Tanzschule Krüger – „Tanz fördert soziale Kontakte“ – Interview mit Marc Reinecke, Leiter der Tanzschule

CELLE. Seit Anfang letzten Jahres kann auch in der Rabengasse 2 getanzt werden. Im Interview spricht Mark Reinecke, Leiter der Tanzschule, über Vorteile neue Wagnisse einzugehen, über das Angebot und seine Erweiterungen.

Wieso kauften Sie das kleine Fachwerkhaus aus dem 16. Jh. Jahrhundert?

Wir haben uns bewusst einen kleinen Raum gesucht, nachdem wir mehrere Anfragen von Brautpaaren oder auch für spezielle Tänze mit kleiner Zielgruppe erhielten. Dafür brauchten wir einen kleinen Übungsraum. Wir bieten in dem Raum eher speziellere Kurse mit kleinen Gruppen an. Beispielsweise können bis zu fünf Paare dort Salsa, Swing oder Discofox lernen. Oder eben bis zu zehn Kinder dort tanzen.

Wie erleben die Teilnehmer das ungewohnte Umfeld der Innenstadt?

Viele Paare gehen zuvor Essen oder verabreden sich für einen Absacker danach. Eltern trinken in der Zwischenzeit häufig einen Kaffee oder gehen ein wenig shoppen. In der Innenstadt wird schon kein Kind vor einem Auto laufen. Das gibt ihnen Sicherheit. Für Fahrradfahrer besonders angenehm: sie kommen schnell und sicher zu uns hin. Manche Teilnehmer wohnen in der Innenstadt, da haben sie einen kurzen Weg zu uns.

Was hat Sie dazu veranlasst, ab 11. Mai im Braugasthof Mühlengrund in Wienhausen Tanzkurse für Jugendliche und Erwachsene anzubieten?

Unsere Tanzschule ist für junge Leute aus dem Umland mit öffentlichen Verkehrsmitteln kaum zu erreichen. Da bleiben nur zwei Alternativen offen: Entweder bleiben sie in der Zwischenzeit in Celle bei Freunden und werden abgeholt oder Eltern bringen und holen sie ab. Auch für erwachsene Teilnehmer ist die Anfahrt von mindestens einer halben Stunde ein Kosten- und Zeitfaktor Darum bieten wir ihnen in dem neuen Braugasthof Tanzstunden an. Als Pilotprojekt probieren wir es erstmal aus und schauen, wie sich das entwickeln wird.

Welche Kooperationen pflegen Sie auf welche Art?

Bei der „Disco Fox Kultnacht“ der CD-Kaserne bieten wir seit 5 Jahren einen kleinen Tanzworkshop an. Mit dem Celle Tourismus Management laden wir zum „Schwoof im Hof“ zum dritten Mal zur kommenden Weihnachtszeit ein. Ein kleines Highlight im Jahr ist das Charity-Event auf dem Dach des Kunstmuseums, das wir tänzerisch unterstützen. Das Schlosstheater unterstützen wir auch finanziell mit einer Stuhlpatenschaft, schließlich gibt es beide Einrichtungen schon lange in Celle. Recht frisch: die Teilnahme am Lebendigen Adventskalender der Initiative Celle, die gesammelten Spenden kommen einer Kinderklinik zugute. Ein ganz besonderes Highlight war unser Swing-Unterricht am Hygge, initiiert vom Residenzmuseum, vergangenes Jahr. Durch die öffentlichkeitswirksame Zusammenarbeit erhalten wir viel Aufmerksamkeit und bleiben im Bewusstsein der Menschen.

Wie kam es dazu, dass Sie so viel Aufmerksamkeit mit einer Riesenparty auf der Stechbahn 1994 erregten?

Der Tanzlehrerverband ADTV arbeitet mit „Aktion Mensch“ (damals: „Aktion Sorgenkind“) zusammen: einmal im Jahr plant jede Tanzschule eine Spenden-Veranstaltung. Gewöhnlich sammeln wir übers Jahr verteilt Spenden dafür. Eines Abends saß ich mit meinem Schulfreund Ingo Bloess zusammen. Wir wollten das in 1994 anders handhaben. Also mieteten wir die Stechbahn, organisierten eine Band und tanzten mit Celler Pärchen auf der Stechbahn. Wir hatten an alles gedacht: Würstchenstand, Bierbude und zwei Busse für Garderobe und Musikinstrumente. Sogar ein Autohaus konnten wir als Sponsor für das Event gewinnen. Allerdings hatten wir keinen Fotografen organisiert, daher gibt es keine Fotos. Drei Juroren zählten durch: Martin Biermann (damaliger Oberbürgermeister), Klaus Bock von Wülfingen (Rechtsanwalt). Vielen spendeten mehr als den eingeplanten einen Euro, weil sie sich über das Event freuten. Am nächsten Tag meldeten wir dem Guiness Buch die hohe Teilnehmeranzahl. Als Beleg haben wir die Ausgabe von 1996 und eine Urkunde erhalten.

Wie decken Sie Ihr breites Angebot für jede Altersgruppe ab? Gerade Senioren und Babys haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Zum einen bieten wir die Kurse zu den passenden Zeiten an. Morgens kommen die Senioren. Kleine Kinder tanzen bei uns zum frühen Nachmittag, gefolgt von den Jugendlichen am späten Nachmittag. Am Abend gibt es dann die Kurse für Erwachsene. Wir haben ausreichend Personal, die in unterschiedlichen Tänzen sehr gut ausgebildet sind. Daher können wir auch Unterschiedliches anbieten.

Für die häufig alleinstehenden Senioren bieten wir in unserem Agilando-Club eine gesundheitsfördernde, rhytmische Gymnastik und anspruchsvolle Choreographien. Die Gymnastik erfolgt aus dem Stand, da viele bereits Schwierigkeiten haben vom Boden wieder hoch zu kommen. Körperspannung und Bewegung kräftigen die Muskeln als auch die Knochen und beugen gegen Osteoporose vor. Tanzen stärkt das Herz-Kreislauf-System und wirkt Demenz entgegen. Schritt- und Figurenfolgen im rhythmischen Zusammenhang zu erlernen, schult intensiv das Gedächtnis. Als Gehirnjogging der aktiven Art bildet es eine stabile Barriere gegen das große Vergessen.

In unserem Mutter-Baby-Fitness-Programm können Mütter mit beckenbodenstärkenden Choreographien ihre Körperhaltung verbessern. Im Tragetuch schmiegt sich der kleine Mensch an ihre Mutter und schwingt sanft mit. Unser Trainerin hat Basiswissen zum Tragen von Babys. So können Mütter lernen, die kleinen Wesen richtig und rückenschonend zu tragen.

Tanzen fördert die Kontakte kann einer Ihrer Broschüren entnommen werden. Sind bei einigen Teilnehmern auch langfristige Kontakte entstanden?

Dies kann durchaus vorkommen. Einige Teilnehmer sind schon seit Schultagen hier und gehen ihr Leben lang einmal wöchentlich bei uns tanzen. Vielfach hat sich bei ihnen das Tanzen als Hobby etabliert und sie haben starke, nahezu familiäre Kontakte hier geknüpft. Für diese Teilnehmer hat sich die Tanzschule als familiärer Treffpunkt entwickelt. Sie kommen gerne hier her und tauschen sich auch gerne aus. So erfährt man auch als Tanzlehrer die ein oder andere Geschichte der Teilnehmer.

Gibt es eine Veranstaltung von Ihrer Tanzschule, auf die Sie sich besonders freuen?

Ja. Demnächst gibt es den Tanz in den Mai. Wie jedes Jahr kann zu Tanzmusik getanzt werden. Dabei geht es querbeet: Walzer, Tango aber auch Foxtrott. Diese Veranstaltung wird sehr gern besucht und altersgruppenübergreifend finden sich die Gäste ein. Gerade die Jugend liebt den Ballcharakter der Veranstaltung.

Zur kleinen Erinnerung für die Leser: Tanzen fördert Kontakte!

Infobox:

Angebote im Überblick
in der Innenstadt:

Swing / Lindy Hop
der 20er/30er Jahre

Anfänger:
Di., 10. März um 20.50 Uhr

Fortgeschrittene:
Di., 10. März um 19.50 Uhr

Salsa

Anfänger:
Di., 10. März um 18.50 Uhr
Fr., 27. März um 18.15 Uhr

Fortgeschrittene:
Fr., 27. März um 19.20 Uhr

Discofox
Do., 5. März um 20.50 Uhr

Salsa – Ladies Only!

Anfänger:
Fr., 27. März um 18.15 Uhr

Fortgeschrittene:
Do., 05. März um 19.40 Uhr

Club:

Do., 05. März um 18.30 Uhr

in Klein Hehlen:

Grundkurs Paare:
Mi., 11. März um 21.00 Uhr
Fr., 06. März um 19.20 Uhr
So., 08. März um 14.00 Uhr

Brautpaare Blitzkurs:
Sa., 14. März um 17.00 Uhr
Sa., 18. März um 17.00 Uhr

Demnächst:

Braugasthof Mühlengrund (Wienhausen)

ab Mo., 11. Mai Tanzkurse
für Jugendliche und Erwachsene

Weitere Kurse:
www.tanzschulekrueger.de

Infobox:

Entwicklungen in der Tanzschule

1872
Gründung der Tanzschule (Anna und Wilhelm Krüger) in Salzhausen bei Lüneburg

sein Sohn Robert Krüger übernahm die Leitung
1964 folgte sein Sohn Hans-Hugo Krüger
1966 Einführung des Welttanzprogramms (Bronze, Silber, Gold und Gold-Star)
1971 Umzug in die „Alte Molkerei“ in Celle
1979 Umzug in die aktuelle Tanzschule (Altes Schützenhaus)
1992 Kirsten und Marc Reinecke übernahmen fortan die Leitung
1994 Riesenparty an der Stechbahn
1996 Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde
2018 Eröffnung in der Rabengasse

Infobox: Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde 1996

Zum Samba-Formationstanz rief am 05. November 1994 der Tanzlehrer Marc Reinecke von der Tanzschule Krüger in Celle (N) auf – und 730 Paare folgten ihm. Die Begeisterung war so groß, dass gleich noch ein zweiter Rekordversuch gestartet wurde: eine Rumba-Formation. Ein dritter Versuch mit Cha-Cha-Cha mislang jedoch.

Rumba-Formation:Gleich nach einem geglückten Rekordversuch im Sambatanz stellten die begeisterten Tanzpaare auf einer Riesenparty in Celle (N) am 5. November 1994 noch einen Rekord mit einer Rumba-Formation auf. Wieder waren 730 Paare unter Leitung des Tanzlehrers Marc Reinecke »auf den Beinen«.

Redaktion
Celler Press
Fotos: Celler-Presse.de

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