Der Weg vom Underground-Clubber in die Galerie: Burna Kicksass und seine künstlerische Entwicklung

CELLE. Seit seinem 16. Lebensjahr steht Burna Kicksass auf Skateboards. Anfangs sei er allein in Celle geskatet auf einem alten Praktiker-Parkplatz. Eines Abends seien zwei PKWs auf den Parkplatz vorgefahren voll mit anderen Skatern aus Celle und Umgebung. Mit denen sei er fortan geskatet z.B. beim Burgzentum oder auch in der CD-Kaserne. Sein Deck habe er im Auto immer parat. Doch leider plage ihn in letzter Zeit der Rücken, so dass es ihm schwer falle zu skaten. Aber er werde stets ein Skater mit Herz und Seele bleiben. Er wolle aber den Kontakt zum Skateboarding nicht verlieren, daher beschäftige er sich mit dem Upcycling von alten Skateboards. Aber dazu später mehr

HipHop und Skaten geht meist Hand in Hand.

So auch bei Burna Kicksass: Anfang der 90er habe er viel HipHop gehört und vieles davon auf dem Kassettenrecorder aufgenommen. Dabei sei der Rap eher nebensächlich gewesen. Was ihn fasziniert habe, sei das Groovige des Funk und Breakbeats gewesen. Durch seine Skaterfeunde sei er zum Drum and Bass gekommen. Ab 1996 habe er begonnen, selber aufzulegen. Ein Jahr später sei er mit seinen ersten Auftritten gestartet. Zur Jahrtausendwende habe er an einem Wettbewerb von Lifeline Bremen teilgenommen. Dort habe er ein paar Tapes gemixed und recorded eingereicht. Als Siegerpreis habe er im Tivoli Aladin auflegen können. Was für eine Gelegenheit! Daraufhin seien weitere Gigs in Bremen, Braunschweig, Hannover und Achim gefolgt. Unter anderem habe er in der CD-Kaserne, im Bunten Haus, im Vanity, im Rios, in der Mufa und in einigen anderen Diskotheken aufgelegt. Ab 2010 habe er sich vom Djaying zurückgezogen und begonnen, selber Musik zu produzieren: Breakbeats sowie Drum and Bass. Sein Höhepunkt sei letztes Jahr gewesen: Nach zwei EP’s habe er seinen ersten Longplayer produziert auf dem Label „Elektroskool Recordings“. Diese LP sei vorerst sein kreativer Höhepunkt musikalisch gesehen, in ihr ließ er seine musikalische Vergangenheit mit all seinen Einflüssen einfließen. Seine Musik ist frei zum Downloaden unter www.soundcloude.com/burna76 erhältlich.

Zeichnen und Malen habe ihn stets begleitet

Mit Vorliebe habe er in seinen Schulblöcken im Unterricht Comics gezeichnet: Transformers, Starwars sowie Hero Turtles uvm. Seine Oma habe ihn in die Welt des Aquarellzeichnens hineingeführt. Seine Lieblingswerke seien Haifischflossen und Haie im Allgemeinen. Durch die Metalphase in der Jugendzeit hätten aber auch einige düstere Motive Eingang in sein zeichnerisches Schaffen gefunden. Seine Zeichnungen sind stark von seinen Erfahrungen in den Bereichen Skating, Musik und Tattoos geprägt. Auch der urbane Street- und Lifstyle hinterlasse Spuren in seiner Kunst. In der Fachoberschule für Gestaltung habe Burna Kicksass weitere Techniken kennengelernt. Die Ölmalerei habe er im atelier 22 entdeckt. Wegen der hohen Flexibilität und Spontanität arbeite er gerade aber viel mit Aquarell und Finelinern.

Aktuell zeige er zwei Werke in der Jahresausstellung „Kreativ umgesetzt“. Das Werk „Sommernachtstraum“ sei ihm im Traum erschienen und er habe es mittels Aquarell, Fineliner und Akzentuierung mittels Lackstiften nieder gemalt. Hierbei habe er diverse Schichten unterschiedlicher Farben und Lacke aufgetragen und stellenweise wieder abgekratzt. Anfangs habe er die Farben aus dem Traum versucht so nah wie möglich darzustellen. Irgendwann habe es eine Eigendynamik entwickelt. Anfänglich rational umgesetzt habe sein Schaffen einen eigendynamischen Verlauf aus Schaffen und Zerstörung entwickelt. Überraschend sei das Ergebnis: ein luzides und Ruhe ausstrahlendes Bild.

Die Grundlage für sein zweites Werk sei ein wildes, buntes Tuschebild eines Kindes aus dem Bekanntenkreis in überwiegend Blau- und Rottönen. Die dynamischen Muster und knalligen Farben hätten ihn inspiriert. So habe er meditativ winzige überwiegend geometrische Formen der Maori Tattoo Technik mittels Lackstiften aufgetragen. Seine Muster habe mit den Pinselführungen des Kindes das Schlangennest, die Wellen und den Koi im unteren Bildbereich ergeben. Universell betrachtet wolle er damit die Ruhe im Chaos des Lebens darstellen.

Upcylcing der Decks sei ihm eine Herzensangelegeneit

Vor gut einem Jahr, und nachdem er 20-30 alte, zerbrochene Skaterdecks habe entsorgen müssen, habe er beschlossen, sie anders zu verwerten. Durch seine Ausbildung zum Tischler habe er sie in seiner kleinen Werkstatt umgestalten können. So verarbeite er die Decks zu Lampen, indem er Buchstaben oder Motive heraussäge und diese mit Epoxidharz ausgieße. Schlüsselanhänger würden aus den Brettern herausgesägt in Form von Lettering oder kleinen Motiven. Aber auch ein Regal habe er aus mehreren Decks zusammengestellt. Im Anschluss bemale und lackiere er seine Produkte. Nachdem Lampen sowie Schlüsselanhänger sich gewinnbringend umsetzen ließen, habe er überlegt, wie er an weitere Decks kommen könne. Ein alter Skaterfreund vertreibe neue Decks. Durch den Transport gingen einige zu Bruch und häufig würden alte Decks bei ihm entsorgt. Burna Kicksass könne diese für wenig Geld kaufen, um sie weiter zu verarbeiten.

Sein Plan sei, mit den Verwertungen der Decks und den Upcycling-Arbeiten seine künstlerische Bekanntheit auszubauen. Dazu werde er demnächst fleißig Werbung für seine einzigartigen Produkte machen. Ab Mitte September könnten einige Schlüsselanhänger im Shop des atelier 22 betrachtet werden und Aufträge zu persönlichen Schlüsselanhängern erteilt werden.

Redaktion
Celler Presse
Fotos: Burna Kicksass

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