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„Von Tag 1 an vor der Lage“ – Feuerwehr SG Lachendorf zieht Hochwasserbilanz

Belästigung durch Gaffer? Beschimpfungen während der Einsätze? Die vier Vertreter der Samtgemeinde-Feuerwehr Lachendorf, Karsten Strothmann, Lukas Kükemück, Michael van der Ahe und Michael Haming (s. Foto von links), schütteln bei solchen Fragen mit dem Kopf, ohne Aussagen von Kollegen in Frage zu stellen, denn die Umstände seien immer unterschiedlich. Wenn sie als Brandbekämpfer unterwegs sind, erleben sie dieses jedoch nicht, und auch während der jüngsten Hochwassereinsätze machten sie ganz andere Erfahrungen. „Die Hilfs- und Spendenbereitschaft war riesengroß, zahlreiche Bürger brachten Kaffee und Schokolade vorbei, andere wollten organisiert helfen“, berichtet Gemeindebrandmeister Haming.

Gelegenheit hierfür gab es reichlich, denn auch wenn „die Lachte nicht mit der Aller zu vergleichen ist“, waren in der Samtgemeinde Lachendorf etliche Aufgaben von der Feuerwehr abzuarbeiten – so mussten die Papierfabrik und verschiedene Eigenheime gesichert werden, Keller ausgepumpt, Heizungsanlagen mit Sandsäcken geschützt und eine Biogasanlage im Gewerbegebiet vor dem Bersten bewahrt werden. Zudem galt es, Sandsäcke zu füllen und in den viel stärker betroffenen Nachbargemeinden Flotwedel und Wathlingen zu unterstützen. Die Festtage fielen für die ehrenamtlichen Helfer buchstäblich ins Wasser. Ein Bedauern klingt im Gespräch mit den vier Ehrenamtlichen nur leise an, sie wurden gebraucht und waren zur Stelle. Pressewart Lukas Kükemück betont: „Ein besonderer Dank gilt auch den Familien der Einsatzkräfte, die während der Feiertage auf ihre Liebsten verzichtet haben und ihnen den Rücken freihielten.“ Üblicherweise nehmen Hochwassereinsätze ein bis zwei Tage in Anspruch, dieses Mal zog sich die Großschadenslage jedoch vom 22.12. bis zum 02.01.2024 des neuen Jahres hin und schloss Nachtschichten mit ein. „Dennoch gab es unter den Kameraden und Kameradinnen kein Schimpfen und Rumoren. Selbst wenn sie selber den Keller voller Wasser hatten, standen sie zu jeder Zeit zur Verfügung“, erzählt der Brandmeister der Ortsfeuerwehr Lachendorf Michael van der Ahe, „das Gemeinschaftsgefühl unter uns Feuerwehrleuten war größer denn je.“

EIN UNGLAUBLICHES JAHRZEHNTHOCHWASSER

Bereits vor Weihnachten wurden sie nach Ahnsbeck gerufen. „Da hat man schon gesehen, das Wasser konnte nicht abfließen, Wiesen und Felder waren überflutet und die Flüsse voll. Der Dauerregen hat die Lage so besonders gemacht“, erläutert Haming und fügt hinzu: „Wir haben am 22.12. mit der Planung begonnen, die Feiertage standen bevor, was bedeutete, das Besorgen von Material würde schwierig werden.“ Einen Tag vor Heiligabend starteten die Ehrenamtlichen, Sandsäcke zu füllen. „Landwirt Bernd Dierks verlagerte seinen Tannenbaumverkauf kurzerhand an die Seite und stellte uns, ohne zu zögern, seinen Hof zur Verfügung, um die Sandsackfüllmaschine der Samtgemeinde-Feuerwehr aufzustellen“, berichtet der stellvertretende Gemeindebrandmeister Karsten Strothmann. Nur ein Beispiel für die Rolle, die die Landwirte innehatten, indem sie mit ihrem schweren Gerät tatkräftig unterstützten. „Woher sollten wir z.B. einen Saugwagen mit 30 Kubikmeter Fassungsvermögen nehmen?“, fragt Michael van der Ahe rhetorisch. Die Gemeindefeuerwehr handelte in Eigenregie. Zurückgegriffen habe man auf die Erfahrungen aus den Jahren 2003 und 2013, in denen es ähnliche Herausforderungen gegeben hatte. Eine Konsequenz aus den Ereignissen im Jahr 2013 war die Anschaffung einer Sandsackfüllmaschine. „Gebraucht haben wir die seitdem nie“, wirft der Pressewart ein. Aber nun erwies sie sich als Glücksfall und konnte ihre volle Leistung auch deshalb zeigen, weil die Papierfabrik 100 Paletten für den Transport der Sandsäcke zur Verfügung gestellt hatte und die Landwirte mit ihrem schweren Gerät halfen, sie zu befüllen und die vollen Paletten mit Gabelstaplern zu verladen.

Von einem Jahrhunderthochwasser spricht das Quartett nicht, vielmehr nutzen sie den Begriff „Jahrzehnthochwasser“. Und dieses in „unglaublicher“ Ausprägung. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hatte inoffiziell einen Pegel von 3 Metern für die Lachte prognostiziert, soweit kam es nicht. „Der höchste Stand lag bei 2,65 Meter“, nennt Lukas Kükemück den präzisen Wert. An Heiligabend begannen die Einsätze in Lachendorf: Ein Schacht der Biogasanlage im Gewerbegebiet, die per Fernwärmenetz einige Lachendorfer Anlieger, darunter auch den Olen Drallen Hoff, mit Energie versorgt, war voll Regenwasser gelaufen, es musste im großen Stil abgepumpt werden, um der Gefahr des Berstens entgegenzuwirken. Einen weiteren Schwerpunkt bildete das größte und direkt an der Lachte gelegene Unternehmen im Ort: „Die meisten Sandsäcke gingen in die Papierfabrik. Wir stimmten uns eng mit der Geschäftsführung ab“, berichtet Karsten Strothmann, „damit hatten wir in der Samtgemeinde alles im Griff.“ Entspannung war dennoch nicht angesagt, denn noch vor dem Jahreswechsel traf ein Anruf von der Samtgemeinde ein, der einen Hilfseinsatz im benachbarten Flotwedel anforderte. Karsten Strothmann wurde in den Krisenstab berufen, und im dramatisch betroffenen Langlingen halfen die Feuerwehrleute drei Tage lang, Sandsäcke zu befüllen, natürlich mit der eigenen Maschine, um anschließend den Deich im Bereich Langlingen zu verteidigen. Die gleiche Aufgabe stellte sich später in Wathlingen, hier wurden für die Deichverteidigung 500 bis 600 Einsatzkräfte benötigt, die Lachendorfer waren Teil dieser Mannschaft.

NACHLESE

Insgesamt blicken die Mitglieder der Lachendorfer Samtgemeinde-Feuerwehr, zu der die Wehren aus Ahnsbeck, Beedenbostel, Gockenholz, Eldingen, Helmerkamp, Hohne, Jarnsen-Luttern-Bunkenburg, Lachendorf, Metzingen-Hohnhorst-Bargfeld und Spechtshorn gehören, auf 40-50 hochwasserbedingte Einsätze zurück. Wird es eine Analyse geben, wird man Lehren ziehen aus diesen nicht „feuerwehralltäglichen“ Verläufen, um den zukünftigen Katastrophenschutz zu optimieren? „Es wird eine Nachlese geben“, ist sich Michael Haming sicher. Vom Landkreis fühlen sie sich ohnehin gut begleitet. Vom Land wünschen sie sich, dass nicht einfach etwas „rausgehauen wird“. „Es wäre z.B. sinnlos, jetzt als Reaktion auf die Hilfe der Landwirte die von diesen zur Verfügung gestellten Gerätschaften zu beschaffen“, betont Haming. Vielmehr sollte man für einen zielgerichteten Katastrophenschutz die Basis befragen, was benötigt wird. Mit Bezug auf das übliche Vorgehen des Landes sagen die Vier: „Mitnehmen geht anders!“

Und genau dieses hat sich das Quartett für den von ihnen verantworteten Bereich auf die Fahne geschrieben. „Alles lief entspannt und ruhig ab, ohne große Aufregung, wir haben alle Leute mitgenommen“, zieht Michael Haming Bilanz.

„Am Anfang wurden wir belächelt“, weil sie sich so früh an die Arbeit machten und versuchten vorauszusehen, welches Szenario sich ergeben könnte. Im Nachhinein erwies sich dieses Vorgehen als goldrichtig und lässt ein Fazit zu, das bei jeder wie auch immer gearteten Schadenslage das Ziel darstellt. Karsten Strothmann fasst es in Worte: „Wir waren von Tag 1 an vor der Lage!“

Anke Schlicht
Redaktion
Celler Presse
Fotos: Lukas Kükemück (6) Anke Schlicht (1)

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