Anzeige

Multilinguales SommerCamp fördert die Resilienzbildung – Drei kolumbianische KünstlerInnen zu Gast in der KulturTrif(f)t

CELLE. Vom 08. bis zum 21. August veranstaltet der Verein KulturTrif(f)t ein kulturelles und internationales SommerCamp. Unsere Redaktion schaute exklusiv in der ersten Woche rein, um darüber zu berichten. Die kolumbianischen Gäste sitzen wegen Corona und dem Wegbrechen ihrer künstlerischen Möglichkeiten in Celle fest. Damit bot sich ihnen die perfekte Gelegenheit, gemeinsam mit KulturTrif(f)t dieses SommerCamp zu initiieren.

 Die leidenschaftliche Sopranistin Betty Garcés Bedoya bietet beim SommerCamp Gesangsworkshops für verschiedene Altersgruppen an. Gemeinsam mit ihrer Schwester Adriana leitet sie auch die Workshops zu Theater und Sprachen. Adriana Garcés Bedoya studiert in Kolumbien Kunsttherapie und arbeitet bereits als Schauspielerin. Ihr Studienprojekt „Resilienzen“ gab den Anstoß für dieses besondere Camp. Sie leitet die Workshops Theater-Spielworkshop und Spanisch-Kurse für Jung und Alt. Der dritte kolumbianische Gast ist der Fotograf Andrés Gómez. Für gewöhnlich fotografiert er Architektur, Portraits, Theateraufführungen und Dokumentationen. Beim SommerCamp dokumentiert er die verschiedenen Workshops und bietet für Jugendliche und Erwachsene zwei Fotografie-Workshops an. Folgende Künstler wurden in die KulturTrif(f)t eingeladen, sich mit Workshops zu beteiligen. Susanne Gudehus, Dozentin an der Fabi für Aquarelle, leitete den Malkurs für Erwachsene sowie Malen von Monster und Alien für Kinder. Maria Fitkulova, die aus der Ukraine stammende Modedesign-Studentin (abgeschlossenes Studium in der Odessaer Kunstschule M.B.Grekov im Fachgebiet Bildende Kunst mit der Fachqualifikation: Lehrerin an sachorientierten Kunstgrundschulen) und  Künstlerin (Studio Schick), unterrichtet Kinder in der Malerei und gab einen Kurs in Lettering.

Sopranistin und Mitorganisatorin Betty Garcés Bedoya schilderte die Idee und Planung des SommerCamps:

Das ursprünglich von Ariana Garcés Bedoya konzipierte Studienprojekt „Resilienzen“ passe gut in die jetzige Zeit. Durch Kunst könne die Resilienz jedes Einzelnen gestärkt werden. Das Arbeiten in der Gruppe erhöhe die mentale Stabilität und unterstütze die KursteilnehmerInnen bei der Bewältigung spezifischer Herausforderungen in der Quarantänezeit. Die Kommunikation über das eigene Erleben lässt die Gruppenmitglieder gelassener aus dieser schweren Zeit herausgehen. Die aktuelle Situation bedrohe jeden über Ländergrenzen hinaus. Die Möglichkeit, sich in verschieden Sprachen über einen ähnlich wahrgenommenen Alltag  in verschiedenen Sprachen auseinanderzusetzen, wurde reichlich genutzt. Dieses SommerCamp solle dem Austausch, der Erholung, zur Stärkung der Resilienz und zum Energieaufladen beitragen. Es ginge nicht um therapeutische Arbeit, sondern ums Erfahren und Mitteilen. Die Herzen könnten sich öffnen und Nahrung für die Seele von Kindern, der Jugendlichen und Erwachsenen könne aufgenommen werden. Um dieses Thema angemessen aufzubereiten, hätten Sabine Schöllchen und Betty Garcés Bedoya ihre Schwester Adriana nach Deutschland geholt. So könne sie in Kursen in Deutschland Erfahrungen sammeln. Ende Juli hätten Sabine und Betty erst angefangen, das SommerCamp zu planen. Tagelang hätten sie bis spät in die Nacht hinein gearbeitet, um dieses Camp zu realisieren. Die erste Woche sei nun vorüber. In der Zwischenbilanz zeige sich, dass dies eine schöne Erfahrung sei und mehr Leute gekommen wären, als ursprünglich erwartet wurde.

Beim Kindersingen am Dienstag mit Betty Garcés kombinierte die Sopranistin Gesang und Bewegung. Die Kinder bestimmten mit, in welchen Oktaven sie Tonleitern anstimmten, um oft erstmals bewusst ihre eigene Stimme wahrzunehmen. Nun wurde es spannend: Ein spanisches Kinderlied wurde zum unterhaltsamen Kinderspiel. Bei jedem erneuten Anstimmen tauschten sie die Vokale aus. In einer kleinen Pause mit Snacks und Getränken erzählten zwei junge Teilnehmerinnen, wie sie bisher Gesang im Alltag erleben. Ein Mädchen kenne auch schon das gemeinsame Singen in einem Chor, das andere singe aber mit Vorliebe allein in der Dusche.

Am Mittwoch versammelten sich Kinder um Adriana Garcés zum Theater – Spielworkshop. Mit einfachen Lockerungsübungen mit Einatmen und Anspannung sowie Ausatmen und Entspannung starteten die Kinder in die neue Stunde. Jetzt begann das eigentliche Spiel. Adriana erklärte kurz das Spiel. Man solle sich vorstellen, sie wären alle auf einem Schiff, sie selbst sei der Kapitän und das Schiff sei gegen einen Eisberg gefahren. Nun gäbe es überall Lecks: manche kleiner, manche größer. Das Ziel sei, alle Lecks zu stopfen. Aber dies gehe nur auf die Weise, wie der Kapitän es vorgäbe. So forderte sie die Kinder auf, erst kniend, dann laufend und zum Schluss springend die Löcher abzudichten. In einem weiteren Spiel sollten die Kinder die Plätze tauschen, indem zunächst der angestammte Platz verlassen wurde und ein anderer sich wieder drauf stellte. Auch hier gab es wieder klare Vorgaben über die Art und Weise. So sollten die Kinder mit geschlossenen Beinen springen oder blind und mit geschärftem Hörsinn die Plätze tauschen. Ein Mädchen verrät ihren kleinen Trick: sie verschaffe sich über das Teppichmuster Orientierung. Der gesamte Workshop wurde in Spanisch abgehalten, bei Verständnisfragen stand Betty bereit, sie zu übersetzen.

Bei Susanne Gudehus stand für die künstlerisch ambitionierten Teilnehmerinnen am Montag perspektivische Zeichnen auf dem Plan. Mit Horizontlinie und Fluchtpunkten anhand einer ausgewählten Fotografie aus der Toskana entstanden erste Skizzen. Am zweiten Tag setzen sie die Zeichnungen mit Aquarell farblich um. Einer großen Herausforderung stellten sie sich am dritten Tag: Susanne leitete sie an, Perspektiven in schlängelnden Flussläufen darzustellen. So zeigte Susanne auf, wie sich mittels Horizontlinie und Versetzen von Fluchtpunkten der Flusslauf  perspektivisch verengt. In ihrem Workshop stand die Perspektive im Mittelpunkt. Denn eine Perspektive zu haben, ist eng verbunden mit dem Begriff Resilienz. Mit einer Perspektive zum Leben danach, lässt sich so manche schwierige Lebenssituation leichter bewältigen. Auch gestalterisch lässt sich gut mit Perspektiven arbeiten. Mit wenigen Kniffen kann der Maler eine optische Tiefe und Weite in das Bild bringen. Die Teilnehmerinnen fühlten sich auf der Veranda bei schönstem Wetter mit leiser Musik, Kaffee und Keksen wie die Impressionisten in Frankreich.

Unter der Leitung von Maria Fitkulova lernen Kinder klassische und moderne Techniken im Malen und Zeichnen kennen. Individuell geht sie auf den Kenntnisstand und die Bedürfnisse der Kinder ein. So können alle ihr eigenes kreatives Denken und ihre Fähigkeit zum schöpferischen Schaffen weiterentwickeln. Dabei gibt sie Einblicke in die Kunst der Malerei, Komposition, flaches und volumetrisches Gestalten. Verschiedenes wird ausprobiert: Stillleben, Landschaft, Tiere und Abstraktion in unterschiedlichen Techniken wie Acryl, Aquarell, Buntstifte, Pastell, Collage und sogar Knete.

Bei dem Thema Sonnenblumen in Acryl wurden die Kinder konkret auf die perspektivische Verzerrung der Sonnenblume hingewiesen. In Elipsenform wurden die Blütenblätter angeordnet. Den Hintergrund konnten die Kinder frei nach eigenem Gusto mit Hilfestellung gestalten. So finden sich unterschiedliche Zusatzmotive auf den Werken wieder: von einem Leuchtturm, über Schmetterlinge oder Libelle bis zur Gießkanne oder Vase. Eine besonders einfallsreiche Idee präsentierte ein kleines Mädchen: eine Verflechtung der Blumenstiele.

Beim Lettering mit Maria am Donnerstag lernten die TeilnehmerInnen erst mal mit Strichen und Bögen Schriften zu formen. Nach einer Vielzahl von Übungen gelang es ihnen die verschiedenen Spezialwerkzeuge zu beherrschen. Nachdem sie ein paar Zeilen geübt haben, entstanden bereits beeindruckende Grußkarten in dieser wunderbaren Technik. Beim Schreiben orientierten sie sich zunächst an einem von Maria Fitkulova vorgelegten Entwurf.

In der zweiten Woche konnte wieder mit Maria gemalt werden, mit Betty gesungen und mit Adriana das Schauspielen geübt werden. Aber auch Neues kam hinzu: Assemblage mit Dagmar und Heiko Mania-Machwitz. Alle Angebote fanden im neuen Ambiente statt. Dagmar und Heiko boten an, auf ihrem alten Bahnhof in Bröckel künstlerisch zu arbeiten. Das Thema Assemblage kann von  Dagmar Mania-Machwitz auf Anfrage noch bis Anfang September angeboten werden. Ihre gesammelten Lieblingsstücke, aber auch eigene Erinnerungsstücke können auf unterschiedlichem Grundmaterial zu Collagen zusammengestellt werden. Nachdem das so entstandene Erinnerungsstillleben fertig gestellt ist, wird Heiko das fertige Werk fotografieren. Danach können dieselben oder auch andere Materialien neu angeordnet werden. Das Endprodukt ist ein Foto mit den assemblierten Gegenständen, das dann zu Hause eine schöne Erinnerung an diese kreative und entspannende Zeit bleibt.

Am Samstag gab es die erste Ausgabe von Zertifikaten an die TeilnehmerInnen durch die 1. Vorsitzende des Verein KulturTrif(f)t Sabine Schöllchen. Darauf folgte eine Gesangsdarbietung der jungen Laura Malawe, die im Einzel-Vocal-Coaching mit Betty Garces ganz neue Facetten ihrer schönen warmen Stimme kennenlernte. Mit „Flowers“ aus dem Musical Hadestown zeigte Laura viel Mut. Ihre gehauchte bis leicht brüchige, warme Sopranstimme löste sie bei den ZuhörerInnen wohlige Gänsehaut aus.

„Nach dem Abschluss unserer ersten Woche des SommerCamps der Kultur Trif(f)t haben wir uns in unseren Herzen sehr gefreut. Denn alle unsere geehrten Beteiligten sind jeden Tag mit einem großen Lächeln und mit strahlendem Gesicht nach Hause gegangen.

Wir hatten wunderschöne Momente, in denen wir gemeinsam die Gelegenheit gefunden haben, uns etwas zuzutrauen. Einige betraten Neuland, andere entdeckten altes Aufgegebenes wieder neu und manche fanden etwas Neues im gewohnt kreativen Schaffensprozess. Die Teilnehmer entdecken, wie befreiend und erfüllend es ist, sich künstlerisch auszudrücken. Wir bieten ihnen Möglichkeiten, sich über die Kunst des Singens, des Theaters, der Fotografie und des Tanzes mit anderen auszutauschen. Vor allem wieder in Verbindung mit sich selbst zu treten, ist eine echte Bereicherung für Jeden“, so Betty Garcés – Sopran – Workshop-Leiterin und Mitkoordinatorin des Gesamtprojektes.

Sabine Schöllchen zieht eine positive Bilanz zum SommerCamp:

Innerhalb weniger Tage habe sie gemeinsam mit Betty Garcés 37 kreative Angebote in einem ganz breiten Spektrum künstlerischer Möglichkeiten entwickelt. Besonders freue sie, dass Betty Garcés innerhalb kurzer Zeit mit Dietmar Sander und auch Dima Mondello in Celle neue berufliche/musikalische Perspektiven für sich entwickelt habe.  Das SommerCamp sei multilingual umgesetzt worden. Über 30 Angebote seien gut belegt. Einige sogar so gut, dass bereits Wiederholungstermine abgesprochen seien. Aufgrund der großen Nachfrage werden die Kurse Glasmosaik, Lettering, Malen für Kinder und Malen für Jugendliche und Erwachsene – jeweils verbunden mit einer Fremdsprache – wiederholt.  Lockere Gespräche auf Spanisch in gemütlicher abendlicher Runde, sowie das Einzel-Vocal-Coaching von Betty Garcés werden fortgeführt.

Das Projekt wurde finanziell unterstützt von:

  • Der niedersächsischen Lotto-Sport-Stiftung „Bewegen – Integrieren – Fördern“
  • Der Stadt Celle
  • Der Stiftung „Wir für Kinder“ des Ortsrates Neuenhäusen und der Kreuzkirche

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Maria Fitkulova, Andrés Gómez und Manuela Mast






Anzeige


Anzeige