Podiumsgespräch: Ein Kultur-Forum für Celle – wozu?

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CELLE. Studierende der Fakultät für Architektur und Landschaft der Universität Hannover hatten für ihre Bachelor- oder Master-Prüfungen die Aufgabe zu lösen, ein „Ernst-Schulze-Forum – Kulturforum für Celle“ zu entwerfen. Zwölf von über zwanzig abgegebenen Arbeiten sind jetzt in Celle in der galerie dr. jochim im Haesler-Haus, Magnusstraße, ausgestellt. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher haben bereits die Fülle der Ideen bestaunen können, und manche haben sich ihre Lieblingsgebäude vorgemerkt.

Auf Einladung der Ernst-Schulze-Gesellschaft nahmen nun rund 50 Interessierte an einer Veranstaltung mit Podiumsgespräch teil, um sich über die Frage auszutauschen: Ein Kultur-Forum für Celle – wozu? Bernd Zobel, Vorsitzender des Kultur-Ausschusses des Celler Stadtrates, moderierte das Gespräch. Auf dem Podium saßen Kulturakteure und Kulturschaffende: die beiden Celler Dietrich Klatt, Begründer des Kunstvereins Celle und der Haesler-Initiative (ohne ihn gäbe es das Direktorenhaus nicht mehr), und Dr. Lothar Haas, Vorsitzender der Ernst-Schulze-Gesellschaft, die beiden Uelzener Renate Schmidt, 2. Vorsitzende des Kunstvereins und des BBK Uelzen, und Dr. Udo Hachmann, 1. Vorsitzender des Kunstvereins Uelzen und langjähriger Stadtdirektor in Uelzen und später in Halle, schließlich der Mann, dem die Ausstellung zu verdanken ist: Dr. Jens Broszeit, seit 1999 Dozent an der Leibniz Universität Hannover. Leider hatte er keinen der Urheber der sehr bemerkenswerten Ausstellungsentwürfe mitbringen können, weil die jungen Architekten am selben Tag zur Preisverleihung des BDA in Hannover eingeladen waren oder bereits quer durch die Welt eine Anstellung als Architekt gefunden haben.

Die Gesprächsteilnehmer des Podiums waren sich einig, dass ein Ort für Kulturschaffende wie das konzipierte „Kultur-Forum für Celle“ mit seinen Räumen für Werkstätten, Ateliers, Büros, Ausstellungen, Vorträge, einem Lesesaal, einer Sammlungsbibliothek, einem Archiv und der Caféteria, sehr offen für die Stadtbevölkerung zu denken wäre, um erfolgreich zu sein. Natürlich sei man nicht blauäugig, was die Kosten für einen solchen Bau und die Unterhaltungskosten angehe. Andererseits wollte man zunächst die unterschiedlichen studentischen Entwürfe konkret befragen, ob sie den Bedürfnissen in Celle überhaupt entsprächen.

Dietrich Klatt wies darauf hin, dass der virtuelle Bauplatz an der 77er Straße durch Dr. Jens Broszeit vorzüglich ausgewählt sei, denn er nehme Bezug zur martialischen preußischen Militärarchitektur des 19. Jahrhunderts, dem 220 m langen heutigen Neuen Rathaus, wie den 220 m langen Wohnblock-Anlagen, die Haesler für die verarmten Menschen nach dem I. Weltkrieg gebaut hat. Vom Städtebaulichen, so war man sich auf dem Podium einig, sind fast alle Entwürfe der angehenden Architekten sehr bemerkenswert, weil sie sich nicht verstecken, sondern Antworten geben auf die sie umgebenden vorhandenen Bauten.

Aber würden die Celler, vor allem die jungen Leute, in das gedachte Forum gehen wollen, wenn es hoch gebaut ist, geschlossene Außenwände hat, oder wären doch Entwürfe mit viel Glaswänden, Fenstern, Innenhöfen anziehender? Dr. Udo Hachmann und auch Dietrun Otten, Eberhard-Schlotter-Stiftung, unterstrichen das große Problem, heute junge Leute für Kulturarbeit zu gewinnen. Ob z. B der konzipierte Bibliotheksraum sie nicht eher abschrecken würde? Dr. Lothar Haas hielt dagegen, dass Lese-Räume heute eine andere Funktion erfüllten: Sie seien Treffpunkte geworden, wo man mit Freunden, Laptop und auch Fundstücken aus dem Büchermagazin gern auf Begegnungen zusteuere, so jedenfalls seine Beobachtung in Berlin und anderenorts in großen Bibliotheken.

Einig waren sich das Publikum wie auch Dr. Jens Broszeit, dass die Innenarchitektur offen und variabel sein sollte. Sie sollte „Offenheit und Geschlossenheit“ verbinden, so Dietrich Klatt. Kulturelle Bedürfnisse von vielerlei Art gebe es ausreichend in Celle, nicht weniger als 98 Kulturvereine existierten. Stephanie Ferber empfahl die vorhandenen Ideen weiterzuentwickeln, damit Jung wie Alt partizipieren könnten. Michael Krebs nannte Vorbilder, die er in Skandinavien und Großbritannien besucht habe: In symbiotischen Systemen treffen sich dort z.B. Kunst und Bibliothek. Gudrun Blanke-Hepper fragte, ob nicht auch an einen Kammermusiksaal mit guter Akustik zu denken sei, er wäre sehr wünschenswert für Celle.

Moderator Bernd Zobel konnte das Gespräch, gerade auch mit dem Publikum, sehr vielseitig halten. Der Hinweis von Anna Jander, dass sich das hochverschuldete Detroit für fortgesetzte Kulturförderung entschieden habe, um mit Kultur nicht nur die Menschen, sondern auch die Wirtschaft zu stärken, stieß auf großes Verständnis in der Runde.

Abschließend rieten die Uelzener Gäste den Kulturbegeisterten in Celle, einen runden Tisch zu bilden, um weiter zu diskutieren. Materielle Unterstützung könne man z.B. auch beim Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover beantragen, private Sponsoren zu interessieren sei schließlich immer möglich. Dr. Jens Broszeit und Dietrich Klatt stimmten darin überein, das Gespräch sei interessant und förderlich. Dr. Lothar Haas dankte allen Beteiligten und schloss mit einem Zitat des ehemaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. „Kultur ist ein Standortfaktor. … Kultur rechnet sich … Der Kulturstaat kann seinen Ansprüchen nur genügen, wenn er von einer engagierten Bürgergesellschaft getragen und getrieben wird.“

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