Gegen das Vergessen – Schüler aus Westercelle und Eicklingen reinigen Stolpersteine in Celle

WESTERCELLE/EICKLINGEN. Am Montag wurde weltweit an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau vor 75 Jahren erinnert. In Celle machten sich aus diesem Anlass Schülerinnen und Schüler der Oberschulen Westercelle und Flotwedel trotz widriger Wetterbedingungen gemeinsam auf den Weg und erinnerten über das Reinigen der Stolpersteine in der Innenstadt symbolisch an die im Nationalsozialismus verfolgten Cellerinnen und Celler.

Die Lehrenden der Schulen, Nicole Meyersiek, Delia Liman und Peter Hofstede, organisierten für ihre Klassen damit eine Aktion, die von der Bürgerbewegung Pulse of Europe – Celle begleitet wurde. Die vom Künstler Gunter Demnig handgefertigten Messing-Steine wurden gesäubert, so dass die Namen der Opfer wieder besser lesbar wurden. In mehreren Städten der Bundesrepublik und in Wien reinigten verschiedene Initiativen ebenfalls die Stolpersteine.

Klaus Koch, Sprecher von Pulse of Europe – Celle, wies einleitend auf einen Satz hin, der im jüdischen Talmud steht: „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

Neben der Reinigung der Steine verlasen die Schülerinnen und Schüler die Lebensläufe der Personen, an die erinnert wurde. In vielen Fällen endete das Leben dieser Cellerinnen und Celler in einem Konzentrationslager, wie Auschwitz-Birkenau, Theresienstadt oder Lodz. In manchen Fällen verlor sich aber auch die Spur und es blieb unklar, was der Person geschah, etwa „Verschollen in Riga“, manchmal aber auch nur durch Fragezeichen gekennzeichnet.

Während der Aktion, bei der weite Teile der Innenstadt abgelaufen wurden und sogar die Synagoge besichtigt werden konnte, zeigten sich die Schülerinnen und Schüler interessiert und betroffen. Leonie aus Celle engagierte sich sehr in ihrer Gruppe. In Gesprächen stellten die Siebtklässler zum Beispiel fest, dass die Person als Kind in der Straße gespielt habe und Freunde in der Nachbarschaft gehabt haben muss.

Die Neuntklässler aus dem Flotwedel hatten ihren Gang durch die Stadt sogar mit Unterstützung der Lehrerin Nicole Meyersiek eigenständig vorbereitet und Fakten zu den Personen zusammen getragen. Unterwegs wurden die Gruppen mehrfach von Cellerinnen und Cellern angesprochen, ein Passant konnte dabei sogar einen hebräischen Gruß zitieren und zeigte sich sehr bewegt von der Aktion der Schülerinnen und Schüler.

Am Ende trafen sich die beiden Klassen in der Familienbildungsstätte, die einen Raum für die Aktion zur Verfügung stellte. Die Teilnehmenden konnten sich mit Tee, Kakao und Brötchen stärken und aufwärmen. Dabei erklärte Peter Hofstede, Geschichtslehrer an der Oberschule Westercelle, mithilfe von Fotos und Karten, welches grausame Schicksal die Menschen durch die Nationalsozialisten erleiden mussten und welche schrecklichen Momente auch die Soldaten erlebt hatten, die die Konzentrationslager schließlich befreiten.

Hofstede, Meyersiek und Liman, aber auch die Teilnehmenden von Pulse of Europe stellten abschließend fest, dass an diesem Tag der Erinnerung die Schülerinnen und Schüler durch ihre Aktion dafür gesorgt haben, dass Namen und die Schicksale der Opfer nicht in Vergessenheit geraten.

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Fotos: Ellen Brutschke, Nicole Meyersiek und Peter Hofstede

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