Auch wenn die Kirchen geschlossen bleiben – die Glocken rufen zum Gebet

CELLE. Seit ungefähr 1500 Jahren rufen Glocken Christinnen und Christen zu Gottesdiensten und zum Gebet auf. Auch wenn die Kirchen geschlossen bleiben, können sich die Gläubigen im Gebet unter dem hörbaren Dach der Glockenklänge verbinden.

Ein Sonntagmorgen ohne Gottesdienst. Das ist für alle, die regelmäßig in die Kirche gehen, bisher nicht vorstellbar gewesen. Doch jetzt bleiben die Kirchentüren wegen der Coronakrise verschlossen. Den Kirchgängern fehlt nicht nur das Singen und Beten, sondern die Gemeinschaft. Das Gespräch bei einer Tasse Kaffee nach dem Gottesdienst. Nicht bei allen stößt die Schließung der Kirchen auf Verständnis.

„Aber jetzt“, findet der Pressesprecher des Ev.-luth. Kirchenkreises Celle Uwe Schmidt-Seffers, „stecken wir inmitten einer schwierigen Situation, und die wollen wir meistern!“ Ein gemeinschaftlicher und spiritueller Treffpunkt kann weiterhin der Sonntagmorgen sein, wenn um 10 Uhr die Glocken läuten. Das gemeinsame Singen von den Balkonen der Innenhöfe ist, wie es die Italiener gerade praktizieren oder der gemeinsame Applaus vor offenem Fenster als Dank für die unermüdliche Hilfe hunderttausender Menschen ist herzerwärmend. Es verbindet die Menschen trotz Ausgangssperre. 

Für Christen ist das Gebet eine Kraftquelle des Lebens. Schmidt-Seffers, der auch Pastor der Laurentiusgemeinde in Nienhagen ist, erlebt, wie ihn das tägliche Gebet immer wieder neu justiert und Raum schafft für Hoffnung: „Manchmal weine ich mir die Sorgen raus, gebe preis, was ich niemandem anvertrauen würde und spüre bald, wie sich Herz und Seele weiten.“ Auf der Internetseite des Kirchenkreises www.kirche-celle.de findet sich eine Fürbitte für den kommenden Sonntag.

In den Fürbitten, die ein fester Bestandteil jedes Gottesdienstes sind, nehmen Christinnen und Christen die ganze Welt in den Blick und sprechen aus, was sie bewegt, was sie sorgt und ängstigt, sie klagen, sie denken an Freunde und Feinde, bitten um Kraft und Zuversicht. „Wenn die Glocken am Sonntag läuten“, so Schmidt-Seffers, „halten wir inne und nutzen die Quelle unseres Glaubens in dieser schwierigen Zeit. Gebete sind das Atmen der Seele.“

Aber die Glocken der Kirchen laden mit ihrem Geläut nicht nur zum sonntäglichen Gottesdienst ein. In vielen Kirchengemeinden gibt es noch die Erinnerung an alte klösterliche Traditionen, die den Tag in Drei-Stunden-Schritte unterteilen. Das sogenannte Gebetsläuten um 9 Uhr, 12 Uhr, 15 Uhr und 18 Uhr ruft zum Gebet für einen gelingenden Tag, für Frieden, für Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung auf.

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