Wenn Täter und Opfer sich an einen Tisch setzen – Jahresempfang Schwarzes Kreuz/ Projekt Brückenbau

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CELLE. Was kann man tun, um den Schaden, den eine Straftat anrichtet, wenigstens teilweise wieder aus der Welt zu schaffen? Es braucht auf alle Fälle mehrere, die zusammenarbeiten. Immer wieder machen die Celler Anlaufstelle für Straffällige „Projekt Brückenbau“ und die bundesweit arbeitende Straffälligenhilfe „Schwarzes Kreuz“ diese Erfahrung. „Zusammen!“ hatten sie sich daher als Motto für ihren gemeinsamen Jahresempfang am Dienstag gewählt. Im Mittelpunkt stand ein Referat von Mediator Christian Richter aus Hambühren. „FAIRsöhnt leben“.

Vorstandsmitglied Henning Buchhagen begrüßte zahlreiche Gäste. Etwa 90 hatten sich angemeldet, Inhaftierte und Haftentlassene genauso wie Gäste aus Politik, Justiz und Kirche. Wolfgang Decker begleitete die Veranstaltung mit musikalischen Beiträgen.

Auch bei Straffälligen habe man es mit „ganz normalen Menschen“ zu tun, sagte Superintendentin Andrea Burgk-Lempart in ihrem Grußwort. Ein Verdienst von Projekt Brückenbau und Schwarzem Kreuz sei es, dass sie den Blick vom Täter auf den Menschen dahinter richten.

Das tut auch Mediator Christian Richter. An seinem Tisch setzen sich Täter und Opfer zusammen und versuchen, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen: der sogenannte „Täter-Opfer-Ausgleich“. Im Gegensatz zu einem Gerichtsprozess können also beide Seiten aktiv Einfluss nehmen, führte Richter aus. Das Opfer kann Fragen stellen, Wut ausdrücken, seine Ziele formulieren. Der Täter hat die Chance, Fehler wenigstens teilweise wiedergutzumachen und unter Umständen eine Strafmilderung zu erreichen.

Auf beide Seiten kann dieser Prozess heilend wirken, so Richter. Auch wenn nicht immer sämtliche Ziele erreicht werden, hilft er, ein paar Schritte weiterzukommen. Auch das kann schon eine sehr gute Einigung sein. Wenn etwa zwei Kontrahenten beschließen, bei einer Begegnung bewusst die Straßenseite zu wechseln, statt mit Fäusten aufeinander loszugehen.

Wenn beide Seiten zu einer Einigung kommen, ist diese fürs Gericht maßgebend. So erzählte Richter von einem Fall, wo sich Angreifer und Opfer im Gespräch immer besser verstanden und als „Strafe“ schließlich eine „gemeinsame Fahrradtour mit anschließendem Schnittchenessen“ ausgehandelt wurde.

Ein gelungener Täter-Opfer-Ausgleich habe viele Vorteile, so Richter: „Beide Seiten gewinnen, niemand verliert. Damit gibt es keine Rachegelüste und keine Folgekonflikte.“ Zusätzlich habe sich gezeigt, dass die Täter seltener rückfällig würden.

PR
Fotos: Schwarzes Kreuz





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