Celler OB wendet sich gegen Kritik des SPD-Abgeordneten

CELLE. Eine Nachhilfestunde verspricht der Celler Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge dem SPD-Bundestagsabgeordneten Lars Klingbeil. Reagierte Letzterer doch jüngst in einer Pressemitteilung mit Unverständnis, auf den Widerstand anderer Kommunen – allen voran nannte er Celle – gegen die Erweiterung des Designer-Outlets Soltau (DOC). „Interessant, dass der Abgeordnete des Heidekreises nach rund einem Jahr auch schon merkt, dass sich Protest regt. Und es mag durchaus sein, dass er unser Ansinnen nicht nachvollziehen kann, aber er hätte ja im Vorfeld mal mit uns reden sollen“, so Nigge.

OB Nigge

Es sei kein Geheimnis, dass der Handel in Deutschland dramatischen Veränderungen unterworfen ist. „Flächenkonsolidierungen, Verschmelzungen und Fusionen sowie der zunehmende Onlinehandel sind eine drohende Gefahr für unsere Innenstädte“, betont der Celler OB. Dazu kommen aktuell die massiven Auswirkungen durch die Coronakrise. Das habe unter anderem weitreichende Folgen auf Unternehmensansiedlungen und den Tourismus. Eine Erweiterung des DOC um 5.000 Quadratmeter und damit insgesamt auf 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche widerspreche zudem den Vorgaben des Landesraumordnungsprogramms (LROP), das den Standort richtigerweise auf 10.000 Quadratmeter deckele, gerade um negative Auswirkungen auf Innenstädte der Nachbarkommunen zu vermeiden. „Bei großen Schwierigkeiten der Einzelhändler in den Innenstädten ist jetzt der schlechteste Zeitpunkt, hier künstlich Konkurrenz aufzubauen.“

Nigge weiter: „Mich bestärkt zudem der Eindruck, dass an dieser Stelle der Grundsatz der Landesplanung weiter aufgeweicht wird, nachdem großflächiger Einzelhandel nur in den zentralen Orten und integrierten Standorten stattfinden soll.“ Das hat das Celler Stadtoberhaupt auch seinerzeit in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann adressiert.

An den Heidekreisabgeordneten gewandt: „Wenn Herr Klingbeil nun die Region zum Zusammenhalt in Sachen DOC-Erweiterung aufruft, frage ich mich, wie er in vollem Bewusstsein die Verödung unserer Innenstädte vorantreiben kann? Wäre nicht vielmehr Zusammenhalt gefordert, wenn es um die Unterstützung der Umlandkommunen und ihres Einzelhandels geht?“ Schließlich stehe die Stadt Celle mit der Kritik nicht allein auf weiter Flur, sondern habe mit Städten wie Lüneburg prominente Mitstreiter an ihrer Seite.

„Offensichtlich betreibt der SPD-Abgeordnete hier reine Klientelpolitik in seinem Wahlkreis, in dem „zufällig“ ein DOC angesiedelt ist, als über den Tellerrand zu schauen und die gesamte Region in den Blick zu nehmen“, ärgert sich Nigge. „Müssen wir uns da noch wundern, wenn die Politikverdrossenheit weiter um sich greift?“

In seiner rund dreijährigen Amtszeit hat Nigge bereits viel getan, um die Vitalität der Celler Innenstadt aufrecht zu erhalten. „Von daher lade ich Lars Klingbeil herzlich in unser schönes Celle ein. Beim Standrundgang zeige ich ihm gerne, welche Anstrengungen wir bereits unternommen und noch vor uns haben.“ Vielleicht steige so die Sensibilität für die Situation der Kommunen, damit künftig nicht mehr nach dem Motto agiert werde: „Hauptsache ich habe meine Schäfchen im trockenen. Egal, ob die der anderen der Sturmflut zum Opfer fallen!“

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Foto: Stadt Celle

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