Ein neues Dach für das Backhaus – Reetdachdeckerteam im Museumsdorf im Einsatz

Ein neues Dach für das Backhaus – Reetdachdeckerteam im Museumsdorf im Einsatz

8. Dezember 2020 Aus Von Celler Presse

HÖSSERINGEN. Mit Schwung klopft Moira Memmhard das leuchtend-gelbe Reet fest. Lose Halme fliegen auf, Staub flimmert im spätherbstlichen Sonnenschein. Im Hintergrund hängen lange trockene Ähren vom First herunter. „Man kann gar nicht anders als von Hand arbeiten. Das ist das Schöne an diesem traditionellen Beruf“, sagt Moira – und holt noch einmal kräftig aus. Schon ist zu ahnen, wie das fertige Dach einmal aussehen wird.

Moira Memmhard gehört zum Reetdachdeckerteam von Peter Memmhard, der nicht nur ihr Chef, sondern auch ihr Vater ist. Gemeinsam mit Lehrling Djibril Hahn arbeiten die Beiden derzeit am Dach des Backhauses im Museumsdorf Hösseringen, das nach fast 30 Jahren „Museumsdienst“ eine neue Deckung braucht. Drei Wochen ist das Team von Peter Memmhard nun schon bei der Arbeit, eine Seite wird komplett erneuert, die andere muss ausgebessert werden. „Eigentlich wollten wir für die Deckung Stroh nehmen, wie es dem historischen Befund entspricht“, erzählt der Fachmann. Aber man habe kein passendes Material bekommen und sich deshalb für Reet aus China entschieden. „In Deutschland gibt es gar keine Reetfelder mehr, höchstens einige wenige, die von den Reetdachdeckern selbst angepflanzt werden“, weiß Peter Memmhard. Deshalb müsse man auf Material aus der Ukraine, Ungarn oder Österreich zurückgreifen. Oder eben aus China. „Der Maßstab ist die Qualität und diese kann je nach Witterung in jedem Jahr anders sein.“ Im Laufe der Jahre hat Peter Memmhard seine Erfahrungen gemacht. Mit Roggenstroh, so wie es früher in der Lüneburger Heide üblich war, sehe es noch schlechter aus. Denn heute werde überwiegend kurzstieliges Getreide angebaut, welches keine Halme für den Dachdecker hergebe. Allerdings hält ein Reetdach 15 bis 20 Jahre länger als ein Strohdach – und das hat dem Museumsteam die Entscheidung leichter gemacht.

„Das Backhaus ist Teil unseres Reparaturprogrammes“, erläutert Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm. Insgesamt zehn Weichdächer müssen erneuert oder repariert werden, die Arbeiten mit einem Gesamtvolumen von 150.000 Euro sind bis 2025 terminiert. „Das geht nicht ohne Förderung“, so Brohm, der sich freut, dass die Reparatur des Backhauses vom
Lüneburgischen Landschaftsverband unterstützt wird. Als nächstes sind der Außenschafstall aus Bohlsen und der Hofschafstall aus Leverdingen an der Reihe.

Für Peter Memmhard ist die Arbeit im Museumsdorf nichts Neues, seit 30 Jahren ist er regelmäßig hier, immer wenn mal wieder ein Dach geflickt werden muss. Manchmal geht es dann hoch hinaus, nicht aber beim Backhaus. Das kleine Gebäude wurde im Jahre 1792 erbaut und stammt aus Katensen im Landkreis Celle. Seit 1995 steht es beim Brümmerhof in Hösseringen, wo es nach jahrelangem Verfall wiederaufgebaut wurde und nun zeigt, dass früher an jedem größeren Hof das Brot selbst gebacken wurde. Es ist ein schönes, überschaubares Projekt für das Dachdecker-Team. „Die Arbeit hält fit und außerdem ist man immer an der frischen Luft“, meint Djibril Hahn und rollt ein Stück Sechseckdraht aus. Dieser wird zum Schutz des Reets später auf der Dachfläche ausgelegt. Früher verwendete man dazu Legehölzer. Der First wird wieder ganz traditionell mit Heidekraut befestigt.

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