Ibrahim Keivo überzeugte mit Stimmgewalt und orientalischen Klängen

CELLE. Assyrische, aramäische, ezidische, arabische, armenische und kurdische Klänge waren am Freitagabend im gut besetzten Beckmann-Saal zu hören. Ibrahim Keivo, ein einzigartiger Musiker, nahm die Zuhörer mit auf eine gefühlvolle und lehrreiche Reise in die traditionelle Musik des Nahen Ostens.

Ibrahim Keivo ist ein in der arabisch-orientalischen sowie kurdischen Welt und inzwischen auch in Deutschland bekannter Sänger und Musiker. Das spiegelte sich auch im Publikum, deutsche, kurdische, jesidische und syrische Zuhörer fanden sich zusammen. Keivo sang in den verschiedenen Sprachen seiner Heimat und faszinierte auch mit den Geschichten zu den Liedern. Manche waren sehr persönlich wie das Lied über seinen Großvater, der mit acht Jahren den Genozid an den Armeniern überlebte. Manche handelten folkloristisch von Helden, Propheten oder der Freundschaft zwischen Armeniern und Eziden. Wieder andere hatten die Botschaft: „Lasst uns zusammen singen und tanzen, dadurch wird die Trauer zwischen uns keinen Platz finden“, sie erzählten vom Auswandern, dem Vermissen der Heimat und der Vertreibung.

Der Anlass für das Konzert war ein eher trauriger. Es war ein Konzert für Menschlichkeit, Solidarität und Hilfe insbesondere für die Kinder, die in Rojava, Nordsyrien, im Krieg leben oder geflüchtet sind, wie Nuri Delaf, Vorsitzender des Ezidischen Kulturzentrums Celle (EKZ), berichtete. Ayman Issa Challal, der einmal Bürgermeister in einer syrischen Stadt war und sich heute für Hilfslieferungen ins Kriegsgebiet engagiert, gab einen Einblick in die aktuelle Situation vor Ort. Bernd Zobel als Vorsitzender des Celler Kulturausschusses verwies auch auf die kürzlich veröffentlichte Resolution des Celler Rates zur Situation in Nordsyrien, die alle Parteien unterzeichnet haben.

Trotz der Erinnerung an Krieg und Leid hatte das Konzert auch fröhliche Momente, wenn Ibrahim Keivo von Liebe, hübschen Mädchen und dem Leben der Araber in der Wüste sang. Besonders die ezidischen und kurdischen Lieder weckten Emotionen bei den Gästen, viele konnten mitsingen – Gänsehaut-Feeling pur.

Damit auch die Nicht-Muttersprachler unter den Zuhörern den Inhalt der Lieder verstehen konnten, begleitete Yilmaz Kaba das Konzert als mitreißender Moderator und Dolmetscher. Organisiert wurde das Konzert von einer Gruppe von Syrern, Deutschen und dem EKZ bzw. den Eziden. Der syrische Imbiss Falafel Cellena sorgte mit Leckereien für das leibliche Wohl. Das Konzert wurde auf Video aufgenommen. Es wird demnächst über Youtube und über einen Fernsehsender der Eziden sowohl in Europa, in der Türkei als auch im arabischen Raum zu hören sein: Eine Botschaft aus Celle, dass die notleidenden Kinder im Krieg nicht vergessen werden. Die Einnahmen aus dem Konzert gehen an eine Hilfsorganisation.

Tipp: Einblick in die Musikwelt von Ibrahim Keivo, im Auftritt mit der NDR-Bigband: https://youtu.be/sWmXha47KFg

PR
Fotos: Francois Guenet Divergence, Dagmar Perles

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