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Folgen der Krise auf die Kleinsten der Gesellschaft: Rückkehr in den Kita-Alltag nach Corona – eine Zwischenbilanz des DRK

CELLE. „Wir sind hier Bullerbü, unsere Idylle ist gestört worden“. Mit diesem Satz beschreibt die Erzieherin Daniela Bonorden die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die von ihr geleitete kleine DRK-Kindertagesstätte „Bockelskamp“ in der Samtgemeinde Flotwedel und findet gleichermaßen die richtigen Worte für die Folgen der Krise auf die Kleinsten der Gesellschaft im übergeordneten Sinn. So etwas hatte zuvor niemand erlebt, von einem Tag auf den anderen durften die Kita-Kinder nicht mehr in ihre Einrichtungen, die für sie ein wesentlicher Bestandteil ihres gewohnten Lebens sind, nicht mehr auf den Spielplatz, nicht mehr zu den Freunden nach Hause.

Wie verkraften die Jungen und Mädchen einen solchen Einschnitt? Seit Ende Juni ist der Alltag nach dem seit Mitte März auf Notbetreuung heruntergefahrenen Betrieb weitgehend zurückgekehrt. Gegen Ende des außergewöhnlichen Kindergartenjahres 2019/20 lässt sich für die vom DRK-Kreisverband Celle getragenen Institutionen ein Fazit ziehen. „Die Kinder kamen sehr selbstbewusst zurück“, fasst die unabhängige Kita-Fachberaterin, Heike Oklitz, das Ergebnis ihrer Gespräche mit den Pädagoginnen vor Ort zusammen. Gerechnet hatte sie wie andere Fachleute auf dem Gebiet damit nicht, die schlimmsten Befürchtungen sahen vernachlässigte, möglicherweise verstörte, Kinder voraus.

Nichts davon traf zu, die vom Vorstand des Kreisverbandes gegründete Arbeitsgruppe, die diese Folgen hätte auffangen sollen, wurde umgehend wieder aufgelöst. „Jede Leitung sagt, sie kämen mit viel Souveränität in den neuen Alltag zurück“, zitiert Oklitz die DRK-Mitarbeiterinnen. „Die Eltern zu Hause haben eine phantastische Arbeit geleistet. Sie haben das Thema gut besprochen, die gewonnene Zeit mit den Kindern genutzt“, lobt die Pädagogin. Dieses als Überlegenheit der rein häuslichen vorschulischen Erziehung zu werten, wäre jedoch ein Trugschluss. „Die Kinder wollten unbedingt wieder herkommen“, betont die Leiterin des vergleichsweise großen DRK-Kindergartens „Räuberhöhle“ in Wienhausen. Wichtig war die Überbrückung in den Wochen des Lockdowns durch Kontaktpflege. Hier entwickelten alle Mitarbeiter große Kreativität. Das Team um Daniela Bonorden ließ Postmappen mit kleinen, aber auch großen Aufgaben wie der Bitte, ein Bild in Lebensgröße von sich selber anzufertigen, Malblättern, Briefen an die Eltern, Fotos und kleinen Geschenken hin- und herwandern zwischen dem Zuhause und der Kita. Kommuniziert wurde auch über Plakate in den Fenstern und Glastüren sowie dem Formen von Steinschlangen mit oder ohne Botschaften darauf vor den Eingangsbereichen. „Die Kinder haben uns vermisst und wir sie“, berichten übereinstimmend Denise Mußmann und Daniela Bonorden, die ergänzt: „Manche sind jeden Tag in Begleitung hier vorbeigegangen. Die haben gespürt, dass etwas anders ist.“

Durch die „Fernbetreuung“ wurde ein Stück des gewohnten Alltags mit den wichtigen Bezugspersonen aufrechterhalten. Auch Denise Mußmann hat das Selbstbewusstsein beobachtet, das die Drei- bis Sechsjährigen nach der Hochphase von Corona kennzeichnet. Auf die Frage, wie eine solche Veränderung zu deuten sei, sagt sie: „Das ist so ein Mischmasch, einerseits haben wir uns gegenseitig sehr vermisst, die Kinder waren voller Vorfreude auf die Rückkehr, andererseits hat ihnen die Zeit mit ihren Eltern aber auch gutgetan.“ Eine andere Beobachtung haben Evangenia Tsiouma und Marcel Berridge gemacht. Die beiden Erzieher waren die gesamte Corona-Phase über in der Notbetreuung im Einsatz: „Kleine Gruppen tun den Kindern gut“, sagt der junge Pädagoge. Die Ungewissheit der Situation, die Umsetzung und Einhaltung der neuen Regeln bezeichnet er als die größten Herausforderungen zu Beginn. Mittlerweile sind Abstand halten und Händewaschen kein Problem mehr, die Bänder, die die Gruppen voneinander fernhalten, werden ins Spiel mit eingebaut, „die Kinder lieben Wasser“, erläutert Evangenia Tsiouma, wie leicht die Händereinigung spielerisch zu integrieren ist. Aus Sicht der jungen Erzieherin hat die Corona-Zeit auch etwas Gutes gehabt: „Wir sind als Team stärker zusammengewachsen und haben mehr Wertschätzung von den Eltern erfahren und unter den Kindern haben sich in den kleinen Gruppen während der Notbetreuung andere Beziehungsgeflechte entwickelt.“

Die Expertin, Heike Oklitz, lobt ausdrücklich die geleistete Arbeit in den Einrichtungen auch vor dem Hintergrund, dass Konzepte zur Fortführung des Betriebes unter Corona-Bedingungen entwickelt werden mussten: „Die Krise wurde mit großem Einfallsreichtum gemeistert. Die Herausforderung hat die Kita-Leiterinnen zu Krisenmanagerinnen gemacht“, betont Oklitz. Nicht zu hundert Prozent zufrieden ist die Pädagogin mit der Hilfestellung von Seiten der Landesregierung, die beispielsweise „Leitplanken zum Hochfahren des Kita-Betriebs“ Anfang Mai herausgab: „Da steht viel drin, was im wahren Leben gar nicht umsetzbar ist. Ich hätte mir gewünscht, dass sich das Ministerium stärker mit der Basis rückkoppelt.“

Hinsichtlich der unbeschadeten und sogar selbstbewussteren Rückkehr der Kinder in ihre gewohnten vorschulischen Bildungseinrichtungen hat Heike Oklitz ihre eigene These, die sämtliche Aspekte des Themas vereint und Erklärungen in sich birgt: „Kinder arrangieren sich sehr schnell und einfach mit neuen Situationen, sie haben eine hohe Resilienz und sie benötigen zur Selbstbildung Gleichaltrige“, erläutert sie und schließt mit einer Aussage, die die beste Voraussetzung für ein Bullerbü überall dort, wo die Kleinen als Große einmal wirken werden, sein kann: „Die Eltern-Kind-Bindung macht die Kinder stark. Eltern sind die Experten ihres Kindes.“

Anke Schlicht
Fotos: Anke Schlicht





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