Mittwoch, 22. April 2026

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Friedensaktivisten protestieren gegen Militarisierung am Ostersamstag

Am heutigen Ostersamstag, dem 30. März 2024, versammelten sich in Unterlüß im Landkreis Celle rund 150 Teilnehmende, um gegen den Krieg und für Frieden zu demonstrieren. Gemeinsam zogen sie vom Bahnhof durch den Ort zum Hauptgebäude des Waffenherstellers Rheinmetall.

Ein Teilnehmer äußerte seine Motivation für die Teilnahme an der Demonstration: „Ich bin heute hier in Unterlüß, weil ich gegen die Militarisierung in Deutschland protestieren möchte. Es ist inakzeptabel, dass massiv Geld in das Militär investiert wird, während Sozialleistungen und Bildung gekürzt werden. Wir brauchen eine Vision jenseits von militärischer Logik, um echten Frieden zu schaffen.“

Die Veranstaltung begann mit Musik und Reden, moderiert von Veronika Hüning.

Charly Braun, langjähriger Verdi- und DGB-Funktionär, betonte die Normalität der Militärpräsenz und der Knallerei zwischen A7 und Unterlüß. Er rief dazu auf, sich der gewerkschaftlichen Initiative für Frieden und Militär- und Rüstungskonversion anzuschließen. Braun verdeutlichte die Auswirkungen des Krieges in den Landkreisen Celle und Heidekreis, wo eine hohe militärische Konzentration zu beobachten ist. Er kritisierte die Produktion von Kriegsfahrzeugen in der Region und erinnerte an die Geschichte der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltkriegs. Braun forderte eine neue Wirtschaftsstruktur, die sozialen und ökologischen Belangen gerecht wird, ohne auf militärische Mittel zu setzen.
Das Zitat von Bernd Brecht, das Braun anführte, thematisierte die Absurdität des Krieges und die Opfer, die für politische Interessen gebracht werden.

Der bekannte Schauspieler Rolf Becker reflektierte über die Absurdität von Rüstung und Krieg, indem er historische Ereignisse einordnete und persönliche Erfahrungen teilte. Dankbar dafür, wieder bei ihnen sein zu dürfen, erinnerte er an den Angriff auf Jugoslawien und die darauf folgenden militärischen Operationen. Er berichtete von einer Reise mit einer Gewerkschaftsgruppe in das bombardierte Land und erinnerte sich an die Schrecken des Krieges. Becker erzählte von einem Großvater, der im Zweiten Weltkrieg kämpfte und letztendlich schwer verwundet wurde. Dies verdeutlichte für ihn die Grausamkeit und Sinnlosigkeit von bewaffneten Konflikten.

In Bezug auf die aktuellen geopolitischen Entwicklungen warnte Becker vor den Folgen eines möglichen dritten Weltkriegs, der durch die Spannungen zwischen Ländern wie Russland, der Ukraine und Palästina ausgelöst werden könnte. Er rief dazu auf, aus der Geschichte zu lernen und nicht in die Fehler der Vergangenheit zu verfallen. Becker zitierte die Schriftstellerin Christa Wolf und betonte die Notwendigkeit, den Eintritt in einen erneuten Krieg zu verhindern. Seine Worte waren ein eindringlicher Appell, der die Zuhörer zum Nachdenken über die Konsequenzen von Rüstung und Konflikten anregte.

Sibylle Hoffman trug ein selbst verfasstes Gedicht vor, das die Absurdität von Krieg und Gewalt thematisierte. In ihrem Gedicht griff sie Zitate bekannter Autoren auf und machte deutlich, dass Frieden unabdingbar sei.

Veronika Hüning sprach über Friedensarbeit aus christlicher Sicht und erwähnte das Friedensgebot des Grundgesetzes. Sie betonte, dass seit dem Überfall der Hamas auf israelische Menschen über zwei Jahre vergangen sind, während der Krieg in der Ukraine bereits seit sechs Monaten andauert. Sie kritisierte die fortwährende Gewalt in verschiedenen Konflikten weltweit und verwies auf die unermesslichen Leiden, die durch Aufrüstung und Rüstungsexporte verursacht werden.

Hüning zitierte Papst Franziskus, der die Kriegshandlungen verurteilte und zum Frieden aufrief. Der Papst betonte, dass Krieg ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit sei und appellierte an die Mächtigen, zu erkennen, dass Krieg keine Lösung sei. Diese Äußerungen des Papstes stießen auf heftige Kritik, insbesondere als er von der weißen Fahne sprach und die Ukraine zur Kapitulation aufforderte.

Gerold König von Pax Christi Deutschland unterstützte die Position des Papstes und betonte, dass Verhandlungsbereitschaft in bewaffneten Konflikten mehr Leben retten könne als der Einsatz immer mehr Waffen. Er stellte das Recht auf Selbstverteidigung nicht in Frage, forderte jedoch eine klare Definition von roten Linien, wann dieses Recht ausgeübt werden darf.

Doris Artelt trat vor und verlas die Grußbotschaft von Dr. Margot Käßmann, die tiefgreifende Gedanken zu den aktuellen Konflikten in der Welt zum Ausdruck brachte. Käßmann verurteilte nachdrücklich die fortwährende Gewalt im Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die Terrorakte im Nahen Osten und zwischen China und Taiwan. Sie kritisierte die Praxis, dass Waffen durch Kirchenvertreter gesegnet werden, und betonte die Unvereinbarkeit von Waffenhandel und dem christlichen Glauben.

Die Botschaft von Käßmann appellierte an die Demut der Menschen, sich einzugestehen, dass sie schuldig werden können, wenn sie für Waffenlieferungen plädieren, die letztendlich Tod und Zerstörung bringen. Sie wies auf die finanziellen Interessen hin, die hinter der Waffenproduktion stehen, und nannte den steilen Anstieg des Aktienkurses von Rheinmetall als Beispiel.

Besonders bewegend war Käßmanns Gedanke an ihre Enkelkinder und an alle Kinder, die unter den Auswirkungen von Krieg und Konflikten leiden. Sie machte deutlich, dass die immensen Summen, die für Rüstung ausgegeben werden, keine Investition in die Zukunft sind, sondern im Gegenteil dazu beitragen, die Klimakatastrophe zu verschärfen.

Käßmann forderte dazu auf, Kritik an Waffenlieferungen nicht zu diffamieren und betonte, dass sie und ihre Mitstreiter sich für die Überwindung von Nationalismus und Rassismus einsetzen. Sie rief zur dringenden Notwendigkeit von Abrüstung auf und betonte, dass es Zeit ist, die Welt endlich zu entwaffnen.

Die Grußbotschaft von Dr. Margot Käßmann verdeutlichte die dringende Notwendigkeit, den Weg des Friedens einzuschlagen und sich für eine Welt ohne Waffen einzusetzen, in der Gewalt und Tod nicht das letzte Wort haben.

Friedensappell

„In der Lüneburger Heide, konkret in der Südheide, möchten wir heute einen Appell verabschieden. Ein Appell, der wie ein Golfball in die große weite Welt hinausfliegt – vielleicht nicht ganz so schnell, aber dennoch mit einer klaren Botschaft“, so Hans-Dietrich Springhorn.

„Heute, am Ostersamstag, dem 30. März 2024, haben wir uns vor dem Werkstor der großen Rüstungsfirma Rheinmetall in Unterlüß in der Südheide zur Osteraktion 24 zusammengefunden. Wir schließen uns der bundesweiten Oster- und Friedensbewegung an, die in diesen Tagen überall im Land auf die Straße geht, um unter anderem ein Ende der wahnsinnigen Aufrüstung und Militarisierung unserer Gesellschaft zu fordern.

Die Lüneburger Heide ist einer der größten Militär- und Rüstungskomplexe in der Mitte Europas, mit den riesigen Truppenübungsplätzen, den Monsterlagern Bergen und Hohne sowie dem Flugplatz in Faßberg. Doch wir wollen nicht nur auf die damit verbundene Belastung und Gefahren hinweisen, sondern auch die deutsche Regierung und die Öffentlichkeit aufrütteln.

Es muss Schluss sein mit einer Politik, die auf Macht, wirtschaftliche Dominanz und Waffengewalt setzt. Deutschland muss ein Land sein, von dem Frieden ausgeht. Wir wollen kein anderes Land ruinieren und gegen keines Krieg führen. Politikerinnen und Politiker müssen Konflikte ohne Gewalt lösen, durch Verhandlungen, Kompromisse und Verträge.

Unsere Kinder brauchen eine Politik, die das Land friedenstüchtig macht. Denn nichts Tüchtigkeit schadet mehr als massives Militär und Rüstung. Granaten bringen Tod und Elend und zerstören die Umwelt. Die Zukunft unseres Landes sieht katastrophal aus, wenn weiterhin so viel Geld in die Rüstung und das Militär gesteckt wird.

Die Menschen brauchen Frieden. Kriege kennen nur Verlierer. Wir wollen eine andere Politik.“

Obwohl die Rede letztendlich nicht gehalten wurde, möchten wir den eigentlichen Redebeitrag von Holger Griebner beim Hamburger Forum für Völkerverständigung und weltweite Abrüstung e. V. präsentieren. In dieser Redebeilage widmete sich Griebner der Thematik der Kriegsprofite durch die Rüstungsindustrie und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Folgen.
Rheinmetall, Unterlüß, behandelte die Thematik der Kriegsprofite durch Rüstungsindustrie und den damit einhergehenden gesellschaftlichen Folgen. Griebner kritisierte die Verharmlosung von Rüstungsausgaben als „Sondervermögen“ und wies darauf hin, wie die deutsche Außenpolitik den globalen Rüstungsmarkt absichert. Er beleuchtete die Verzehnfachung der Rüstungsexporte nach Israel seit dem Beginn des Konflikts in Gaza und betonte die Rolle von Unternehmen wie Rheinmetall bei der Kriegsprofite. Griebner appellierte an die Errichtung eines Friedenscamps in Unterlüß als Gedenkstätte für die Opfer der Kriegsgeschichte und als Zeichen des Widerstands gegen die Rüstungsproduktion. Er mahnte angesichts der drohenden Gefahr eines Krieges eine Umkehr in der Rüstungspolitik an und rief dazu auf, gemeinsam für eine friedlichere Zukunft einzutreten.

Insgesamt war die Demonstration ein deutliches Zeichen gegen die Militarisierung und für den Frieden, das von den Teilnehmern mit großem Applaus unterstützt wurde. An diesem Ostersamstag setzten die Menschen in Unterlüß ein starkes Zeichen für eine friedliche Zukunft.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Celler-Presse.de

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