dauer des Celler Stadtradelns will Andreas Lechner, auch bekannt als „Celles lebendiger Leitpfosten“, wieder für die #VisionZero in die Pedale treten. Er lädt alle Teams des Stadtradelns ein, eigene Unterteams namens „#VisionZero – Team für Null Verkehrstote!“ aufzusetzen. Gemeinsam einfach machen ist das parCelle-Motto.
Damit der Fahrradaktionsplan (FAP) der Stadt Celle real wird, soll das Radfahren „sicher, einfach, schnell und bequem“ werden. Das gilt ganz besonders auf der Basisroute des Celler Fahrradnetzwerks an der 77er Straße, die gleich mehrere Schulen, Schulzentren und die neue Grundschule verbindet.
Auf einer zertifizierten Schulung für Führungskräfte seitens der Deutschen Stiftung für Ehrenamtliches Engagement (DSEE) hat „Leitpfosten Lechner“ sogar seine Fallstudie den Celler Elterntaxis gewidmet. „Seitens der bundesweiten Teilnehmenden gab es staunende Gesichter, als ich von meiner Fallstudie erzählte. Das Tolle war, dass jene Menschen richtig gute Ideen beitrugen. Auch die Expertinnen von Changing Cities merkten an, dass in anderen Städten Deutschlands bereits viel, viel mehr geht.“ Im konservativen, ländlich geprägten und strukturschwachen Raum ist fortschrittliches Denken eine Herausforderung, weiß Lechner: „Ich ziehe ausdrücklich den Hut vor Verantwortlichen, die neue Wege gehen. Oberbürgermeisterinnen, die Schulstraßen zu dem machen, was sie sein sollen – nämlich sichere Orte für Kinder. Oder Bürgermeister, die den Mut haben, Kfz-Durchgangsverkehre durch Wohnquartiere wirksam zu unterbinden. Ein „Kfz frei“ auf Fahrradstraßen und „Rad frei“ auf Gehwegen, Festklammern an Tempo-50 auf hochfrequentierten Schulwegen, das geht immer zu Lasten der Schwächeren.“
Als Lösung für das Elterntaxi-Problem an der Grundschule vertraut Lechner ganz auf die Empfehlungen des ADAC. „Ich kann mir vorstellen, dass es gerade für unsere Verwaltung essentiell wichtig ist, die Vorschriften penibel einzuhalten. Der 290er-Stellplatzschlüssel für das Rathaus wird hier zum Hindernis für ein ideale Elternhaltestelle in sicherer 260m Entfernung“, so Lechner. Der Kniff, den Lechner vorschlägt sei ganz einfach: „Eine Stadt mit Geist und Herz schafft einen „Kiss&Go“ Bereich mit separater Zufahrt am westlichen Ende des Areals für die Mitarbeitenden. Für 2×15 Minuten täglich wird der Bereich mit der benachbarten Schule geteilt. Auf dem autofreien Restschulweg durch den Stadtpark mit Spielgräten in grüner Natur können die Kleinen sogar lernen, selbst & sicher mobil zu werden. Ich war so begeistert von der Lösung, dass ich direkt eine Checklisten-Bewertung mit freundlicher Unterstützung des ADFC und VCD Celle ausgefüllt habe.“
Die Lösung hat es bis in die Bundeszentrale des ADAC geschafft, wo die Wertung noch aussteht. Das wäre eine Schulbuchumsetzung der ADAC Empfehlungen! Die Zeichnung für den besonders sicheren und attraktiven Restweg gab es sogar schon auf der letzten Seite des vielzitierten Verkehrsgutachtens aus November 2022. Ein weiterer Mehrwert wäre, dass man den problematisch-verwinkelten Radweg um die S-Kurven-Schikane der Wehlstraße neu verlegen könnte. Es gäbe nur Gewinner. Die Versiegelung einer Grünfläche wird auch vermieden. Die kürzlich beschlossenen Maßnahmensteckbriefe des Klimaschutzkonzepts der Stadt Celle zeigen ebenso auf, dass die Notbremse gezogen werden muss:
- Maßnahmensteckbrief M07 unter Verantwortung der Verwaltungsspitze(!) listet „Laufbusse“ und „Parkverbot um Schulen herum (Elterntaxi-Problematik)“ auf.
- Betriebliche Mobilitätskonzepte werden gefordert (M01).
- Eine Verbesserung des modalen Splits soll bewirkt werden (M03).
- V12 fordert ausdrücklich ein Mobilitätskonzept für die Stadtverwaltung.
- Maßnahmensteckbrief V14 zeigt, wie der Parkdruck am Rathaus reduziert wird.
- Und in der Variantenplanung verletzt ein 3,6m breiter Rad-/Fußweg sogar die Vorgaben des eigenen FAP, der eine Breite von 4,8 .. 5,1m je nach Breite des Trennstreifens vorgibt.
Zum aktuell ausliegenden B-Plan 182 wird parCelle zusätzlich sehr detailliertes Feedback einreichen. Sogar das Verkehrsgutachten der Experten warnt davor, die Elternhaltestelle neben die Schule zu setzen. Denn besser geeignet sei die Fläche für den deutlich geringer frequentierten Parkraum für den Lehrkörper. Das Verkehrsgutachten erwähnt sogar die sinnvolle Alternative Hauptparkplatz am Rathaus, die es nicht betrachten durfte u.v.m. Wir bitten explizit andere wichtige Organisationen wie Polizei, Schulleitung usw. sich hier sehr deutlich für die Verkehrssicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmenden einzubringen. Es kann nicht sein, dass selbst nach einem weiteren Todesfall auf unseren Basisrouten und Schulwegen wieder ausschließlich über den Selbstschutz Radfahrender geschrieben wird. Dass Verantwortliche zeitgleich die SUV-Begegnung auf dem Radweg forcieren und gut heißen, macht Menschen fassungslos. Doch damit nicht genug – damit es noch gefährlicher wird, droht die Verwaltungsspitze sogar die Parkfreigabe außerhalb der Auto-Elterntaxi-Stoßzeiten an.
PR
Fotos: parCelle
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