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Bürgerinitiative Umwelt Wathlingen: „Gutachten zur Untertagedeponie widerlegt K+S Behauptungen zum Kalibergwerk“

WATHLINGEN. Die BI Umwelt hatte Anfang dieses Jahres die Ergebnisse ihrer gründlichen Recherchen zu den Rüstungsaltlasten, u.a. chemische Kampfstoffe und deren Vorprodukte, im ehemaligen Kalibergwerk Wathlingen in einem ausführlichen Schreiben dem Landesbergamt und Wirtschaftsminister Dr. Althusmann als dessen Fachaufsicht zur Kenntnis gegeben. Zu den haltlosen Behauptungen, so die BI, die K+S in einer daraufhin veröffentlichten Pressemitteilung geäußert habe, habe sie kürzlich Stellung genommen. Nun schildert die BI noch einmal ihre Sicht der Dinge:

Eine Darstellung aus dem Planfeststellungsverfahren der vor mehr als 20 Jahren geplanten Untertage-Sondermülldeponie (UTD) zeigt einen senkrechten Schnitt durch den Salzstock Wathlingen-Hänigsen bzw. durch den Rand des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel. Das Symbol in dem blauen Kreis weist auf den Tunnel in gefährlicher Nähe von nur 25 m(!) zum Salzstockrand hin. Darüber ist eine Horizontalbohrung (HB) zu erkennen, die den Rand des Salzstocks sogar durchstoßen hat und damit zusätzlich schwächt!

„Nun hat K+S die BI wiederum heftig angegriffen. Interessant dabei ist, wozu K+S sich nicht mehr äußert. Auf die vermutliche Einleitung von Asse Zutrittswässern, die offenkundig unzureichend verschlossenen Zugänge zum Lager-Bereich der gefährlichen Rüstungsaltlasten und die zu hohen (damit die Rüstungsaltlasten verharmlosenden) Angaben zur natürlichen Arsenbelastung von Grundwasser geht der Konzern erst gar nicht mehr ein.

Bleibt noch die Behauptung, „Die ehemalige Munitionsanlage befindet sich im Kernbereich des Bergwerkes. Die Räume haben nachweislich einen Abstand von mindestens 150 Metern zum Salzstockrand.“ Nachdem wir auf eine Erkundungsstrecke bzw. einen Tunnel hingewiesen haben, der bis fast an den Rand des Salzstocks reicht, hat K+S nun eine Karte veröffentlicht, die zeigen soll, dass sich zwischen Tunnel und Salzstockrand statt 25 m noch 150 m Salz befinden. Die als Frage formulierte Überschrift der Pressemitteilung: „Wo ist denn nun der Rand des Salzstocks?“ finden wir für ein Kalibergbauunternehmen mindestens ungewöhnlich. Wir erleben seit Jahren, dass K+S wichtige Informationen zur Halde und zum Kalibergwerk nicht besitzt, nicht besitzen will oder verschweigt. Auch in diesem Fall sind wir gern bereit, die Sache aufzuklären. Wir zitieren aus dem „Geotechnischen Standsicherheitsnachweis für die Betriebs- und Nachbetriebsphase der (früher einmal geplanten) Untertagedeponie Riedel im Kali- und Steinsalzbergwerk Niedersachsen-Riedel, Ergänzende Betrachtungen“ des IfG (Institut für Gebirgsmechanik GmbH) vom 21.02.2000, Kapitel 4.2 Annäherungsstelle 650 m Sohle:

Die randnah aufgefahrene Strecke (Tunnel) ist (…) 4 m breit und 2 m hoch. (…) Für die Modellbildung wurde (…) von einem Abstand zwischen Salzstockrand und Strecke von 25 m ausgegangen.

Einen Ausschnitt aus der Anlage 4.2-1 zu dem genannten Gutachten mit der Angabe 25 m in der Mitte fügen wir an. Wir veröffentlichen diese und andere Darstellungen zu dem Abstand aus den Unterlagen zur Untertagedeponie Riedel in besserer Qualität auf unserer Internetseite www.biuw.de.

Wir beantworten auch gern die von K+S gestellte rhetorische Frage, welche Veranlassung der Konzern denn haben sollte, die Erkundungsstrecke bis fast an den Salzstockrand zu verschweigen. Die Behauptung, die Flutung des Bergwerkes Niedersachsen-Riedel sei seit 2006 vom LBEG genehmigt und werde seit 2007 vollzogen, ist noch nicht einmal die halbe Wahrheit. K+S hat die – laut LBEG eilbedürftige – Flutung mit Fuhsewasser seit 2015 faktisch unterbrochen und will diese nun mit Halden- und Produktionswässern u.a. aus Lehrte, vermutlich aber auch aus Hessen, fortführen. Die Entsorgung solcher Wässer stellt anderenorts seit Jahren immer größere Probleme dar. Schon deshalb steht für den K+S Konzern in Wathlingen wirtschaftlich viel auf dem Spiel.

Zudem steht im Abschlussbetriebsplan für das Kali- und Steinsalzbergwerk Niedersachsen-Riedel vom 11.09.2006 (Az. W 5002 A I 2005-008-IV) unter der Nebenbestimmung Nr. 7 (als Voraussetzung für die vollständige Flutung(!)):

Es ist (…) eine weitergehende Begutachtung durchzuführen, aus der hervorgehen muss, dass von diesen Stoffen (Rüstungsaltlasten) keine Gefährdung des oberhalb dieser Sohlen (650 und 750 m) durchgeführten Flutungsvorganges ausgeht und Maßnahmen getroffen wurden, die eine Verbreitung von in Lösung gegangenen Stoffen im gefluteten Grubengebäude (…) sicher verhindern.

Die genannte weitergehende Begutachtung hat K+S selbst (unzureichend) durchgeführt. Die Verteilung der Giftstoffe im Bergwerk und – wegen einer beschädigten Salzstockflanke – ins Grundwasser ist alles andere als ausgeschlossen. Statt die immensen Gefahren bei Fortsetzung der Flutung nun endlich einzugestehen, will K+S den Menschen vor Ort offenkundig aus wirtschaftlichen Gründen lieber eine Wathlinger (und Hänigser) „Asse“ zumuten.

Wir haben das LBEG und Wirtschaftsminister Althusmann als dessen Fachaufsicht aufgefordert, K+S zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt jegliche Einleitungen von Wässern in das Bergwerk ab sofort zu untersagen.

Holger Müller“





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