atelier 22: Gedenken an die Künstlerin, Autorin und an den Menschen – Friedeborg Jungermann

CELLE. Mit Bedauern hat das atelier 22 erfahren, dass die Künstlerin Friedeborg Jungermann vor einigen Tagen aus dem Leben geschieden ist. “Mit diesem Nachruf möchten wir ihrer gedenken und ihren treuen Fans und Freunden Trost spenden”, teilt das atelier 22 mit.

Friedeborgs beruflichen Erfolge & persönliche Verdienste:

Friedeborg Giza wurde 1941 in Gleiwitz (heute Gliwice) Oberschlesien geboren. Schon als Kind zog sie häufig um, so dass für sie die Kunst zu ihrer emotionalen Heimat wurde. Bereits mit 16 Jahren begann sie Akte zu zeichnen. 1968 wurde sie durch einen VHS-Kurs inspiriert und begann mit ihren Keramikarbeiten. Im Laufe ihres Lebens entstanden so 200 nostalgische Keramikpuppen, die sie von Hand modellierte und auch kleidete. Auch einige Kleinplastiken sind in dieser Zeit entstanden. 1966 lernte sie ihren Ehemann Alf Jungermann kennen, der für sie seine Schauspiel-Karriere aufgab. Ihre Lehre zur Buchhändlerin begann sie 1970. Erst viele Jahre später weckte eine Freundin wieder ihr Interesse am Malen, so nahm sie 1988 das Malen erneut auf. Gleich ein Jahr später feierte sie ihre erste Ausstellung in einer Sparkasse. 1999 wurde sie zum zweiten Mal in ihrem Leben in Unterlüß sesshaft. 2003 gründete sich die Kulturinitiative Augenschmaus in Hermannsburg. Mit der Gründerin Dörte Meyer-Gaudig ist Friedeborg eng befreundet gewesen. So kam es dann auch, dass Friedeborg ihre Bücher und kleinen Kunstwerke auch dort zeigen konnte. Viele Fans haben sich sehr darüber gefreut. Friedeborg war auch dort Mitglied und hat des öfteren die ausstellenden Künstlern mit ihren Einführungen zur Ausstellung beglückt. 2007 begann sie mit der Arbeit an den kleinen, ArtMetall verzierten Aquarellbildern. Mit großer Aufregung fieberte sie 2010 der Veröffentlichung ihres ersten Gedanken-Tagebuches entgegen. Allein in dem Jahr hatte sie bis zu 30 Lesungen zu ihrem Erstlingswerk gehalten. Seit acht Jahren verkaufte die Autorin ihre Bücher auch nach Brasilien. Ein deutscher Pastor, der in Brasilien lebte, nahm für die Deutschen dort immer einige ihrer Tagebücher mit. Auch dort fanden ihre Worte und kleinen Bilder großen Anklang. Sie hat an mehreren Gemeinschaftsausstellungen teilgenommen und auch Einzelausstellungen bestückt, unter anderem in größeren Städten, aber auch in der Schweiz.

Ihre geschätzten Eigenschaften:

Als Mensch haben sie viele als eine ruhige, besonnene und bescheidene Frau wahrgenommen. In ihren Büchern erleben die Leser sie als authentisch, echt und sehr offen. Ihre Lebenserfahrungen hat sie dieser Welt zum Geschenk gemacht. In ihren Texten zeigt sich eine Neugier auf das Leben und die Dankbarkeit auch für die alltäglichen Lebensfreuden. Das alles macht sie zu dieser liebenswerten Person, die viele Fans und Freunde gewinnen konnte. Die Tatsache, dass sie bei einem kleinen und lokalen Buchdrucker drucken ließ, zeigt welch hohen Stellenwert sie der Unabhängigkeit einräumte. All ihre Werke hat sie sich neugierig und selbstständig erarbeitet und dafür schätzen sie ihre Fans.

Erinnerungen und Anekdoten aus ihrem Leben:

2010 kam Friedeborg ins atelier 22 in der Bahnhofstr. 21. Leise, bescheiden, eine große Ruhe ausstrahlend, betrat sie den Raum und zeigte der damaligen Galeriebesitzerin und Schriftführerin Evelyn Reschke ihre Werke. Sie war begeistert von diesen kleinen Szenerien mit dem glänzenden ArtMetall, die den selbstgewählten Rahmen übertraten. Jungermann erzählte von ihrer Idee, Tagebücher, die durch das ganze Jahr führen sollten, in den Druck zu geben. Nachdem sie ihr erstes Probeband aufgesetzt hatte, zeigte sie es freudestrahlend einigen Vereinsmitgliedern. Als das erste Buch dann endlich gedruckt worden war, zeigte sie ihr Erstlingswerk wie ein aufgeregtes, junges Mädchen. Natürlich hat das atelier 22 seitdem ihre Bücher gerne verkauft. Denn solch ein außergewöhnliches Werk hat ohne Weiteres einen festen Platz in dem kleinen Galerie-Shop verdient. Friedeborg Jungermann beeindruckte den Verein durch ihre Vielfältigkeit. Aber auch ihre zielbewusste Entwicklung einer eigenen Technik zu ihrer Kunstrichtung und zu ihrem persönlichen Merkmal erregte Bewunderung.

Einzelheiten zu ihrem Schicksalsweg:

Es ist wohl ihren vielen Umzügen zu verdanken, die ihre offene, aufgeschlossene Art gegenüber den Mitmenschen so stark ausprägte. Auch die innere Ruhe und Ausgeglichenheit, die sie ausstrahlte und ihr in den letzten Wochen viel Kraft gab, resultiert daraus. Sie litt schwer unter dem gestreuten Krebs. Dennoch war es ihr ein persönliches Bedürfnis, mit der Ausstellung ihres Lebenswerkes von ihren treuen Fans und Freunden sich zu verabschieden. Nachdem sie ihre letzte Lesung im atelier 22 gehalten hatte, dem sie sich tief verbunden fühlte, teilte sie Evelyn Reschke Bedeutsames mit: „Ich habe die Schublade zu meinem künstlerischen Schaffen und zu meiner Kunst geschlossen und die Schublade meines letzten Weges geöffnet. Doch diese Schublade müssen andere für mich schließen.“ Mit 78 Jahren ist sie auf die andere Seite gegangen und hat der Menschheit ihr persönliches Vermächtnis hinterlassen.

Friedeborgs Einfluss auf andere Menschen und ihr Vermächtnis:

Mit ihrer Aufgabe des Tages: ihre Gedanken zu Ende gedacht auf Papier zu bringen, schrieb sie 9 Gedanken-Tagebücher. Damit ließ sie vielen Menschen an ihren Lebensweisheiten teilhaben und ermutigte sie, ihr Leben bewusst wahrzunehmen und zu gestalten. Es sind ihre Gedanken, die Menschen dazu bringen, mal in sich selbst rein zu horchen. Sie gesteht: „An das Schreiben kam ich erst spät im Leben, vorher wusste ich nicht, was in mir steckt“. Ihre 3000 kleinen Aquarellbilder berührte Seelen und Herzen von vielen Fans. Insgesamt 10 Jahre ihres Lebens hat sie der Öffentlichkeit vermacht. 200 nostalgische Puppen hat sie deutschlandweit verteilt – mal als Geschenk, mal als Verkaufsobjekt – aber immer mit Seele. Sie habe nie geahnt, wie viele Menschen sie mit ihrer Kunst Freude bereitete.

Finissage und Gedenken an Friedeborg im atelier 22:

Genau diesen Menschen gibt das atelier 22 Gelegenheit, ihre Trauer und ihre Liebe für die geschätzte Künstlerin und Autorin auszudrücken. Denn Friedeborg Jungermann hat veranlasst, dass ihre Beerdigung nur im kleinen Kreis begangen wird. Zur Finissage von „Bildgeflüster – Wortgeflüster“ am 01. März um 15 Uhr lädt der Verein zum Abschiednehmen von der Künstlerin ein. Mit einem weichen Lächeln und schönen Erinnerungen an sie werden die Besucher mit den Vereinsmitgliedern ihrer Person gedenken. Gern können Fans und Freunde Trauerkarten an die Familie und kleine Grabbeigaben zu ihrem Gedenken im Raum ihres Lebenswerkes hinterlassen. Das atelier 22 wird diese dann gesammelt der hinterbliebenen Familie übergeben. So kann sie diese Stücke der Anteilnahme zu ihrer Beisetzung mitnehmen und an ihr Grab legen.

Herzlichstes Beileid an die Hinterbliebenen und Trauer um Friedeborg Jungermann:

Das herzlichstes Beileid des Vereins gilt der hinterbliebenen Familie und ihren engsten Freunden. Die Mitglieder des atelier 22 trauern um Friedeborg Jungermann und vermissen ihre Kreativität, ihre Menschlichkeit und ihre Authentizität. Der Verein wünscht den engsten Hinterbliebenen in dieser dunklen Stunde viel Trost, Kraft und Stärke.

PR

Foto: Jürgen Henke

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