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TÜV NORD-Wintertipps 2021/2022 – Autosünden im Winter

Jan 14, 2022 ,

CELLE. Tipps und Tricks gibt es viele, um die winterliche Autofahrt vermeintlich zu erleichtern. Nicht alle davon sind jedoch noch zeitgemäß oder aber tatsächlich hilfreich. Marc Schnoor, Leiter der TÜV NORD-Station in Celle, erklärt, was vor und während der Fahrt in der kalten Jahreszeit zu beachten ist.

Autosünden vor Fahrtantritt:
Der Winter sorgt durch Kälte, Eis und Schnee für einige Unannehmlichkeiten und Gefahren. Hierbei gilt es, schon bei der Vorbereitung für die Jahreszeit bzw. die aktuelle Fahrt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen und gewisse Autosünden zu vermeiden. „Licht, Scheibenwischer, Gebläse, heizbare Heckscheibe und eine Sitzheizung – in dieser Zeit werden Batterie und Lichtmaschine stark gefordert. Um zu vermeiden, dass der Wagen nicht mehr anspringt, sollte man nun sparsam mit den elektrischen Verbrauchern im Auto umgehen“, so der Stationsleiter. Das betrifft vor allem diejenigen, die eine Batterie verbaut haben, die älter als vier Jahre ist oder in der Vergangenheit tiefenentladen war. Als Vorsichtsmaßnahme kann der Akku in der Werkstatt getestet werden. Um für den Notfall vorbereitet zu sein, empfiehlt sich für ältere Fahrzeugmodelle ein Starthilfekabel.

„Durch die Kombination aus Feuchtigkeit und Frost ergibt sich eine feste Eisschicht, welche die Türdichtungen verklebt. Dies sowie eventuelle Schäden lassen sich umgehen, indem man die Gummidichtungen an Türen und Klappen mit Silikon oder Hirschtalg schützt“, weiß Marc Schnoor. Als weiterer Frostschutz kann Glyzerin als dünner Film aufgestrichen werden. Die Vereisungen betreffen bekanntermaßen nicht nur die Dichtungen, sondern vor allem auch die Scheiben. Hierbei ist die richtige Technik Gold wert. Ein Eiskratzer ist unverzichtbar, da Hilfsmittel wie Scheckkarten, ein Kochfeldschaber oder eine CD-Hülle die Scheibe beschädigen können. Von heißem Wasser ist gänzlich abzusehen, denn durch den Temperaturwechsel sind Spannungsrisse möglich. Zudem ist es sinnvoll, die Scheibenwaschanlage beim Abstellen zu betätigen, um den Schmutz zu entfernen. Dieser setzt sich andernfalls in der Eisschicht fest und wirkt später beim Kratzen wie Schleifpapier. Mit dem Eiskratzer gilt es, erst waagerecht, dann von oben nach unten das Eis weg zu schaben. Schnoor hat noch zwei weitere Tipps: „Vor dem Nachtparken können die Scheiben mit einem Klarsichtmittel eingesprüht werden, was das Abkratzen erleichtert. Im selben Zuge sollten die Scheibenwischer hochgenommen werden, damit sie am nächsten Morgen beim Anlassen des Motors nicht über die vereiste Scheibe kratzen und die Gummilippen der Wischerblätter beschädigen.“ Eine weitere wichtige Maßnahme ist das Befüllen der Scheibenwaschanlage mit einem Reiniger mit Frostschutzanteil. So kann man auch in der kalten Jahreszeit den Durchblick behalten. Wer darauf verzichtet, riskiert nicht nur Schäden, sondern auch ein Bußgeld. Der Kühlerfrostschutz, der in der Regel bis minus 25 Grad Celsius reicht, sollte ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Er verhindert, dass das Wasser im Kühlmittelkreislauf einfriert.

„Ein vermeintlich hilfreicher Tipp hält sich seit Jahren hartnäckig: Das Verringern des Reifendrucks soll für bessere Traktion auf Schnee und Eis sorgen. Dies stimmte, als Diagonalreifen noch Standard waren. Für die heute gängigen Radialreifen gilt das nur noch bedingt“, klärt der TÜV-Experte auf. Stattdessen verschlechtert sich die Haftung auf der Straße und das Bremsverhalten wird schwammig, während gleichzeitig Spritverbrauch und Verschleiß steigen. Nur auf einer sehr dichten Schneedecke kann so die Traktion verbessert werden. Dementsprechend heißt es auch im Winter, weiterhin regelmäßig Reifendruck checken und gegebenenfalls an die Vorgaben anpassen.

So steht der Fahrt durchs Winter Wonderland nichts mehr im Wege. Nicht nur während der Vorbereitung für die eisige Jahreszeit gibt es einiges zu beachten, sondern auch während der Fahrt helfen Tipps und Tricks. Grundsätzlich ist von ständig hohen Drehzahlen und Kurzstrecken abzusehen. Besonders jetzt braucht
es seine Zeit, bis die Lager und Schmierflächen im Motor optimal mit Öl versorgt sind, was den Verschleiß erhöht. Ebenso schädigend ist die schnelle, aber ungleichmäßige Erwärmung der einzelnen Komponenten. Somit wirken sich kurze Strecken negativ auf den Antrieb und hohe Drehzahlen während der Kaltlaufphase negativ auf den Motor aus.

Wird es draußen kälter, setzen sich viele Autofahrerinnen und Autofahrer direkt mit ihrer dicken Jacke hinter das Steuer. Allerdings kann diese unbedachte Handlung bei einem Unfall schlimme Folgen haben. „Durch den Stoff liegt der Gurt nicht eng genug am Körper, sodass der Schutz beeinträchtigt wird. Außerdem wird so die Bewegungsfreiheit und somit möglicherweise das einwandfreie Steuern des Fahrzeugs eingeschränkt“, so Marc Schnoor. Demzufolge sollte die Jacke vor Fahrtantritt abgelegt werden. Auch nasse Fußmatten sind herauszunehmen und zu trocknen. Generell ist es sinnvoll, im Winter auf Gummimatten umzusteigen. Bevor man ins Fahrzeug steigt, ist es ratsam, sich vom Schnee zu befreien. Andernfalls gelangt zusätzliche Feuchtigkeit ins Auto, die schlimmstenfalls zu Moder, Schimmel und Rost führt. Ebenso verschlimmert es das Beschlagen der Scheiben von innen. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig gut durchzulüften und Heizung sowie Klimaanlage hochzufahren. Wird letztere längere Zeit nicht genutzt, können sich Feuchtigkeit, Pilze und Bakterien sammeln, wodurch ein unangenehmer Geruch entsteht. Um die
beschlagenen Scheiben zu bekämpfen, ist mehr zu tun, als das Gebläse auf die Windschutzscheibe zu richten. „Wenn bei der Heizung Umluft aktiviert ist, zirkuliert nur die feuchte Innenraumluft. Deswegen sollte man beim Einsteigen die Fenster etwas öffnen, damit sie entweichen und die kalte, trockenere Luft von draußen eindringen kann“, erklärt der Stationsleiter. Darüber hinaus ist dringend davon abzusehen, einen Heizlüfter ins Auto zu stellen. Zum einen wirkt die entstehende Hitze im Fahrzeug nicht gleichmäßig und zum anderen können sich Plastikteile der Innenverkleidung durch die Einwirkung verformen. Schlimmstenfalls kann sogar ein Brand entstehen. Ist die Fahrt beendet, sollten einige Gegenstände nicht im Fahrzeug zurückgelassen werden. Dazu zählen Elektrogeräte wie Laptops oder Smartphones,
Gegenstände aus Holz, Dosen, Getränke oder Medikamente. Bei allen besteht die Gefahr einer Beschädigung durch Kälte und Nässe.

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