Zur Ausstellung der Werke von Jussuf Abbo im atelier 22: Said Baalbaki im Gespräch mit Christiane Bühling-Schultz

CELLE. Die Beschäftigung mit Jussuf Abbo ist für Said Baalbaki zur Leidenschaft geworden. Von dem palästinensischen Künstler Jussuf Abbo hat er bereit vor mehr als 10 Jahren von seinem Professor MARWAN in Berlin gehört. Trotz seiner intensiven Suche in Museen und Bibliotheken konnte er kein Bild von Abbo finden, bis er 2014 erstmals 3 Grafiken von ihm in seinen Händen hielt. Sofort war er begeistert von der Präzision und Ausdruckskraft der Bilder.

Said Baalbaki und Christiane Bühling

Seitdem hat Abbo den Künstler Said Baalbaki nicht mehr losgelassen – wohl auch, weil er aus dem gleichen Kulturkreis wie Abbo stammt, der in den 1920 bis 30er Jahren ein große Künstlerkarriere in Berlin machte. In dem Gespräch mit Christiane Bühling, seiner Galeristin aus Berlin, berichtete er am Samstag den 27. Juni darüber, dass sich die Erforschung des Lebens Jussuf Abbos zu einer Obsession für ihn entwickelt hat.

Baalbakis Verdienst ist es, den vergessenen Künstler Jussuf Abbo wieder sichtbar gemacht zu haben. Er hat sein Leben und seine künstlerische Arbeit unter den gesellschaftlichen Bedingungen zu Beginn des letzten Jahrhunderts in Berlin und Hannover in einer konzeptionellen Ausstellung wieder zugänglich gemacht.

Mit grosser Sorgfalt hat er die Bilder Abbos präsentiert, aber auch die Erinnerung an seinen Austausch mit den Menschen, Galeristen und Künstlern seiner Zeit. Dies drückt sich aus in vielfältigen Katalogen zu Beteiligungen an damaligen Ausstellungen, in denen er mit bekannten Künstlern gezeigt wurde wie Kirchner, Klee oder Nolde. Baalbaki arbeitet auch mit dem Mittel der Dioramen, um vergessene Lebenslust und Vitalität der Zeit sichtbar und damit vorstellbar zu machen.

Baalbaki, der anders als Abbo, in eine Künstlerfamilie in Beirut geboren wurde, öffnete in dem Gespräch einen sehr persönlichen Einblick in seine Kindheit. Seine erste Erinnerung an seinen Vater verbindet er mit dem Geruch von Terpentin und Farbe. Damals war er etwa 4 Jahre alt. Er liebte es, seinen Vater im Atelier zu besuchen und schlief manchmal auf dem Arm des Vaters ein. Noch heute erinnert er sich an den Geruch des Vaters, der seinen Söhnen schon früh alle Freiheiten gab, mit Künstlermaterialien spielend zu arbeiten. Dennoch habe er Said davon abgeraten, Künstler als Beruf zu ergreifen, weil er erfahren hatte, wie schwierig es ist, mit diesem Beruf eine Familie zu ernähren. Heute sei er jedoch stolz auf Said und seinen Bruder, der ebenfalls ein bekannter Künstler geworden ist.

Das Thema „Heimat“ scheint für beide Künstler, Jussuf Abbo und Baalbaki, einen bedeutenden Einfluss auf ihr Künstlerleben gehabt zu haben. Said Baalbaki verwies darauf, dass verschiedenen Stationen im Leben Jussuf Abbos ihn an Situationen in seinem Künstlerleben erinnern, was ihm bei der Erforschung der Geschichte Jussuf Abbos sehr hilfreich war. Andererseits helfe ihm diese Arbeit auch, Stationen in seinem beruflichen Leben zu reflektieren. Beide Künstler haben jedoch auch eine unterschiedliche Erfahrung zu ihrer Heimat-Bindung. So war es Jussuf Abbo mit dem Weggang aus Palästina zum Kunststudium nach Berlin sehr wahrscheinlich nicht mehr möglichnach, seine enge Bindung zu seiner Familie in Safed aufrecht zu erhalten. Zumindest sind hierüber bisher keine Informationen bekannt. Zudem musste er durch die Ereignisse der Geschichte seine Staatszugehörigkeit wechseln. Palästina gehörte zur Zeit Abbos Kindheit zum Osmanischen Reich, das mit Ende des Ersten Weltkriegs aufgelöst wurde. Er war von da an vermutlich weitgehend auf sich selbst gestellt. Während Said Baalbaki bis heute in zwei Kulturen lebt und arbeitet. Seine Heimat Beirut inspiriert ihn auch heute noch, er besucht dort regelmässig seine Familie und lebt weiterhin mit der libanesischen Künstler-Community. Gleichzeitig ist sein Wohnsitz Berlin, wo er eine weitere künstlerische Bildung erhalten hat und als Künstler anerkannt ist.

Christiane Bühling entwickelte in dem Gespräch ein sehr klares Bild von Saids künstlerischem Schaffen. Neben der Malerei, die einen wesentlichen Teil seiner künstlerischen Werke umfasst, steht ebenso bedeutend seine konzeptionelle Kunst, in der er u.a. mythologische Geschichten aufarbeitet. Als Beispiel nannte sie das Projekt „Al Burak“, das als fiktionale Darstellung die Entdeckung des geflügelten Pferdes dokumentieren soll, welches eine bedeutende mythische Figur in der islamischen Tradition ist. Dabei setzt Said auch museale Techniken ein. Manchmal werden diese beiden Techniken, Malerei und Konzeptkunst, von Baalbaki auch zusammengeführt, wie in der jetzigen Ausstellung zu „Jussuf Abbo“. Der Wechsel zwischen den Werkphasen Malerei und Konzeptkunst bedeute für Said Baalbaki jeweils eine enorme Kraftanstrengung, wie er berichtete. Zudem arbeitet er zusätzlich in der plastischen Gestaltung. Aktuell arbeitet er an Guss-Plastiken in Beirut. Es sei die Gesamtheit seiner künstlerischen Vielfalt, die das einmalige Profil Said Baalbakis ausmache, sagte Frau Bühling.

Es ist nicht verwunderlich, dass von den Teilnehmern wiederholt der Wunsch geäußert wurde, eine Ausstellung zur gesamten Breite seiner künstlerischen Tätigkeit im Raum Celle sehen zu können. Vorschläge für verfügbare Ausstellungsfläche in Celle wurden gleich mitgeliefert. Diesen verständlichen Wunsch wehrte Said Baalbaki zunächst ab, weil er noch eine vierte Leidenschaft habe, seine beiden noch kleinen Kinder, denen er weiterhin große Aufmerksamkeit widmen will. So werden wir wohl noch etwas auf eine Ausstellung der Schaffenskraft Baalbakis im Raum Celle warten müssen.

Jürgen Henke

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