Altes Handwerk neu erleben: Impressionen aus der Sommerakademie in Dohnsen

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DOHNSEN. Seit Donnerstag treffen sich vom Kunsthandwerk Begeisterte, um mit Silber, Filz, Leder oder Holz und auch mit Ton, Stein oder Stahl zu arbeiten. Unter der Anleitung von qualifizierten Kursleiterinnen und Kursleitern werden eigene Kunstwerke hergestellt.

Die Goldschmiedin Kerstin Homann (Schmuckwerk) organisiert zusammen mit befreundeten Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerkern seit 2012 in Dohnsen jährlich eine Sommerakademie. Ihre Werkstatt und der gesamte Hof verwandeln sich vom 6. bis 9. Juli 2017 und vom 12. bis 16. Juli 2017 für jeweils 4 Tage in einen Ort, an dem der Umgang mit den verschiedenen Materialien ausprobiert werden kann. Tageweise kann zwischen den Materialien gewechselt werden. Auch das Kombinieren von Materialien ist möglich.

Es herrscht ein buntes Treiben und Kreativität liegt in der Luft. Ob in der Scheune, dem Garten oder in der Goldschmiede, überall wird gewerkelt. Neue Werktechniken können kennengelernt, kombiniert und vertieft werden:

Regina aus Bergen bearbeitet unter der Anleitung von Vicky Rodenwaldt (www.filzpur.de) den bunten Filz. „Mein Mann und ich sind selbstständig und wir sind durch und durch Handwerker. Ich freue mich darauf, hier ein paar Tage lang ein neues Handwerk auszuprobieren. Die Goldschmiede kenne ich schon, ich mache regelmäßig einen Kurs bei Kerstin. Ich bin jetzt zum 3. Mal bei der Sommerakademie dabei und es ist eine wirklich gute Stimmung“, hebt Regina hervor. Dieses Mal sind tolle Leute hier. Der alte Bauernhof und die lockere Atmosphäre gefallen mir gut. Ich muss nichts Perfektes abliefern, ich kann mich einfach ausprobieren und sehen, was aus dem Material entsteht.“

Für Silke aus Sülze ist die Sommerakademie ein fester Termin in ihrem Kalender. „Ich nehme jetzt zum 4. Mal teil und freue mich schon seit langem darauf meine Kenntnisse zu vertiefen und wieder auf nette Leute zu treffen. Wir kommen hier völlig zwanglos miteinander ins Gespräch und manchmal ergeben sich wirklich interessante Begegnungen.“ Silke möchte für ihre Katze Ilse eine Kuschelhöhle aus Filz herstellen. „Die Materialien Stein, Metall, Ton und Silber kenne ich von den letzten Kursen. Jetzt bin ich gespannt, ob die Höhle aus Filz etwas für meine Katze ist.“ Für ihren Hund Oskar hat Silke bereits eine Leine aus schwarzem Leder hergestellt.

Der 9-jährige Julius ist zusammen mit seiner Mutter Grit aus Wolfsburg angereist. Die beiden schlafen in einer kleinen Pension im Nachbarort. Julius hat ein kleines Kunstwerk aus Holz hergestellt. „Es ist der Drache aus dem hölzernen Ei“, berichtet er stolz. Auch seine Mutter bearbeitet ein Holzstück. „Ich habe schon aus dem Holz unseren Nachnamen herausgearbeitet und nun geht es weiter. Das Material ist neu für mich und ich hoffe unter der Anleitung von Stefanie Fuentes Schreiber (www.fuentes-schreiber.de) den Umgang mit den Werkzeugen zu lernen und meine Vorstellung herauszuarbeiten.“

Volker aus Hamburg freut sich sich darüber die verschiedenen Werkstoffe auf der Sommerakademie auszuprobieren. „Ich habe mit dem Leder angefangen und ein Armband hergestellt, in das ich einen Stein eingearbeitet habe. Volker lässt sich das Sattlerhandwerk von Jan Gundermann (jg-leder@gmx.net) zeigen. Über dem Arbeitsbereich schwebt ein wunderbarer Ledergeruch und es sind bereits Gürtel und Taschen zu erkennen, an denen gearbeitet wird.

Dietlind ist Yogalehrerin und hat aus Filz eine Kette hergestellt, die nun in der Goldschmiede von Kerstin Homann (www.schmuckwerk-kh.de) mit einer Silberfassung versehen wird. „Das Sägen und Feilen erfordert sehr viel Geduld und Fingerfertigkeit, aber mit der Hilfe von Kerstin entstehen hier wirklich wunderschöne Schmuckstücke, die einzigartig sind.“

Auch Andrea ist glücklich. „Seit 20 Jahren liegt ein kleines Fossil bei mir zu Hause. Es ist ein Fundstück aus Südengland und nun habe ich es in Silber eingefasst. Ich freue mich sehr darauf, diesen besonderen Anhänger zu tragen.“ Andrea ist aus Buchholz mit ihrem Partner und ihrem Sohn angereist: „Wir schlafen in Zelten. Unser Sohn hat ein kleines Zelt für sich alleine und wir schlafen in einem Wikingerzelt auf Liegen. Mit Decken und Fellen haben wir uns gemütlich eingerichtet, es ist ein kleines Abenteuer.“

Die gute Verpflegung ist für die Kursteilnehmer wichtig. Die Organisatoren haben 2 Köchinnen gewonnen, die alle mit liebevoll zubereiteten Speisen versorgen. Zum Frühstück trudeln nach und nach einige ein, das Mittagessen wird sehnsüchtig erwartet und nach dem Abendessen bleiben die meisten an der langen Tafel in der Remise sitzen und genießen das Miteinander.

„Es ist einfach wunderbar mit den Leuten, die sich hier auf dem Hof zusammenfinden, um Abstand vom Alltag zu gewinnen.“ Aber nicht nur das gemeinsame Arbeiten in kleinen Gruppen, auch der Austausch mit den anderen scheint wichtig. „Wenn man sich den ganzen Tag am Material ausprobiert hat, dann ist man zufrieden. Das ist eine gute Basis, um abends am Lagerfeuer miteinander zu reden“, sind sich die Kunsthandwerker einig.

Gestern haben einige sogar bis in den späten Abend weiter an ihren Lederstücken gearbeitet“, erzählt Kerstin Homann. Sie ist davon überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Techniken einen inneren Prozess in Gang setzt. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Kursteilnehmerinnen und Kursteilnehmer neben dem Material oft auch ihr persönliche Situation bearbeiten und in den Kontakt zu sich selbst und den wichtigen Fragen im Leben kommen.“

Auch der 2. Teil der Sommerakademie vom 12. bis zum 16. Juli 2017 (Ton, Stein, Stahl, Silber) ist bereits ausgebucht. Das spricht für die gute Zusammenarbeit aller Kursleiterinnen und Kursleiter und eine gute Organisation vor Ort.

Marion Anna Peterson
Redaktion
Celler Presse





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