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Erdgasförderung: Seit zehn Jahren kein Fracking mehr in Niedersachsen

NIEDERSACHSEN. In den vergangenen zehn Jahren hat es in Niedersachsen keine Fracking-Maßnahme mehr gegeben – nachdem in den fünf Jahrzehnten zuvor diese Methode bei der Erdgasförderung immer wieder angewendet worden war. Niedersachsen ist das mit Abstand wichtigste Erdgasfördergebiet in Deutschland. Rund 95 Prozent des in Deutschland geförderten Erdgases stammt aus Lagerstätten, die in Niedersachsen liegen.

„Angesichts der nach wie vor lebhaft geführten Debatte um Fracking mag es verwundern, dass diese Technik in Niedersachsen jetzt schon seit zehn Jahren gar nicht mehr eingesetzt wird“, sagt Carsten Mühlenmeier, Präsident des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), der zuständigen Bergbehörde für Niedersachsen, Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein.

Zwischen 1961 und 2011 hatte es insgesamt 350 registrierte Fracking-Maßnahmen in Niedersachsen gegeben. Aus den restlichen 15 Bundesländern zusammen sind gerade einmal gut zwei Dutzend bekannt. Am 27. Juli 2011 gab es an der Bohrung Buchhorst T12 bei Sulingen (Landkreis Diepholz) die bis heute letzte Fracking-Maßnahme in Niedersachsen. Der bundesweit letzte Frac wurde 2014 in Mecklenburg-Vorpommern durchgeführt.

„Wegen unserer großen Erdgasvorkommen sind wir in Niedersachsen für das Thema Fracking ganz besonders sensibilisiert“, erklärt LBEG-Präsident Mühlenmeier. Die vor gut zehn Jahren unter anderem durch den US-amerikanischen Film „Gasland“ angestoßene Debatte sei in Niedersachsen besonders intensiv geführt worden. Dabei würden immer noch viele falsche Fakten kursieren. So glaubten viele Menschen bis beute, Fracking sei eine in Deutschland noch niemals eingesetzte Fördermethode, oder auch, dass Fracking eine dauerhafte Maßnahme sei. Tatsächlich dauere ein so genannter Frac meist nur wenige Stunden, in denen unter hohem Druck Wasser mit Additiven in die Erdgaslagerstätte gepumpt wird, um Risse im Lagerstättengestein zu verursachen, damit sich der Zufluss für die Förderung erhöht. Für Mühlenmeier ist es „jedenfalls heute eine unbestreitbare Tatsache, dass sich die gesellschaftliche Akzeptanz zum Fracking und teilweise auch zur Erdgasförderung insgesamt spürbar verändert hat“.

2016 verschärfte der Gesetzgeber auf Bundesebene die Voraussetzungen für das Fracking im Berg-, Wasser- und Naturschutzrecht. Der LBEG-Präsident sieht derzeit keinerlei Anzeichen für eine Trendumkehr: „Die Industrie hat seit Jahren in Niedersachsen keinen einzigen Antrag auf eine Fracking-Maßnahme mehr gestellt, auch nicht für das so genannte konventionelle Fracking.“ Und wegen der Erschöpfung der bisherigen Lagerstätten sei die jährliche Förderrate von Erdgas in Niedersachsen von 2011 bis 2020 von 12 auf noch 5,3 Milliarden Kubikmeter zurückgegangen – dies entspreche noch etwa fünf Prozent des in Deutschland jährlich verbrauchten Erdgases.

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