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Ein Stelldichein von Farbe und Struktur – Kreft und Rüssing in der Gotischen Halle

Ausgewogenheit ist das Gebot des Laudators, wenn es sich um eine Doppelausstellung handelt. Grundsätzlich keine einfache Aufgabe, doch Kunsthistorikerin Dietrun Otten hatte es an diesem Wochenende anlässlich der Vernissage zur Schau „Lebendige Strukturen – Farbige Inspirationen“ in der Gotischen Halle leicht. Denn gegensätzlicher als Jana Kreft und Udo Rüssing kann man sich künstlerisch kaum entfalten. Während die eine ausschließlich auf abstrakte Formen in gedeckter Farbigkeit setzt, explodieren bei dem anderen die Farben in voller Bandbreite, zaubern Sonnenlicht, zeigen sich mit allem, was ihnen innewohnt, um Figur und Motiv in Szene zu setzen.

„Jana Kreft vertraut auf die Kraft der Materialien, mit denen sie arbeitet, Udo Rüssing sieht etwas und malt es dann. Arbeitsweise und Gegenstände ihrer Kunst sind sehr unterschiedlich“, führt Otten vor einem großen Publikum aus. Die Ankündigung dieser Ausstellung hatte offenbar Neugier geweckt, die Gotische Halle war bis auf den letzten Platz besetzt. Jana Kreft und Udo Rüssing sind beide Mitglieder im Amateurmalkreis Celle, sie kennen sich lange. Die Idee, einmal gemeinsam etwas zu machen, ging von Jana Kreft aus und wurde ausgelöst in einem Moment, da sie eines ihrer Werke neben einem Bild ihres Kollegen sah.

Damit nahm sie den Kern der nun drei Wochen lang, bis zum 18. Februar, zu erlebenden Schau vorweg: Diese Exponate ergänzen sich in ihrer Andersartigkeit ideal, würden sie alleine, für sich genommen, den Ort ihres Auftritts womöglich nicht ausfüllen, entfalten sie in ihrer Paarung ein Spannungsverhältnis, das Aufmerksamkeit erregt. Und so hebt Dietrun Otten gleich zum Auftakt ihrer Einführungsrede etwas hervor, das sozusagen der Star dieser Ausstellung ist: die Hängung. Sorgfältig wurde im Vorfeld überlegt, was wozu passt. Ein wahres Vergnügen, sich ein Quartett von vergleichsweise kleinen Rüssing-Bildern mit vielfältigen Motiven darauf neben den großformatigen, gleichartigen Struktur-Exponaten von Jana Kreft anzuschauen. Setzt Rüssing Kreft in Szene? Oder umgekehrt? Das mag im Auge des Betrachters liegen, interessant ist es allemal, egal zu welcher Art der künstlerischen Entfaltung sich die Besucher mehr hingezogen fühlen.

„Intuitive Prozessmalerei“, nennt die Laudatorin die Arbeitsweise des weiblichen Parts des Ausstellungs-Duos. Marmormehl, Bitumen, Sumpfkalk, Beize und Pigmente bilden beispielweise die Ingredenzien für „Afrika“. Auf variablen Untergründen trägt die gelernte Diplom-Volkswirtin Schichten unterschiedlichster Materialien auf, führt chemische Prozesse, die die Oberfläche zum Bröckeln oder Reißen bringen, bewusst herbei. Jana Kreft begeistert sich regelrecht für Struktur, während Udo Rüssing eher die Menschen im Blick hat. „Dieses Gesicht hat mich fasziniert“, sagt er über sein Portrait des skandinavischen Malers und Journalisten Holger Drachmann. Wie so oft hat er einen besonderen Hintergrund entworfen, um das Motiv hervorzuheben. Ein Stilmittel Rüssings, dessen Kunst die Laudatorin mit den Worten umschreibt: „Farbe ist sein Medium. Die Figuren wachsen aus der Farbe heraus!“ Bei aller Gegensätzlichkeit findet Dietrun Otten schlussendlich doch noch eine Gemeinsamkeit, die essentiell für das Wesen von Kunst ist: „Beide verlassen sich auf ihre Wahrnehmung!“

„Lebendige Strukturen – Farbige Inspirationen“, Gotische Halle im Celler Schloss, bis zum 18. Februar 2024, Di-So, 11-16 Uhr, Eintritt frei.

Anke Schlicht
Celler Presse
Fotos: Anke Schlicht

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