Donnerstag, 18. Juni 2026

✔ unabhängig ✔ überparteilich ❤ kostenfrei

Anzeige

Anzeige

Anzeige

„Quartier Kortenumstraße“ – Politik wird Wohnungsbau kritisch begleiten

Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge war sich der Zustimmung seitens der Politik für das neue „Quartier Kortenumstraße“ sicher. „Das dürfte eigentlich kein Problem sein“, immerhin hätten sich die Fraktionen jüngst für mehr sozialen Wohnungsbau in Celle ausgesprochen, sagte er vor einigen Tagen.  So trat es ein, die Mitglieder des Bauausschusses votierten einstimmig für die Aufstellung eines Bebauungsplans.

140 neue Wohneinheiten und „nicht störendes“ Gewerbe sollen hier im Ortsteil Heese entstehen – umrahmt von der Bahnlinie und dem Wilhelm-Heinichen-Ring -, circa 40 davon als Sozialwohnungen, die übrigen laut Verwaltung im „preisgedämpften Mietpreissektor“. Auch der Tierfriedhof ist Teil des zu bebauenden rund 1,8 Hektar großen Areals, das abgesehen von der Bestattungsstätte für Tiere seit Jahren brach liegt und als Sondergebiet Gärtnerei ausgewiesen war. Christian Danner (Unabhängige) erhielt in der Ausschuss-Sitzung auf seine Frage, ob der Tierfriedhof betroffen sei, die Antwort, der Investor habe sich um eine Ersatzfläche bemüht. Zu dem Projekt insgesamt merkte Danner an, man müsse wachsam sein, Sozialwohnungen nicht zu sehr zu konzentrieren in Neustadt/Heese. Karin Abenhausen (Grüne) griff den Einwand auf und schloss sich an: „Wir müssen aufpassen, dass es nicht zu einer Ghettoisierung kommt.“

Stadtbaurätin Elena Kuhls, die bei der Sitzung nicht anwesend war, hatte bereits im Vorfeld all jene „beruhigt, die befürchten, dass sich die nahegelegene Bahnlinie und der Wilhelm-Heinichen-Ring sich vielleicht störend auswirken könnten.“ Daran sei bei der Planung gedacht worden, vorgesehen sei ein viergeschossiger Riegelbau an der Grundstücksgrenze. „Dieser besteht aus unterschiedlichen Baukörpertypologien, die so konzipiert sind, dass die schutzbedürftigen Räume nach Westen, also weg von der Bahn, ausgerichtet sind. Im Süden sind entlang des Wilhelm-Heinichen-Rings soziale und gewerbliche Nutzungen geplant, die als ‚Schallpuffer‘ dienen“, wird Kuhls auf der Internetpräsenz des Neuen Rathauses zitiert.

Stephan Ohl (Grüne) griff die Thematik des Verkehrs und seiner Belastungen dessen ungeachtet auf: „Wir setzen zwischen den Wilhelm-Heinichen-Ring und die Bahnanlage ein urbanes Gebiet, hier werden hohe Lärmschutzanforderungen nötig sein.“ Den weiteren Verlauf des Projekts würde seine Fraktion sehr genau beobachten, man stimme jetzt für den Aufstellungsbeschluss, was nicht automatisch bedeute, dass alle Entscheidungen zu dem Vorhaben positiv ausfallen würden, es hänge von der Ausgestaltung ab. Diese basierte ausschließlich auf schriftlichen Ausführungen, der Ausschuss-Vorsitzende Axel Fuchs (CDU) zeigte sich unzufrieden: „Ich hätte mir eine Planskizze gewünscht.“ Nach Aussage von Dr. Jörg Nigge im Vorfeld, sei ein Investor bereits gefunden. Um wen es sich handelt, wurde zumindest öffentlich nicht gesagt. Ob sich das Gelände noch im Eigentum von „Möbel Wallach“ wie im Jahr 2017 befindet, blieb unerwähnt.

Anke Schlicht
Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht