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Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen: K+S: Alternative „Fakten“ zu den Rüstungsaltlasten im Kalibergwerk

WATHLINGEN. Die BI Umwelt hatte Anfang dieses Jahres die Ergebnisse ihrer gründlichen Recherchen zu den Rüstungsaltlasten, u.a. chemische Kampfstoffe und deren Vorprodukte, im ehemaligen Kalibergwerk Wathlingen in einem ausführlichen Schreiben (vom 03.01.2021) dem Landesbergamt und Wirtschaftsminister Dr. Althusmann als dessen Fachaufsicht zur Kenntnis gegeben. Am 23. Januar hast die BI im Wathlingen Boten darüber berichtet.

Stellungnahme der BI Umwelt Wathlingen zu dem Faktencheck von K+S im Wortlaut:

„Die Firma K+S hat darauf mit einem sogenannten „Faktencheck“ äußerst gereizt und aggressiv reagiert. Zu diesen angeblichen „Fakten“ (im Folgenden kursiv) nehmen wir Stellung. Wir fühlen uns seit Gründung der BI uneingeschränkt der Wahrheit verpflichtet – das ist der Sinn unseres Engagements. So ist es denn auch die Firma K+S, die vom Landkreis Celle im Erörterungstermin zur geplanten Kalihaldenabdeckung deutlich dafür kritisiert worden ist, die Wirklichkeit anhand von Annahmen statt Messungen und genauer Untersuchungen ableiten zu wollen.

Um allen Interessierten die Möglichkeit zu geben, umfassende Hintergrundinformationen zu erhalten und sich selbst ein Bild machen zu können, haben wir das Schreiben vom 03.01.2021 auf unsere Internetseite www.biuw.de gestellt und nennen hier zu einzelnen Punkten die betreffende Seite in dem Schreiben.

„K+S lehnt die Verbringung von Zutrittslösung aus dem Bergwerk Asse nach Niedersachsen-Riedel ab und wird diese Wässer nicht für die Flutung verwenden.“

Aus unserer Sicht ist diese Aussage allenfalls eine unverbindliche Absichtserklärung. Wie glaubwürdig ist sie aber angesichts der Tatsache, dass sich K+S die Einleitung solcher Wässer in Sehnde hat genehmigen lassen? (Pressemitteilung des LBEG vom 18.07.2018: „Zutrittslösungen aus dem Bergwerk Asse dürfen zukünftig für die Flutung des stillgelegten Bergwerks Bergmannssegen-Hugo genutzt werden“). In Höfer bei Celle hatte K+S solche Wässer in das dortige Bergwerk auch tatsächlich eingeleitet und noch dazu niedrig strahlenbelastete Schlämme aus der Rauchgasreinigung (CZ vom 27.05.2016 „Jetzt rauscht der Schotter in den Schacht“).

K+S: „Die ehemalige Munitionsanlage befindet sich im Kernbereich des Bergwerkes. Die Räume haben nachweislich einen Abstand von mindestens 150 Metern zum Salzstockrand.“

In der anliegenden Darstellung ist zu erkennen, dass die Lagerräume einen Abstand von 150 m zum Salzstockrand haben. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Verschwiegen wird dabei die Erkundungsstrecke bzw. der Tunnel bis fast an den Rand des Salzstocks. Von der BI genannte – offenkundig offene – Schächte in den Bereich der Rüstungsaltlasten hinein sind laut K+S

 „Örtlichkeiten, die im freigegebenen Teil der Grube – außerhalb der verfüllten Zugänge zur früheren Munitionsanlage – liegen und die im Rahmen des regulären Bergwerksbetriebes genutzt wurden.“

Nach unseren Recherchen gibt es mindestens 3 Schächte, die in den Bereich der Rüstungsaltlasten führen und die nur mit einem Gitter oder mit einer bloßen Betonplatte abgedeckt sind. Wir haben beim LBEG einen Antrag auf Zugang zu Umweltinformationen gestellt, um zu erfahren, was mit den Schächten im Einzelnen passiert ist. Dasselbe gilt für die angeblich verschlossenen horizontalen Zugänge. Laut LBEG sind diese mit „Salzhaufwerk“ verschlossen (näheres dazu auf Seite 11 f. unseres Schreibens an das LBEG vom 03.01.2021). In der HAZ vom 02.06.1995 hat ein Bergmann dazu berichtet, dass dies damals „haarsträubend“ gemacht worden sei. Um sich Arbeit zu sparen, seien die Strecken nur teilweise verfüllt und Abstände von bis zu 30 Metern gelassen worden. Die Strecken habe man hauptsächlich mit losem Staub zugeschüttet.

Zur Feststellung der BI, dass sich bei der Bewertung der möglichen Arsen-Konzentration im Bergwerk nach einer Flutung im Verhältnis zu der natürlichen Belastung von Gewässern gleich mehrere Gutachter um den Faktor 1.000 vertan haben.

 K+S: „Der Verfasser bleibt den Beleg für diese Behauptung schuldig.“

Wir bleiben dabei. Zuerst hat das Wehrwissenschaftliche Institut für Schutztechnologien der Bundeswehr diesen Fehler 2006 gemacht und danach ist er unbemerkt geblieben oder bewusst ignoriert worden. Natürliche Gewässer haben statt der angenommenen bis zu 5.000 μg/l Arsen tatsächlich nur eine Belastung von bis zu 5 μg/l (näheres dazu auf Seite 13 f. unseres Schreibens an das LBEG vom 03.01.2021).

K+S: „Die Räume der Munitionsanlage befanden sich nachweislich mindestens 150 Meter vom Salzstockrand entfernt, also nicht in „unmittelbarer Nähe zum Salzstockrand“ – ein Blick in das offizielle Riß-(Karten-)werk bestätigt dies. Der Salzstock ist durch die Detonation der eingelagerten Munition definitiv nicht geschwächt oder im Randbereich durchlässig geworden.“

Hier wird der Tunnel bis fast zum Salzstockrand erneut verschwiegen (s.o). Damit ist die Behauptung von K+S, es gebe keine Schwächung des Salzstocks, ohnehin falsch. Die Druckwelle der Explosion von 11.000 Tonnen Munition kurz nach dem Krieg konnte durch den Tunnel zudem auf die letzten 25 m des Salzstockrandes einwirken und Risse erzeugen! Unserer Kenntnis nach ist der Salzstockrand gar nicht untersucht worden.

K+S: „Diese Frage (der Folgen einer möglichen Ausbreitung der im Bergwerk vorhandenen 10.000 kg Arsen und der Kampfstoffgase bei einer Flutung) ist bereits Gegenstand gleich mehrerer Fachgutachten (u.a. Golder 1998, Wehrtechnisches Institut für Schutztechnologie/WIS 2006) gewesen und auch Bestandteil einerStellungnahme der niedersächsischen Landesregierung aus dem Jahr 2006. Fazit: Das Wehrwissenschaftliche Institut für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe Munster (WIWEB) sieht keine Gefährdung hinsichtlich einer möglichen Grundwasserkontamination, da sich zwar die arsenhaltigen Produkte unter Salzlösung in ihre Bestandteile zersetzen, sich allerdings höchstens im Nahbereich der Ablagerung eine erhöhte Arsenkonzentration ausbilden wird. Eine Mobilisierung ist aber bei fehlender Konvektion im Grubengebäude (Anm.: die durch die Abdämmung der Einlagerungsbereiche gegeben ist) nicht möglich.

Hier zeigt sich eine typische Strategie von K+S zwecks Verharmlosung von Gefahren. Das wehrwissenschaftliche Institut ist von einer (allerdings unwahrscheinlichen) gleichmäßigen Verteilung des Arsens im Bergwerk ausgegangen und kam dadurch auf eine relativ geringe Konzentration. Die lässt K+S so stehen, geht nun aber davon aus, dass sich das Arsen gar nicht verteilen könne (dem sprechen die offenkundig unzureichende Abschirmung der Rüstungsaltlasten, die Schwächung des Salzstocks durch den Tunnel und mögliche Risse aber entgegen (s.o.)). So kommt K+S auf eine geringe Konzentration in einem kleinen Bereich des Bergwerkes. Zusammen mit einer um den Faktor 1.000 zu hoch angenommenen natürlichen Konzentration schafft es K+S, das Problem des Arsens maximal zu verniedlichen!

Eine weitere Strategie besteht in dem Ignorieren kritischer Gutachten. So wird das frühere (im Auftrag des Landes Niedersachsen erstellte) Gutachten der Firma UBAC von 1990/92 einfach verschwiegen. Dort ist vor einer Verseuchung des Grundwassers, insbesondere im Fall einer Flutung, ausdrücklich gewarnt worden.

Fazit:

K+S ist offenkundig jedes Mittel recht, um ihre wirtschaftlichen Interessen, hier die Flutung mit Halden- und Produktionsabwässern, u.a. aus Lehrte, sowie vermutlich mit diversen flüssigen Abfällen und Assewasser durchzusetzen – ohne Rücksicht auf die Menschen und die Umwelt.

Holger Müller“

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