Gedenken in Celle – 5 Jahre nach dem rassistischen Attentat von Hanau
Am Mittwoch, 19. Februar 2025 erinnerten 30 Personen in der Celler Innenstadt den Ermordeten des rassistischen Anschlags in Hanau vor 5 Jahren. „Tot sind wir erst, wenn man uns vergisst“, schrieb der in Hanau aufgewachsene Ferhat Unvar. In diesem Sinne wurden die Namen von Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov verlesen und Geschichten aus ihrem Leben geteilt.


Ohne Konsequenzen gibt es keine Gerechtigkeit – auf dieses wichtige Statement der „Initiative 19. Februar“ wies Kim Terhau vom „Arbeitskreis Internationalismus“ hin. In Deutschland würden stattdessen Migranten zu Sündenböcken erklärt, während aus der Politik leere Reden von einem „Nie wieder!“ tönen. Die Journalistin Sheila Mysorekar schrieb dazu treffend:
„Dieses „Nie wieder“ klingt hohl, weil keine Konsequenzen aus dem Attentat in Hanau gezogen wurden. Der Vater des Mörders bedroht weiterhin die Angehörigen der Opfer. Nach wie vor sind Hunderte per
Haftbefehl gesuchte Rechtsextreme untergetaucht. Die Diskriminierung und Kriminalisierung migrantischer Menschen, insbesondere junger muslimischer Männer, geht ungebrochen weiter. […] Das „Nie wieder“
klingt umso hohler, weil nach jedem Attentat, das ein Einwanderer begeht, drastische Maßnahmen gefordert und weitreichende politische Entscheidungen gefällt werden – in der Regel weniger sicherheits- als
migrationspolitische Maßnahmen. Mehr Abschiebungen, weniger Aufenthaltstitel, verstärkte Kontrollen von als „migrantisch“ wahrgenommenen Personen. Wir Angehörige von Minderheiten müssen allesamt dafür büßen, wenn ein einziger Geflüchteter ein Verbrechen begeht, wie etwa das Messerattentat in Solingen vom August 2024, bei dem ein Syrer drei Menschen tötete. […] Der CDU-Politiker Jens Spahn fordert „physische Gewalt“ gegen „irreguläre Migration“. Und CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz plädiert für „Kontrollzentren“ an den Außengrenzen. Straffällig gewordenen Menschen mit Doppelpass will er die deutsche Staatsbürgerschaft aberkennen. Das letzte Mal, dass ein „Gesetz über den Widerruf von Einbürgerung und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft“ erlassen wurde, war 1933.“
Folglich plädiert der „Arbeitskreis Internationalismus“ dafür, selbst aktiv zu werden. Im zahlreich auf der Kundgebung verteilten Flugblatt heißt es:
„Wir müssen jeden Tag dafür sorgen, dass rechten Ideologien widersprochen wird. Wir dürfen den Faschisten und Rassisten keine Räume überlassen – weder auf der Straße, noch in der Kneipe oder in den Parlamenten! Wir können zusammen Brücken bauen. Wir müssen uns rechter Politik entgegenstellen und uns für sichere Flucht, sicheres Ankommen und sichere Bleibe engagieren. Gemeinsam stehen wir für konsequenten Antifaschismus und Antirassismus!“
Arbeitskreis Internationalismus, 19. Februar 2025
PR
Foto: Myriams-Fotos / Pixabay
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