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Ernte 2019: Zwischen „blauem Auge“ und Katastrophe – Landwirtschaftskammer zieht Bilanz eines erneut viel zu trockenen Sommers

NIEDERSACHSEN. 2019 ist das dritte schwierige Erntejahr für die Landwirtschaft in Niedersachsen. Nach dem extrem nassen Jahr 2017 und der Dürre 2018 hatten die landwirtschaftlichen Unternehmen erneut mit einer langanhaltenden Trockenheit zu kämpfen. „Die Auswirkungen auf die Erträge waren regional sehr unterschiedlich“, sagte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer, auf der Ernte-Pressekonferenz seines Hauses, die heute (15. Oktober) in Hannover stattfand.

Ursache der großen Differenzen waren die regional sehr inhomogene Niederschlagsverteilung und das unterschiedliche Wasserspeichervermögen der Ackerböden. Auf guten Standorten, die Regen abbekommen hatten, wurden teilweise gute Erträge erzielt. Dramatisch sah es dagegen auf sehr leichten Böden in Regionen mit geringem Niederschlag aus. Hier konnten nur schlechte Erträge eingefahren werden. „Viele Betriebe sind wohl mit einem blauen Auge davongekommen“, resümierte der Kammerpräsident, „andere wiederum haben eine miserable Ernte zu verbuchen.“

Beregnungsbetriebe hätten trockenheitsbedingte Ertragseinbußen technisch abmildern können. „In diesem Jahr lag das Plus gegenüber nicht beregneten Flächen zwischen 20 und 60 Prozent“, nannte der Kammerpräsident Zahlen aus kammereigenen Versuchen. „Allerdings steht Wasser nicht unbegrenzt zur Verfügung“, erinnerte Schwetje. Gerade in diesem Jahr hätten viele Betriebe ihre Beregnung nach dem beregnungsintensiven Vorjahr einschränken müssen. Zudem sei die Beregnung ein sehr arbeitsintensives und teures Betriebsmittel. Ein Millimeter Regen aus der Düse koste etwa drei bis fünf Euro je Hektar. Bei Regengaben von 100 Millimetern (100 Liter pro Quadratmeter), die nicht ungewöhnlich seien, fielen zusätzliche Kosten von 300 bis 500 Euro je Hektar an. Und auch Betriebsmittel wie Dünger, Pflanzenschutzmittel und Energie seien teurer geworden.

Nach aktuellen Prognosen werde der Klimawandel weniger Regen im Sommer mit sich bringen. Die Niederschlagsmenge eines Jahres werde dagegen leicht zunehmen. „Wir haben beim Wasser in Zukunft in erster Linie ein Verteilungsproblem und kein Mengenproblem“, folgerte Schwetje. Und das ließe sich mit einem entsprechenden Wassermanagement in den Griff bekommen.

Beim Thema Klimawandel sieht der Kammerpräsident die Landwirtschaft doppelt gefordert: Sie muss sich an die Klimaänderung anpassen und gleichzeitig aktiven Klimaschutz betreiben. Als Beispiele für die Anpassung nannte Schwetje eine Erhöhung des Humusanteils im Boden, vielfältigere Fruchtfolgen, die widerstandsfähiger gegen Klimarisiken sind, sowie wassersparende Anbauverfahren wie etwa die Mulchsaat, bei der auf das Pflügen verzichtet wird. Treibhausgasemissionen könne die Landwirtschaft mindern bzw. vermeiden, in dem sie zum Beispiel Stickstoff immer effizienter einsetze, Erträge auf dem Acker und Leistungen im Stall mittels einer effizienten Produktion sichere oder alternative Energien, sei es aus nachwachsenden Rohstoffen, Sonne oder Wind, gewinne. „Kraftstoffe, Strom und Wärme werden daraus klimaschonender erzeugt, als aus den fossilen Energieträgern Kohle, Erdöl oder Erdgas“, erklärte Schwetje.

Das im Klimaschutzprogramm vorgegebene Ziel für die Landwirtschaft, bis 2030 elf bis 14 Millionen Tonnen Treibhausgase einzusparen, nannte Schwetje „ambitioniert“. Um es erreichen zu können, forderte er eine gerechte Zuordnung der geminderten Treibhausgase. „Nur so kann die Landwirtschaft die Früchte ihrer Klimaschutzleistungen auch ernten“, sagte der Kammerpräsident. Wenn zum Beispiel über den Humusaufbau in Ackerböden jährlich bis zu vier Millionen Tonnen Treibhausgase dauerhaft gebunden würden, hätte nach derzeitigen Regeln der Landwirtschaftssektor nichts davon. „Deshalb gehört die Anrechnung der tatsächlich verminderten Treibhausgase auf den Prüfstand“, folgerte Schwetje.

Die Kammer helfe den landwirtschaftlichen Betrieben bei der Klimaanpassung und beim Klimaschutz. Grundlage der Beratung sei eine betriebsindividuelle und produktspezifische Klimabilanz. Dazu habe die Kammer den Treibhaus-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft – kurz TEKLa – entwickelt. „Aus unseren bisherigen Untersuchungen mit TEKLa wissen wir, dass sich viele Klimaschutzmaßnahmen rechnen“, so Schwetje, der darin eine wichtige Antriebsfeder für die Umsetzung der ermittelten Maßnahmen sieht. Das durchschnittliche Vermeidungspotential bezifferte er mit durchschnittlich 50 Tonnen Treibhausgas je Betrieb und Jahr.

Ausführlich widmete sich der Kammerpräsident der angespannten Situation auf den Milchviehbetrieben: „Nimmt man Grünland und Mais zusammen, dann waren in Niedersachsen rund eine Million Hektar Futterfläche von der Trockenheit betroffen.“ Die Futtersituation sei angespannt, denn Restbestände aus dem Vorjahr gebe es kaum, und die Grassilagen dieses Frühjahres seien bereits verfüttert worden oder würden aktuell verfüttert.

Viele Betriebe kauften Futter zu, streckten die Futterrationen zum Beispiel mit Stroh oder verkleinerten ihre Bestände. Hinzu kämen große wirtschaftliche Herausforderungen, denn es seien nicht nur steigende Futterkosten und sinkende Milchpreise zu verkraften. Nach zwei extrem trockenen Jahren und einer Mäuseplage müssten die schwer geschädigten Grasnarben teuer repariert werden. „Alles das addiert sich zu horrenden Summen“, so Schwetje, der vermutet, dass viele Milchviehbetriebe aufgrund des Kostendrucks aufgeben werden.

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