Nordwall-Halle – Bürgerinitiative besichtigt und diskutiert

CELLE. Die neu gegründete Bürgerinitiative »Nordwall-Halle für Kultur und Sport« hat ihre Arbeit voll aufgenommen. Für den 12. Februar hatte sie zu einer Besichtigung der Nordwall-Halle und anschließend zu einer Gesprächsrunde über die künftige Nutzung eingeladen.

Zwischen 40 und 50 Interessenten strömten über die aufgerissene Straße durch das Portal des Vordergebäudes mit dem Turner-Kreuz „Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei“. Lothar Haas, Vorsitzender der Bürgerinitiative, und der Präsident des MTV Eintracht Celle, Klaus Rohr, begrüßten die Besucherinnen und Besucher im Treppenhaus. Gemeinsam stiegen alle zum Obergeschoss hinauf und konnten dabei die Brettbaluster-Treppe bewundern, ähnlich denen der Hofbeamtenhäuser in der Trift. Der große Raum hinter dem mittleren Rundgabenfenster, wo bisher die Geschäftsstelle des Vereins war, war dann der Ausgangspunkt für den Weg durch alle Räume nach unten bis zum Untergeschoss.

Schon im Obergeschoss war unübersehbar, dass der MTV Eintracht im Begriff ist, das Vordergebäude zu verlassen: gefüllte und leere Umzugskartons in allen Räumen. Die Geschäftsstelle des Vereins zieht in andere Räume auf dem Saarfeld, weil die Stadt das Vordergebäude und die Turnhalle abreißen lassen will. Und dies will die Bürgerinitiative abwenden.

Bei der Besichtigung des bisherigen Geschäftszimmers stellten die Gäste fest, dass hier baulich alles in ordentlichem Zustand ist. Niemand bemerkte etwas von einem maroden Zustand, von dem immer wieder zu lesen ist. Nicht anders war es auch in den kleineren Räumen, die auf dem Weg in die Etage darunter zu besehen waren, etwa Büro- oder Besprechungsräume, ein Unterkunftsraum oder ein Computer-Schulungsraum.

Dann führte der Weg auf den Balkon, von dem aus in die Turnhalle zu sehen ist. Sie entspricht zwar nicht mehr den jetzigen Normen für Sporthallen, kann aber für mancherlei Sportarten auch heute genutzt werden und wird auch noch ständig so genutzt. Die Gäste konnten eine Kindergruppe bei Bewegungsspielen beobachten. Wie zu hören war, gibt es in einer nachträglich errichteten Wand zum Anbau einen Riss. Die Besucher konnten ihn nicht selbst in Augenschein nehmen, hatten aber den Eindruck, dass er für die Turnhalle insgesamt keine Gefahr darstellen könnte.

Viele der Besucherinnen und Besucher hatten dann erstmals die Möglichkeit, den großen ehemaligen Versammlungsraum zu betreten, der sich hinter den drei hohen Fenstern der Fassade befindet. Sie waren beeindruckt von der Dimension dieses repräsentativen Raums: fünf Meter in der Höhe, eine Grundfläche von gut 90 Quadratmeter. Wände und Decke sind besonders gestaltet: Die tragenden Elemente treten aus der Fläche hervor und haben etwas Lebendiges. Auch wenn dieser eindrucksvolle zentrale Raum jetzt für Dart genutzt wird und sich die Schachgruppe hier trifft, konnten die Besucher sich sofort vorstellen, wie es gewesen sein muss, als hier 1913 die Einweihungsfeier für das Gebäude stattfand. Bauliche Mängel wurden auch hier vergeblich gesucht.

Schließlich nahm die Gruppe noch den Weg durch die ehemalige Hausmeisterwohnung im Untergeschoss, die schon lange zu Sanitärräumen umgebaut worden ist. Manche der Gäste hatten schon Äußerungen gehört, diese Räume seien in keinem guten Zustand. Für die Besucher war das nicht zu erkennen. Eine ehemalige Lehrerin meinte: „Manche Schule würde sich mit solchen Toiletten glücklich schätzen.“ Als die Gruppe dann wieder auf den Nordwall hinaustrat, hatte wohl niemand den Eindruck, in einem maroden Gebäude gewesen zu sein. Und auch daran, dass dieses Haus abgerissen werden müsste, dachte niemand.

Zahlreiche Interessierte trafen sich dann im „bell Mundo“ zu einer Gesprächsrunde. Eingangs erläuterte Lothar Haas, die Bürgerinitiative arbeite für den Erhalt der Nordwall-Halle, damit die Räume weiter genutzt werden könnten, für den Sport, aber auch für kulturelle Zwecke. Um dies zu ermöglichen, ohne dass die Stadt dadurch belastet werde, sei eine energetische Ertüchtigung und modellhafte Sanierung mit Bundesmitteln – entsprechend der angestrebten Nutzung – das Ziel. Zur Vorbereitung und um die Kommunalpolitik zu überzeugen, sei eine Machbarkeitsstudie geplant. Hierfür solle geklärt werden, welche künftigen Nutzungen in Betracht kämen, und dazu könne die heutige Gesprächsrunde beitragen.

Volker Nebelsieck knüpfte jedoch zuerst an die Besichtigung an: „Anders als ich nach einzelnen Medienberichten erwartet hatte, ist dies ein Bau, der sich gut sehen lassen kann.“ Hans-Jürgen Lenze pflichtete ihm bei: „Die Halle ist in einem erstaunlich guten Zustand!“ Das war erkennbar auch die Meinung aller Anwesenden. Dabei wurde auch darauf verwiesen, dass Stadtbaurat Ulrich Kinder in der letzten Bauausschusssitzung erklärt hat, in das Gebäude sei in den letzten Jahren wenig investiert worden, die Substanz sei aber „okay“.

Zu den Einsatzmöglichkeiten der Turnhalle äußerte Dietrich Klatt, sie entspreche zwar nicht mehr den heutigen Normen für Sporthallen, nach Einschätzung aktiver Sportler ließen sich dort aber mindestens 50 Sportarten noch gut ausüben. Im Gespräch ergab sich, dass schon etliche Einrichtungen Interesse an der Nutzung insbesondere des Vordergebäudes erklärt haben, die Volkshochschule, der Kunstverein, die Celler Rock-Initiative, Zirkus Knalltüte, Celler Stadtfest e.V.

Aus dem Kreis der Teilnehmer kamen etliche Anregungen, bei weiteren Institutionen nachzufragen, ob Interesse an einer Nutzung bestehe. Allgemeine Meinung war es, alle in Betracht kommenden Kulturinstitutionen könnten noch einmal konkret angeschrieben werden. Dawn Donneck ergänzte, es wäre wichtig, wenn bekannt wäre, welche Kosten für die Inanspruchnahme entstehen könnten.

Ratsfrau Inga Marks erklärte sich bereit, bei der Stadt zu beantragen, dass den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit gegeben wird, in Veranstaltungen oder Besichtigungen die Nordwall-Halle kennenzulernen oder wiederzuentdecken. Die durchgängige Einschätzung war im Übrigen, wegen des noch geltenden Abrissbeschlusses müsse die Kommunalpolitik jetzt tätig werden. Und also sei nun bei den Ratsfrauen und Ratherren für das Ziel der Bürgerinitiative zu werben. Ratsfrau Ute Rodenwaldt-Blank: „Da scheint es Bewegungsmöglichkeiten zu geben.“

Die Gesprächsteilnehmer verabschiedeten sich dann mit dem Gefühl, dass das Ziel erreicht werden kann.

PR
Foto: Rainer Schieding

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