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Hochwasser 2023 / 2024 – Dank und Bestandsaufnahme

Einen großen Dank an die Thörener Bürger, an Rettungskräfte und Unterstützer bei der Bewältigung der extremen Situation spricht der Thörener Ortsrat aus: „ Die Einsatzbereitschaft, das füreinander Einstehen und die gemeinsamen Anstrengungen für unser Dorf waren unglaublich.“

„Wir als Ortsrat unseres Dorfes haben am 2. Januar angeregt, den ursprünglichen Entwässerungsgraben (Am Graben) zu öffnen, um den Grundwasserstand im Dorf abzusenken. Diese Aktion wurde von allen Seiten unterstützt, so dass wir ab dem 3. Januar nach Beendigung der Aktion ein spürbares Absinken des Grundwasserstandes feststellen konnten“, ist das Fazit von Thörens Ortsbürgermeister Wilhelm Redeker.

In einem Schreiben hat der Ortsrat neben der Schilderung der aktuellen Ereignisse Forderungen und Wünsche im Bezug auf das Hochwassergeschehen festgehalten und mit dem Ortsbrandmeister abgestimmt. „Wir haben dann bei den Entscheidungsträgern in der Gemeinde, im Landkreis und bei den Abgeordneten des Landtages und des Bundestages um Unterstützung unsere Forderungen gebeten“, so Redeker.

Es ist geplant, voraussichtlich Mitte bis Ende Februar, ein oder zwei Informationsveranstaltungen anzubieten, in denen die Situation Hochwasser, Grundwasser und Oberflächenwasser und die Wünsche für das Dorf vorgestellt werden.

PR

Schreiben des Ortsrats an die Entscheidungsträger:

„Ortsrat Thören, im Januar 2024

Sehr geehrte…

Wir, in der Funktion als Ortsräte/Ortsrätin der Ortschaft Thören, Gemeinde Winsen (Aller) und als Thörener Ortskommando der Feuerwehr bedanken uns für Ihren persönlichen Besuch, das Interesse und Ihre Anteilnahme in dieser besonderen Lage.

In dem Bewusstsein, dass große Teile des Landkreises Celle und Landes Niedersachsen unter diesem aktuellen Hochwasser stark leiden und die Schäden zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht überschaubar sind, möchten wir trotzdem unsere Situation schildern und die Interessen von Thören vertreten.

Wir sind dankbar, wie effektiv und engagiert unsere Ortsfeuerwehr die Aufwallung um unseren Ort betreut, um die Bevölkerung und Werte in der Ortschaft zu sichern. Die Wehr wird von Landwirten/Landwirtinnen und engagierten Bürgern/Bürgerinnen mit ihren Maschinen und Fahrzeugen maximal unterstützt, viele leisten ehrenamtlich extremen Einsatz und es ist eindrucksvoll, wie der Ort in dieser Krise zusammensteht und auch noch Abordnungen für die Gemeinde Winsen (Aller) gewährleisten kann.

Dieser Einsatz der Thörener Bevölkerung für den Schutz ihres Ortes und die Sicherung währt historisch schon seit Jahrhunderten, denn Thören liegt an der tiefsten Stelle des Landkreises Celle. Die ersten Bauern siedelten sich im 9. Jahrhundert in Thören an, Erwähnungen der Höfe existieren seit 1437 und teilweise sind diese Betriebe noch immer im Familienbesitz an derselben Stelle. Historisch wird in diesen Familien seit Generationen übermittelt, dass die Höfe von jeher durch eine selbsterbaute Aufwallung vor dem Wasser der Aller geschützt waren. Kartierungen belegen, dass mindesten seit 1780 die heutige Aufwallung Thören vor dem Hochwasser geschützt hat und von den Bewohnern (damals den Bauern) gesichert wurde.

Ein Messtischblatt (Karte) von 1897 zeigt eine nahezu identische „Deichlinie“ wie die heutige. Hochwasserkatastrophen sind seit 1826 erwähnt, 1881 und 1946 kam es zu „Deichbrüchen“ in der Aufwallung und 1981 konnte mühsam ein Bruch verhindert werden. Historisch war der Ort mit seinen Bewohnern/Bewohnerinnen immer für den Schutz der Aufwallung zuständig.

Nach dem bedeutenden Hochwasser im Januar 2003 wurde die Gemeinde Winsen (Aller) vom Landkreis Celle beauftragt, die Aufwallung um Thören zu ertüchtigen. Diese Maßnahme erfolgte bis 2022 durch Initiative des Ortes und der Gemeinde Winsen (Aller), diese trug die Kosten ohne Materialbeschaffung, das Material wurde von Thören organisiert und gestellt. Diese bisher letzten Reparatur- und Sicherungsmaßnahmen 2022/2023 führten zu Diskrepanzen zwischen Ort Thören/Gemeinde Winsen (Aller) einerseits und dem Landkreis Celle (Untere Naturschutzbehörde und Untere Wasserbehörde) andererseits.

Das Jahr 2023 zeichnet sich durch eine deutlich feuchtere Wetterlage im Vergleich zu den Vorjahren aus.

Ein ungewöhnlich nasser Oktober und November und der niederschlagsreichste Dezember seit Messbeginn führten zu einer Sättigung der Böden und Hochwasser in vielen Flüssen ab Weihnachten 2023. In Niedersachsen brachte das Jahr 2023 mit 1070 l/m² fast 45 Prozent

mehr Niederschlag als durchschnittlich im Jahresmittel (746 l/m²). (Quelle: Deutscher Wetterdienst).

In Thören wurde ab Dezember, bei beginnendem leichtem Hochwasser, unter Leitung der Ortsfeuerwehr die Aufwallung kontrolliert, leichte Durchflüsse gestoppt, Tierbauten (Maulwurf, Nutria, Fuchs) geschlossen, Zuwegungen zur Aufwallung verbessert, der „Deichaufwuchs“ über etwa 500 Meter gemulcht und an empfindlichen Stellen Sträucher und Bäume entnommen. In der aktuell verschärften Hochwassersituation wurden Überfahrten geschlossen, verstärkt oder erhöht, ein Teil der westlichen Aufwallungslinie (Prachterbusch) in einer Länge von etwa 150 Metern in der Krone mit massivem Einsatz von Sandsäcken gesichert. Insgesamt wurden über 10.000 Sandsäcke verbaut, um die Aufwallung und damit den Ort zu schützen. Entwässerungsgräben, die das Oberflächen- und aufsteigende Grundwasser hydraulisch mit dem Allerhochwasser ausgleichen, wurden verschlossen oder geräumt, um größtmögliche Effekte der Dorfentwässerung zu erzielen. Durch den sehr hohen Grundwasserstand und das Oberflächenwasser sind manche Ortsbereiche und Straßenzüge stark betroffen. Bei der Entwässerung des Dorfes wird unsere Ortswehr aktuell vom THW mit mehreren Pumpen unterstützt, wofür wir sehr dankbar sind.

Die Kameraden/ Kameradinnen der örtlichen Feuerwehr leisten mit ständigen Kontrollgängen und -fahrten, den Reparaturen durchgesickerter Stellen in der Aufwallung und allen weiteren anfallenden Arbeiten maximalen ehrenamtlichen Einsatz.

An der o.a. schwächsten Stelle in der Aufwallung am Prachterbusch wurde letztes Jahr die Ertüchtigungsmaßnahme vom Landkreis durch einen angeordneten Baustopp beendet. Diese Stelle wird momentan von französischen Zivilschutzkräften durch den Bau eines mobilen Deiches gesichert.

Die aktuelle Hochwassersituation aufgrund der hohen Niederschlagsmengen in Niedersachsen über Monate, hat uns die Bedeutung der Aufwallung für unseren Ort verdeutlicht.

Wir als Ortsrat erwarten erstens in dieser Situation zum Schutz unseres Ortes und damit unserer Bürger/Bürgerinnen die Befürwortung und Genehmigung des Erhalts der jetzigen Aufwallung mit der Zusage einen funktionsfähigen Zustand zu sichern, zu erhalten und zu verbessern.

Gegen diesen Erhalt hatten sowohl die Untere Wasserbehörde und die Untere Naturschutzbehörde aufgrund der Ertüchtigung Einwände und forderten einen Rückbau auf den Zustand von 2003. Dazu gab es einen Ortstermin am 04.10.2022 beim Landkreis mit der Bauamtsleiterin und dem Fachbereichsleiter Tiefbau aus Winsen (Aller) und dem Thörener Ortsbürgermeister. Von Seiten des Landkreises nahmen 14 Mitarbeiter der oben genannten Fachbereiche teil. In Anbetracht der aktuellen Hochwasserlage ist ein Rückbau weder sinnvoll noch von uns als Ortsrat, Ortswehr und den Bürgern/Bürgerinnen akzeptabel.

Der Einsatz der französischen Abordnung an genau diesem Abschnitt der Aufwallung, der bisher nicht ertüchtigt wurde, zeigt auf, welche Konsequenzen dem Ort gedroht hätten, wäre die Gemeinde Winsen (Aller) der Rückbauforderung des Landkreises bereits nachgekommen.

Als zweites wünschen wir uns eine Fortführung/Wiederherstellung der Aufwallung über die Landkreisgrenze hinaus in den Heidekreis Richtung Stillenhöfen. Momentan werden bei diesem als HQ 50 eingestuften Hochwasser etwa 100 Meter im Landkreisgrenzbereich überspült und dieses Wasser verhindert den Abfluss des Oberflächenwassers aus Thören. Nach unserer Einschätzung könnte eine Verlängerung der Aufwallung eine Absenkung des Oberflächenwassers im Ort Thören bewirken.

Drittens stimmen wir angedachten Deichbauplänen (Neubau Deich entlang der Bebauungsgrenze) nur unter der Bedingung zu, dass die seit Jahrhunderten bestehende, traditionell von den Bürgern gepflegte und gesicherte Aufwallung erhalten bleibt und eventuell zusätzlich entstehende Retensionsflächen entschädigt werden. Wir halten diese neu angedachte Deichlinie aber aufgrund der hydraulischen Wirkungen auf das Grundwasser/Oberflächenwasser innerhalb des Ortes für nicht sinnvoll und wünschen die bisherige Aufwallung schutzfähig gestalten zu dürfen.

Historisch wurde der Ort Thören durch ein effektiv angelegtes Grabensystem entwässert, was Kartierungen und auch Straßennamen belegen. Diese Gräben sind teilweise durch Bewuchs und Verschluss inaktiv. Einer dieser Gräben wurde mit Eigeninitiative des Ortes in der aktuellen Situation wiederhergestellt und damit mehrere Grundstücke entwässert und somit Werte gesichert. Aufgrund des extremen aktuellen Grund- und Oberflächenwassers haben wir festgestellt, dass diese historische Ortsentwässerung sinnvoll und effektiv war.

Aus diesem Grund fordern wir viertens diese Entwässerungssituation durch das ehemalige Grabensystem wiederherstellen zu dürfen.

In diesen für den Ort Thören wesentlichen Fragen bitten wir um Ihre Unterstützung und verbleiben mit freundlichen Grüßen

Wilhelm Redeker                                           Eike Merk

Imke Hüner                                                    Carsten Lohmann

Heinrich Leymers                                           Hans-Jürgen Giesler“

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