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Altstädter Schule Celle – Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung in Gefahr?

  • Celle

CELLE. Die Bürgerinitiative BauausSchauhaus beantragt, dass das Landesamt für Baudenkmalpflege noch vor Beginn der Bauarbeiten in der Altstädter Schule, Celle, umfassend die Öffentlichkeit über die denkmalrelevanten Entscheidungen informiert und Gelegenheit zur Stellungnahme und Aussprache gibt. 

„Die (spärlichen) Informationen, die die Öffentlichkeit über die anstehende Umrüstung der Altstädter Schule erreichen, erfüllen nicht nur uns mit großer Sorge“, so Wulf Haack, Sprecher der Bürgerinitiative. Dabei gehe es nicht um die künftige Nutzung als Sprachheilschule und die damit erforderliche Zurüstung des Bauwerks auf die neue Aufgabe. Denn es könne durchaus auch als Vorteil für die von der Bürgerinitiative angestrebte Anerkennung als Weltkulturerbe gesehen werden, dass dieses Bauwerk Schule bleibt und nicht in ein Museum oder Bürgerhaus umfunktioniert werde. Dass damit zwangsläufig Veränderungen im Inneren erforderlich und unvermeidbar werden, liege auf der Hand. Dabei müssten sich aber alle Maßnahmen daran orientieren, dass es sich um ein Baudenkmal von internationalem Rang handele, dass das Potential zum Weltkulturerbe habe. Zu diesen Maßnahmen gehörten vor allem auch vollständige und fortlaufende Informationen über die geplanten Maßnahmen vor Beginn der Bauarbeiten. „Insoweit beobachten wir mit steigender Sorge die Spärlichkeit, Ungenauigkeit und Unverbindlichkeit der Informationen, mit der die Öffentlichkeit über den in Kürze beginnenden Umbau informiert wird“, so Haack. Es sei wohl kein Zufall gewesen, dass in der Pressekonferenz vom 29. April 2021 weder der bauausführende Architekt noch ein Vertreter vom Denkmalschutz anwesend waren.

Die Bürgerinitiative habe in der jüngsten Vergangenheit festgestellt, dass „in der für Celle zuständigen Denkmalhierarchie für die Bauhausarchitektur die erforderliche Sensibilität fehlt“.  Deshalb habe die Initiative das Thema „Denkmalzukunft Glasschule“ aufgenommen. Ein schlimmes Beispiel für die fehlende Sensibilität sei die Vernichtung der Wachswarenfabrik Schmidt in der Speicherstraße, ein frühes Industriebauwerk der Klassischen Moderne. Dort sei mit dem vom Denkmalschutz genehmigten Abriss Fakten geschaffen worden, „die wie ein Bombenangriff auf unsere städtische Baugeschichte und die sich daraus ergebenden Chancen für die Tourismuswirtschaft  wirken“. Es liege auf der Hand, dass nach diesem brutalen Eingriff in die gebaute Stadtgeschichte für den Bereich der klassischen Moderne kein Vertrauen mehr bestehe in die für Celle  zuständige Denkmalhierarchie. Und das bedeute für die anstehenden Bauarbeiten in der Altstädter Schule, dass jetzt vor Baubeginn genau offengelegt werde, was dort denkmalrechtlich geschieht, bzw. nicht geschieht.

Die Einschätzung, dass die Schule das Potential zum Weltkulturerbe habe, kommt von  Michael Siebenbrodt, u.a. langjähriger Direktor des Bauhausmuseums in Weimar und  national und internationale anerkannter Wissenschaftler zum Weltthema „Bauhaus“. Mit Schreiben vom 5.11.2013 an den vormaligen Oberbürgermeister Mende hat er mitgeteilt, dass er angesichts des internationalen Rangs dieses Ensembles (Schule und Rektorenhaus) „für die Aufnahme als UNESCO Welterbe plädiert“.

Michael Siebenbrodt  kenne Celle sehr gut, insbesondere auch die Altstädter Schule. Auf der Grundlage der dem Kreistag zugeleiteten Umbauunterlagen  komme aus Weimar folgende vernichtende Beurteilung hinsichtlich der Berücksichtigung von denkmalrechtlichen Belangen:

 „Die mir vorliegende Baubeschreibung erscheint nicht geeignet, die Altstädter Schule von Otto Haesler als bedeutendes Baudenkmal zu erhalten. Es wäre nicht mehr als Kernstück des Ensembles der Haesler-Bauten im Kontext von Bauhaus/Neues Bauen touristisch anbietbar. Damit würde Celle ein neues und wichtiges Element einer zukunftsfähigen Tourismuswirtschaft aufgeben. Nach dem in ganz Deutschland kritisch reflektierten Abriss des Fabrikgebäudes von Haesler aus dem Jahr 1924 würde sich Celle endgültig aus dem Ensemble der Bauhaus-Destinationen verabschieden.“ 

Diese Aussage sei ein Alarmzeichen, sei ein Stoppschild gegen ein „Weiter so“. Durch  eine umfangreiche Information der Öffentlichkeit über die denkmalrelevanten Entscheidungen beim Umbau der Schule, die Möglichkeit zur Stellungnahme und Aussprache eingeschlossen, müsse verhindert werden, dass dieses Spitzenwerk der Bauhausarchitektur  die Qualität als Baudenkmal von internationalem Rang verliere  und damit auch der vorgezeichnete Weg zum Welterbe chancenlos werde.

Die Bürgerinitiative BauhausSchauhaus wendet sich mit einem dringenden Appell an das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und beantragt folgende Maßnahmen:

  1. vor Beginn der Baumaßnahmen in und an der Altstädter Schule, Celle, auf dem Portal des NLD Regionalreferat Lüneburg (https://bit.ly/2UnUixG ) der Öffentlichkeit der uneingeschränkte digitale Zugang zu  allen denkmalrelevanten Unterlagen ermöglicht wird.  Dabei gehen wir davon aus, dass dem Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, alle einschlägigen Gutachten, Untersuchungen, Stellungnahmen und Erkenntnisse zugänglich sind.
  2. auf dem Portal des NLD Stellungsnahmen, Anfragen und Anregungen zu den bei der Umnutzung erforderlichen denkmalrelevanten Maßnahmen in und an der Altstädter Schule veröffentlicht werden. 
  3. nach Ablauf einer angemessenen Frist, die einen Monat nicht unterschreiten sollte, ein öffentlicher Termin angesetzt wird, in dem vom NLD über die denkmalrelevanten Vorsorgemaßnahmen und  eingegangene Stellungsnahmen berichtet wird, Anfragen und Anregungen beantwortet werden und die Möglichkeit zur Nachfrage und Aussprache besteht.

PR
Archivfoto Celler-Presse.de

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