„Mein neuer Alltag“ – Kurzarbeit und geschlossene Dienststellen verändern den Beratungsalltag

CELLE. Viele berechtigte Unternehmen haben für ihre Mitarbeiter oder einen Teil davon Kurzarbeit angezeigt. Die Zahl der Betriebe ist inzwischen auf 2500 gestiegen, teilte die Agentur für Arbeit Celle kürzlich mit. In normalen Zeiten kümmern sich 20 Personen für den Agenturverbund Celle, Nienburg-Verden, Lüneburg-Uelzen und Stade um Kurzarbeitergeld, Insolvenzgeld und andere Leistungen. Inzwischen kümmern sich 330 Mitarbeitende im Agenturverbund der Behörde um das Kurzarbeitergeld – davon nur für die Agentur Celle 49 Beschäftigte um die Anträge und Auszahlungen. Ulrike T. ist eine von ihnen und tut dies in der Agentur für Arbeit Celle wohnortnah in der Dienststelle Hermannsburg. Sie erzählt von ihrem neuen Alltag:

Ulrike T. im veränderten Beratungsalltag

„Eigentlich helfe ich Menschen, einen neuen Job zu finden. Wegen der Flut von Anfragen beim Kurzarbeitergeld bin ich im Unterstützungsteam für die Bearbeitung von Kurzarbeitergeld eingesetzt. Seit Mitte März geht es aber fast ausschließlich darum, wie die Agentur für Arbeit Lohnausfälle kompensieren kann. Vor allem in den ersten Wochen war das Telefon Dreh- und Angelpunkt der täglichen Arbeit. Jetzt wird es etwas ruhiger, weil sich viele Betriebe informiert haben und die Antragsunterlagen einreichen. Sorgen gibt es aber immer noch zur Genüge“.

Andere Kolleginnen und Kollegen bedienen zurzeit die eigens geschaltete Entlastungshotline. Bei denen steht das Telefon nicht still. Kaum haben sie aufgelegt, klingelt es wieder. Dort können sich Unternehmen zu allen möglichen Fragen rund um die Absicherung des Unternehmens melden und die Kurzarbeit auch anzeigen.

„Von einem Tag auf den anderen war auch bei uns in der Agentur alles anders. Mit einem Großteil der Kollegen aus der Abteilung wechselte ich ins Kurzarbeitergeld-Team. Wir bekamen Schulungen, brachten uns viel im Selbststudium bei. Über Videokonferenzen und Internetseminare wurde mir in kürzester Zeit das notwendige Wissen vermittelt. Zwar haben wir zwei Kinder und mein Mann ist ebenfalls berufstätig, doch ist mit Beginn der Krise der Alltag völlig anders geworden. Mein neuer Arbeitsalltag beginnt ab Mittag. Wir geben uns die Klinke in die Hand und versuchen den Spagat zwischen Beruf und Kindern irgendwie zu meistern. Zu Hause ist es meist recht unruhig und deswegen fahre ich weiterhin zur Arbeit. Es ist das Einzige, das in meinem Alltag gleichgeblieben ist. Je nach Absprache checke ich am Arbeitsplatz ein – mit Sicherstellung der Erreichbarkeitszeiten am Telefon ist das ein Hauch von Flexibilität in Sachen Kinderbetreuung. Der Weg zum Arbeitsplatz führt allein durch die Flure – das Abstandsgebot hat hohe Priorität. Tür zu und Anmeldung im System. Zunächst sichte ich meine Mails. Schaue nach, ob es Neuigkeiten gibt, Änderungen zum Verfahren. Es ändert sich gesetzlich gerade so schnell etwas. Je nachdem wie viele Anträge eingehen, habe ich den Hörer in der Hand um Nachfragen bei den Arbeitgebern zu tätigen oder bearbeite die vielen Anzeigen und Anträge der Unternehmen, prüfe sie auf Vollständigkeit. Dabei ist jeder Tag anders.

Unser Job ist auch so schon sehr fordernd. Aber jetzt?

Wir sitzen hier in Einzelbüros, halten die Hygieneregeln ein, waschen uns die Hände. Die Pausen regeln wir so, dass nicht plötzlich alle im Gemeinschaftsraum sitzen. Laufen wir uns über den Weg, halten wir Abstand. Ich fühle mich genügend geschützt. Der Weg zur Arbeit ist normal geblieben und ich achte darauf, nichts anzufassen. Auch das ist in Ordnung. Desinfektionsmittel steht zur Verfügung und Nachschub ist geordert worden. Eine Alltagsmaske habe ich mir bereits vor einiger Zeit organisiert. Viele Arbeitgeber haben ganz allgemeine Fragen. Sie wollen wissen, wie das Prozedere ist, wie lang es dauert, brauchen Hilfe beim Ausfüllen der Formulare. Ich erkläre dann Schritt für Schritt, was sie tun müssen. Nicht nur für uns ist das Neuland! Mittlerweile werden die Fragen immer spezieller und es gibt die Möglichkeit auf Spezialistenwissen zurück zu greifen.

Bei der Bundesagentur für Arbeit bin ich seit 2015. Zunächst habe ich das Studium der Erziehungswissenschaften absolviert. Anschließend habe ich im Familienbüro in Bergen gearbeitet. Mein Job ist auch so schon fordernd. Aber jetzt? So was habe ich noch nicht erlebt. Gerade habe ich noch mehr den Anspruch, so schnell wie möglich zu arbeiten. Verlässlich zu sein. Doch die Motivation zu helfen ist entscheidend – da wird auch mal an einem Samstag mit 37 Kolleginnen und Kollegen geklotzt. Was mir hilft: Die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sind alle so freundlich, so dankbar. Darüber war ich anfangs überrascht. Diese positive Wahrnehmung tut extrem gut – und motiviert mich jeden Tag aufs Neue. Trotzdem ist es hart, so viele Sorgen zu hören. Am Telefon schwingt immer Unsicherheit mit. Auf Dauer entstehen Existenzängste. Niemand kann voraussagen, wann alles vorbei ist. Normalität werden wir erst langsam wiederfinden – so wie vorher? Das wissen wir nicht……“.

Gebot der Stunde

Die Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle hat früh auf die sich abzeichnende Krise und die damit verbundenen Belange der täglichen Arbeit reagiert. Mit der Schließung der Agentur für Arbeit an den Standorten Celle, Hermannsburg, Soltau und Walsrode wurden die Kräfte gebündelt und aufgabenorientiert organisiert. Schlanke Entscheidungswege für die Bearbeitung von Kurzarbeitergeld wurden gesetzt und kurzfristige personelle Umsetzungen führten zur direkten Erreichbarkeit bei den Fachkräften in der Arbeitsagentur Celle.

„Es ist uns wichtig, dass wir sozialen Frieden sichern und zeitgleich dafür sorgen, dass keine Arbeitsplätze verloren gehen“, so Andreas Geier, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Celle. „Wir haben frühzeitig mit personellen Umsteuerungen in der Arbeitsagentur Celle reagiert und so zeitnah das Thema der Leistungserbringung priorisiert. Das war für uns in der Geschäftsführung Gebot der Stunde“.

„Auch der enge Austausch mit den Vertretern der beiden Landkreise Celle und Heidekreis sowie den Politikern vor Ort ist mir wichtig. Es ist für alle Mitbürginnen und Mitbürger nun wichtig, dass im Bereich der Sozial- und Arbeitsverwaltung ein verlässlicher Partner Gewehr bei Fuß steht und den Menschen in der jetzigen Situation hilft“, so Sven Rodewald, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Celle. „Wir haben jedoch parallel dazu auch den Ausbildungsmarkt für unseren jungen Menschen weiter im Blick. Hier darf kein Ausbildungsjahrgang verloren gehen. Wir arbeiten derzeit intensiv telefonisch mit unseren Schülerinnen und Schülern und vermitteln diese weiter in Ausbildungsverhältnisse ab dem 01.08 und 01.09.2020“.

PR
Foto: Agentur für Arbeit Celle/Benjamin Bauch

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