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Stellen Sie sich vor, es ist Corona und keinen interessiert’s

CELLE. Die Cornona-Maßnahmen werden immer häufiger in Frage gestellt, und es macht sich bundesweit eine Corona-„Müdigkeit“ breit. Viele Male zuvor wurde vor einer zweiten Welle im Herbst gewarnt, doch nun ist der Herbst schneller gekommen als gedacht. Deutschland muss nun aufgrund rasant steigender Infektionszahlen in einen weiteren Lockdown, der Menschen und Unternehmen an die Grenzen bringt. Sind aber alle Menschen bereit für einen Lockdown?

Die tägliche Zahl Neuinfizierter erreicht nun von Tag zu Tag neue Höchstwerte, die Anzahl der Todesfälle steigt ebenfalls und die Krankenhäuser warnen vor einer baldigen Überlastung. Grund genug von der Regiertung, die Reißleine zu ziehen und zusammen mit den Ministerpräsidenten der Länder den Teillockdown zu beschließen. Die Inkonsequenz der Maßnahme war allen bewusst; denn die besorgniserregenden Zahlen reichten wohl nicht aus, um den Lockdown sofort einzuleiten, nein, es sollten noch ein paar Tage vergehen, damit sich alle auch darauf einstellen können.

Der verzögerte Lockdown führte zu abstrusen Szenen im ganzen Land. Sportvereine riefen öffentlich auf, noch schnell bei ihnen am Wochenende zu trainieren und selbst Radiomoderatoren erzählten unverhohlen, dass sie am Freitag noch schnell ins Restaurant gehen wollen, weil ihnen diese Atmosphäre so gut gefällt und alle Hörer es doch auch machen sollten.

Gastronomen torpedieren Gastronomen

Da hatten erst Veranstalter und Gastronomen in Berlin demonstriert, um darauf aufmerksam zu machen, dass mit ihren ausgeklügelten Hygienemaßnahmen, die Menschen sicherer seien, als in der eigenen Wohnung. Am Freitag den 30. Oktober, testeten wir spontan den Hype auf Restaurants und die Sicherheitsvorkehrungen.  Im Schnellrestaurant McDonald’s in Altencelle wollten wir einen Blick hineinwagen. Der Parkplatz war gegen 19 Uhr komplett gefüllt und die Warteschlange zum Drive-in reichte bis zur Straße. Wir betraten das Restaurant und wurden von einem freundlichen Mitarbeiter empfangen. Einen Schein zum Ausfüllen der Kontaktdaten mussten wir allerdings nicht. Es wurde nur sondiert zwischen Restaurant-Essern und Abholern. Während die Restaurantgäste schön auf die Tische verteilt wurden, so quetschten sich Dutzende Menschen zwischen die Tische und warteten auf ihr Essen zum Abholen. Letztendlich war der Abholbereich vollkommen überlaufen, Abstände wurden nicht eingehalten und die Abholer – mit Maske – standen direkt neben den Tischgästen – ohne Maske. Das vollkommen überforderte Personal hatte mit sich und der Arbeit so viel zu tun, dass es im Servicebereich zu chaotischen Szenen kam. Sicherheitsvorkehrungen für das Personal? Keine. Hier ging es zu wie im Bienenstock, dicht an dicht und stets rempelte man sich an. Die Mund-Nasen-Bedeckung war bei dem hektischen Treiben störend und rutschte schnell herunter, was dann zumindest noch zum Mundschutz wurde. Die aufgestellten Plexiglaswände der Service- und Abholschalter wirkten anscheinend wie eine undurchdringliche Wand. Obwohl transparent, hatten Mitarbeiter und Kunden eine andere „Sicht“ und unterhielten sich stets daneben an dem Schutz vorbei.
Es waren verstörende Szenen, die einer unkontrollierten Verbreitung Tür und Tor öffnet. Ganz zu schweigen, dass wir gar nicht als Restaurantgast für eine etwaige Rückverfolgung registriert wurden. Mit solchen Szenen torpedieren Gastronomen andere Gastronomen, die um ihre Existenz kämpfen und explizit alle Maßnahmen korrekt und mit Sorgfalt umsetzten.

Das Land fährt herunter, die Schulen bleiben geöffnet

Erst endeten die Herbstferien und alle freuten sich auf den Schulbeginn, da fährt das ganze Land schon wieder in den Lockdown. Anders als beim ersten Lockdown, dürfen die Schulen weiter offenbleiben, was Schüler und Unternehmer gleichermaßen freut. Die Diskussionen um die „maroden“ Schulen und Lüftungsregeln in den Klassenzimmern nehmen wieder mehr Raum ein, da erinnern wir uns an den Schulstart am Montag den 26. Oktober. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete an diesem Tag bereits 11.689 neue Fälle, die von Tag zu Tag nun stark anstiegen. Wir fuhren in der Hannoverschen Straße am Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium vorbei und erinnern uns an merkwürdige Szenen. Es wirkte wie ein Großkonzert, da hunderte Schülerinnen und Schüler vor der Schule ohne Maske warteten. An der Fußgängerampel, auf der anderen Straßenseite, bildete sich auch eine sehr große Menschenmenge. Wer eine Maske trug, bildete eine Ausnahme. Hier kamen dichtgedrängt Hunderte zusammen, die dann vielleicht in dem Gebäude die Regeln einhalten mögen.

Auf den Zufahrtsstraßen ähnliche Bilder. Kleine und größere Gruppen, Freunde aus zwangsläufig mehreren Haushalten, die ihren Schulweg gemeinsam antreten. Abstands- und Maskenregeln gelten erst in der Schule, habe man sich gedacht, denn Maskenträger waren Mangelware.

Wenn man solche Szenen jedoch nicht kritisiert und abstellt, dann könnte man auch zu sofort wieder Open-Air Großveranstaltungen durchführen und wenn die Fallzahlen weiter so rasant ansteigen, dann betrifft es auch viele Schülerinnen und Schüler. Die Gefahr ist also groß, dass die Schulen – fernab des Gebäudes – zu Hotspots werden.

Es sind zwei konkrete Beispiele, die sinnbildlich für die Cornona-Lage sind. Es werden Maßnahmen getroffen, die später von wenigen nicht eingehalten oder gar kontrolliert werden. Es ist den Menschen und teils auch Unternehmen egal. Während viele unter den Schließungen leiden, Menschen unter Einsamkeit leiden und andere wieder endlich feiern gehen dürfen, so werden diese rüpelhaft und ignorant torpediert. Maßnahmen, die nicht immer reibungslos oder logisch ineinandergreifen, die doch die Menschen schützen sollen.

Es geht um Menschen, die schwer erkranken und ärztlich behandelt werden müssen. Diese Intensivkapazitäten sind begrenzt und wenn die Krankenhäuser Alarm schlagen, dann müssen Politik und die Bürger reagieren. Szenen, wie in der ersten Welle aus Italien und Spanien, wo Militärtransporter tausende Leichen aus Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen abholten, sollten uns mahnen, nicht nachlässig zu werden. Die meisten Infizierten haben gar keine, oder nur leichte Symptome. Viele wussten und wissen nicht einmal, dass sie infiziert waren oder sind. Eine Infizierung mit mildem Verlauf ist aber noch kein Freifahrtschein, denn die Langzeitfolgen können verheerend sein.

Redaktion
Celler Presse






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