#fuereinander: Jeden Tag eine neue Corona-Lage – DRK-Sonderstab Covid-19

CELLE. Sonderstab Covid-19 – die Bezeichnung des Kreises von Funktionsträgern, der täglich – Wochenende inclusive – in dem kleinen Konferenzraum der Geschäftsstelle des Deutsches Roten Kreuzes (DRK) in Celle persönlich, via Skype, Video oder Facetime zusammenkommt, könnte einem actionreichen Film entstammen. Doch sie ist Realität und der Name spiegelt den Ernst der momentanen weltweiten Bedrohung durch das Virus Covid-19 wider.

Nun handelt es sich bei den Stabs-Mitgliedern um Rotkreuzler, und diese sind durch nichts so schnell zu erschüttern. Es könnte alles noch schlimmer sein. „Dieses ist kein Krisenstab, der wird nur bei Katastrophen gebildet“, merkt Jörg Brandes zu Beginn einer Sitzung an. Runden am Konferenztisch sind eigentlich nicht seine Sache „Ich sitze sonst auf dem Rettungswagen“, berichtet er. Doch seit dem 7. März ist für ihn und auch für die übrigen hauptamtlichen Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer des DRK-Kreisverbandes alles anders. Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) begann Anfang März, in ganz Niedersachsen Zentren für die Tests auf eine Infektion mit dem Corona-Virus einzurichten. „Für die Stadt und den Landkreis Celle wurden wir beauftragt“, erläutert Vorstand und Stabsleiter, Wilhelm Köhler. Das DRK wird als nationale Hilfsorganisation bei Bedarf von Landkreisen, Gesundheitsämtern und den Kassenärztlichen Vereinigungen herangezogen, um unterstützend tätig zu werden. Die Grundlage bildet das „DRK-Gesetz“.

„Seit der zweiten Märzwoche sind wir mit einem mobilen Team und einem stationären Testzentrum im Einsatz“, berichtet Köhler. Ein Grund für eine täglich neue Corona-Lage, die vom umgehend gebildeten Sonderstab erörtert wird, aber nicht der einzige. Die Pandemie hat Einfluss auf sämtliche Einrichtungen des DRK. Personell ergeben sich „Bäumchen-Wechsele-Dich“-Umbesetzungen. „In den Kindergärten findet nur noch eine Notbetreuung statt, die Tagespflege für Senioren ist geschlossen“, erklärt Vorstand Ketija Talberga. Auf die Erzieherinnen sowie das Pflegepersonal warten neue Aufgaben. „Wir bekommen die Anforderungsbögen für die Beprobung von Patienten von den Ärzten per Mail oder Fax geschickt. Die Formulare müssen bearbeitet, die Testutensilien vorbereitet werden“, berichtet die Medienbeauftragte Sabine Rohr. Es gelte, Termine zu vereinbaren und abzuklären, ob die Menschen in der Lage sind, sich ins Testzentrum nach Eschede zu begeben oder ob das mobile Termin sie aufsucht. Personal ist unerlässlich, um die Aufgabe zu bewältigen. Zwölf Mitarbeiter sind im Schichtbetrieb pro Tag im Einsatz.

An der Anzahl von 60 bis 100 Beprobungen täglich lässt sich ablesen, wie groß die logistische Herausforderung ist. Für deren Umsetzung wurde Jörg Brandes von seiner hauptamtlichen Tätigkeit als Notfallsanitäter freigestellt. „Wir sind mit der Koordinierung und Organisation betraut“, erläutert Jörg Brandes. Er ist nicht nur haupt-, sondern auch ehrenamtlich fürs Rote Kreuz tätig. Gemeinsam mit Doris Dieskau bildet er die Kreisbereitschaftsleitung, als eingespieltes Duo stehen beide nun im Dienst der Virus-Abwehr. Täglich erstatten sie Bericht im Sonderstab Covid-19 ebenso wie Holger Busse. Eine engere Anbindung an den DRK-Landesverband in Hannover ist in Ausnahmesituationen wie diesen vonnöten. Holger Busse ist hier der Mann, der alles im Blick hat. „Ich sondiere alle überregionalen Nachrichten und schaue, was für unseren Kreisverband wichtig ist“, erläutert Busse. Auch der Fachbereichsleiter des Rettungsdienstes, Cord Pukall, ist Teil des Stabes. „Die Logistik, die Bereitstellung von Schutzkleidung für unsere Mitarbeiter und die nötigen Desinfektionsmittel“, antwortet er, ohne eine Sekunde überlegen zu müssen, auf die Frage, worin er für seinen Bereich die größte Herausforderung sehe. Mehrfach fällt während der Sitzung der Begriff „Worst-Case“. Der Stab muss vorausschauend handeln, darf nicht nur den Ist-Zustand verhandeln, sondern muss in die Zukunft blicken. Wie ist vorzugehen, wenn die halbe Mannschaft im Rettungsdienst infiziert ist, wäre ein Szenario, das Pukall zu bewältigen hätte. Eine Infektion im Pflegeheim könnte sich ausbreiten wie ein Lauffeuer. Der Sonderstab Covid-19 hat diese Szenarien im Auge und sorgt vor.

Eine Pandemie ist zwar eine nie da gewesene Situation für die Rotkreuzler, aber so neu fühlt es sich für Jörg Brandes und Doris Dieskau dennoch nicht an. „Als die Flüchtlinge im Jahr 2015 kamen, haben wir auch einen Sonderstab ins Leben gerufen und versucht, unsere Arbeit so gut wie möglich zu machen“, berichtet Jörg Brandes. Die Ursachen waren völlig unterschiedlich, aber eines, das sich nicht von einem Tag auf den anderen aufbauen lässt, sondern einen Vorlauf von Jahren benötigt und stetig gepflegt werden muss, war damals so bedeutsam wie heute zu Corona-Zeiten. „Man benötigt ein gut funktionierendes Team, in dem die Arbeitsschritte wie bei einem Zahnrad ineinandergreifen“, beschreibt Doris Dieskau das Fundament für einen erfolgreichen Dienst an der Allgemeinheit. Dieser wiederum folgt bei Rotkreuzlern einem Leitmotiv, das Jörg Brandes abschließend anführt: „Wir machen das alles aus Liebe zum Menschen!“

Anke Schlicht
Fotos: www.bildeck.de (Steven Mihelic)

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