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Die „Spaziergänge“ der Befürworter und Gegner von Corona-Maßnahmen *** aktualisiert

CELLE. Am Samstag gab es zwei Demonstrationen bzw. „Spaziergänge“ von Befürwortern und Gegnern der Corona-Maßnahmen. Die eine Demonstration „Make Racists afraid“ verlief morgens vom Triftpark hin zum Schloss (Abschlusskundgebung) und wurde von dem Jugendlichen Jonathan Pätzold geleitet, der grundsätzlich die Coronamaßnahmen befürwortete. Die zweite Veranstaltung unter dem Motto „Gemeinsam für Wahrheit und Freiheit“ führte mittags durch mehrere Straßen in der Innenstadt hin zum Großen Plan (Abschlusskundgebung), die Veranstaltungsleiterin war Anne Eckert. Daran nahmen die nicht gerade zimperlichen Gegner der Coronamaßnahmen teil.

Die Demo von der Trift zum Schloss unter dem Motto „Make Racists afraid“ verlief komplett unauffällig: Abstände wurden eingehalten, mindestens medizinische Masken getragen und die Polizei begleitete die „Störer“ nur – ohne nennenswerte Vorfälle. In abwechslungsreichen Alltagsklamotten spazierten sie friedlich zum Schloss.

Der 16-jährige Veranstalter Jonathan Pätzold nahm sich im Rundumschlag aktuelle Themen vor: Der Lockdown fördere Ungleichheiten. So thematisierte er das aktuelle Home-Schooling ohne Technik und ohne einen eigenen Raum, den Leidensdruck von Migrant*innen in den Flüchtlingslagern und Förderung von Großunternehmen sowie die geringe Unterstützung von Gastronomen und Kleinbetrieben. Soziale Verantwortung bedeute für Pätzold auch, „dass wir nicht das private Leben so einstellen, dass unser Leben nur noch auf Arbeiten für Profite minimiert“ werden würde. Viele Menschen könnten dazu nicht einfach ins Home-Office geschickt werden, ob es nun Arbeiter*innen im Supermarkt, im Carebereich oder in Schlachthöfen seien. Deutlich werde: die Einschränkung betreffe vor allen Dingen unsere persönliche Freiheit. Die Rücksichtslosigkeit gegenüber Menschen mit psychischen Probleme sei ein weiteres wichtiges Thema. Und all das gehöre zur Krisenpolitik des Staates und genau deswegen sei er heute hier. Pätzold forderte ein Ende dieser fragwürdigen und leichtfertigen Politik. Er fordere, dass es mehr und schnellere Impfungen gäbe. Ein Impfstoff, welcher von unseren Steuergeldern bezahlt werde, dürfe nicht patentiert werden. Auch hier dürften Profite nicht vor Menschenleben stehen.

Bei der sogenannten Musikparade unter dem Motto „Gemeinsam für Freiheit und Wahrheit“ ging es ganz anders zur Sache. Es wurde künstlich ein Stimmungsbild mit Worten erzeugt. „Die Angst geht um. Die einen haben Angst vor schwerer Erkrankung, ja mit Todesfolge. Die anderen haben Angst vor den Folgen der staatlichen Maßnahmen und manche haben Angst vor beidem, weil sie verunsichert sind. Die Angst regiert, möchte man sagen, aber ich sage euch, es wird mit Angst regiert. Die Angst wird emsig von machtverliebten Politikern gesät, von Pharmalobbyisten mit Behauptungen gedüngt und von den Medien mit der Gießkanne gewässert. (…) Die Angst weckt die Untertanen in den scheinbar mündigen Bürger. Der Untertan glaubt nicht an sich und seine Vernunft. Der Untertan unterwirft sich gläubig dem Regenten. Es ist der Glaube des Untertanen an die Errettung von dem Übel durch das Machtwort des Meisters. (…)“, so Reinhard Thomas aus Fuhrberg in einer Rhetorik, die manchem Bürger das Schaudern lehrte. Und die Anhänger waren begeistert. Die Worte aus der Rede von Reinhard Thomas wie „Plandemie“ (Plan und Pandemie), „Killervirus“ oder „Mutantenscharen“ schaffen neue Assoziationen und Ängste. Covid 19 erklärt der Redner als Atemwegserkrankung. Das war stark vereinfacht. Die Praxis zeigt, dass das Virus unter Umständen auch Leber, Nieren und Herz angreift, daher kann es tödlich sein. Und das auch nicht nur bei Menschen mit schwacher Immunabwehr, entgegen seiner Behauptung.

Anne Eckert wies auf den guten Draht zur Polizei hin: Polizisten seien Mütter und Väter, die ihre Kinder in der Schule hätten, wo ihnen diese unsäglichen Masken aufgezwungen werden, und darunter würden diese Eltern und diese Polizisten genauso leiden wie sie es täten. Sie sprach den Polizisten einen Dank aus. Die Polizisten hätten sich sehr gut für die Sicherheit des Zuges eingesetzt. „Wie ihr sicherlich wisst, es gab hier noch eine andere Veranstaltung von so schwarz gekleideten Menschen, die nicht damit einverstanden sind, dass wir unsere Grundrechte wahrnehmen. Diese Gruppierung haben sie ganz gut in ihre Schranken verwiesen, so Anne Eckert.“ Von außen betrachtet fragt sich der Beobachter: In welche Schranken denn? Da war doch alles friedlich gewesen? Dagegen gab es bei „ihrer“ Demo durch die Innenstadt mehrere Mahnungen, die Abstände einzuhalten und die Masken (Anm.d.Red. teils nur Tücher) richtig zu tragen. Mit viel Tamtam und Winken hier und da wirkte diese Demo eher wie eine „Musikparade“. Hier wurden durch die Musik und die gute Stimmung durch den Bariton-Sänger Dietmar Sander die umstehenden Leute dazu motiviert, nach- bzw. mitzulaufen, um sie dann in ihrer Rede von ihrem Denken zu überzeugen. Als der Gesang von Dietmar Sander ohne Maske am Ende erklang, drohte die Polizei die Versammlung aufzulösen, wenn die Veranstalterin es nicht selbst tut.
Kein Wunder, dass diese Veranstaltung bei den neugierigen Bürgern im Umfeld – die nicht gerade in Scharen erschienen waren – Kopfschütteln hervorrief. So war auch der Satz zu vernehmen: „Wegen denen müssen wir auch noch länger Einschränkungen in Kauf nehmen.“

Fazit:

Der Gegensatz zu beiden Demos könnte größer kaum sein. In der ersten Abschlusskundgebung legte der Redner seine Anliegen klar und authentisch vor. Die Rede bei der 2. Abschlusskundgebung strotzte vor rhetorischen Mitteln und Manipulationstechniken. In der ersten Demo hielten sich alle an die geltenden Auflagen, bei der anderen gelang es nur mit Müh und Not halbwegs die Auflagen zu erfüllen.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de





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