Retter in der Not: Der Paketzusteller

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CELLE. Heute kann Peter T. (69) ganz entspannt darüber sprechen – vor Kurzem dachte er noch, sein letztes Stündlein hat geschlagen. Von jetzt auf gleich – aus einer Alltagssituation heraus – erwischten sie ihn und versetzten ihn in einen Dämmerzustand mit vorübergehender Bewusstlosigkeit: Und „sie“, das waren Wespen. Und niemand war in seiner Nähe. Bis der Paketzusteller kam.

Doch von vorn: Als Rentner hat sich Peter T. neben Haushaltstätigkeiten der Pflege seines Gartens verschrieben. So war er wieder mal um das Wohl von Blumen und Rasen bemüht und präparierte die Gießkanne mit Düngemittel. Was ihm zum sorgfältigen Verrühren und Auflösen des Düngers noch fehlte, war ein Rührstab, den er aus seinem Gartenschuppen holen wollte. Er hatte ihn schon in der Hand – doch was er nicht bemerkt hatte, der Stab befand sich dicht an einem kleinen – und auf den ersten Blick nicht wahrnehmbaren – Wespennetz. Mit seiner Aktion hatte er die Wespen aufgeschreckt, die unverzüglich zum Angriff übergingen und sein Gesicht ins Visier nahmen.

Peter T. konnte sich ins Freie retten und wild um sich schlagend die Angreifer abwehren, die aber schon ganze Arbeit geleistet haben. Was aber hilft gegen Wespenstiche? So hatte er kürzlich gelesen, dass Zwiebeln und Salz helfen sollen, wurde in der Küche fündig, behandelte damit sein Gesicht und trug auch noch eine kühlende Lotion auf. Doch bald wurde ihm schummrig vor den Augen, und „das Licht ging aus“. So weiß er nicht genau, wie er zu dem Stuhl in seinem Unterstand ihm Garten gelangt ist. Wie es nun weiterging, kennt er nur aus den Schilderungen von Nachbarn und dem Paketzusteller.
Gott sei Dank, so Peter T., habe er mit dem Paketzusteller Klaus M. eine Vereinbarung getroffen, wenn nach dem Klingeln keiner die Tür öffnet, soll er ums Haus gehen und das Paket im Unterstand ablegen. Das wollte der an diesem Tag und sah Peter T. „auf halb neun“ auf dem Stuhl sitzen. Zunächst dachte er, dass Peter T. schlief. Als ihm das komisch vorkam, alarmierte er die Nachbarschaft und den Krankenwagen. Mit vereinten Ratschlägen wollte man Peter T. „zurückholen“ und klatschte ihm kräftig ins Gesicht. So wussten die Nachbarn von seiner Diabetes-Krankheit. „Unterzuckerung“ war das Zauberwort und man fütterte ihn löffelweise mit Zucker. Zwischenzeitlich war auch der Krankenwagen eingetroffen, und die Rettungssanitäter analysierten den Zustand des Patienten. Peter T. nahm im Dämmerzustand wahr, dass ein Sanitäter sagte: „Der hat ja über 300 Zucker“. Der Blutzuckerwert liegt gewöhnlich nicht über 140 mg/dl. Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn der Blutzucker nüchtern über 126 mg/dl oder z.B. nach dem Essen über 200 mg/dl liegt.
Nach und nach kehrten alle Sinne zurück, und der „Stier“ kam bei ihm durch, wie er es nun augenzwinkernd schildert. Und Menschen mit dem Sternzeichens Stier sagt man ja eine Dickköpfigkeit nach. Die setzte er erfolgreich ein, als es um den Abtransport ins Krankenhaus ging. Und nun ging er …….ins Bett, und am nächsten Morgen sah die Welt schon anders aus. Vom Arzt bekam er ein Allergiemittel verschrieben und nun ist auch alles wieder gut. Das Wespennest ist allerdings noch am gleichen Platz mit „geringer Wespenaktivität“.

„Eigentlich“, resümiert Peter T. heute, „hat mein Sohn die Rettungsaktion eingeleitet. Der bestellt öfter mal was im Internet, so dass der Paketzusteller im richtigen Augenblick zur Stelle sein konnte.“

Redaktion
Celler Presse

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