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Noten 1 bis 5 für das Krisenmanagement der Stadt von der Celler Politik

  • Celle

Legt man die aus der Schule bekannte Notenskala zugrunde, reichen die Bewertungen aus den Reihen der Celler Politik für das Krisenmanagement der Stadt bei der Bewältigung des Hochwassers von eins bis fünf, wobei „sehr gut“ eindeutig den Schwerpunkt bildet. Das Gros der von CP befragten Fraktionsvorsitzenden ist voll des Lobes: „Auch wenn wir sonst eher kritisch mit einigen Entscheidungen des Oberbürgermeisters umgehen, hat Herr Nigge in den letzten Wochen ein sehr gutes Krisenmanagement unter Beweis gestellt. Er und sein Krisenstab haben die Stadt sicher durch die kritische Lage manövriert und Herr Nigge hat durch seine hohe Präsenz auf Social Media den Bürger/innen wertvolle Informationen zur aktuellen Lage gegeben“, antworten z.B. Stephan Ohl und Johanna Thomsen für die Grünen auch vor dem Hintergrund, dass der Oberbürgermeister mit zahlreichen Videos vor unterschiedlichen Hochwasserszenarien bei Facebook auftrat.

LOB UND GROSSER DANK

Die Stadt hat auf die Mischung aus Social Media und klassischer Pressearbeit gesetzt, weil sie über die sozialen Medien sehr schnell informieren konnte und einen Personenkreis erreicht, der die klassischen Medien nicht nutzt, wird das Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit in der Krisensituation erläutert. Man habe viele positive Rückmeldungen erhalten. Hier reiht sich auch die AfD ein: „Nach unserer Auffassung hat die Stadt Celle unter der Führung von Oberbürgermeister Dr. Nigge eine geradezu hervorragende Arbeit geleistet. […] Besonders hervorzuheben ist, dass durch den OB und die einzelnen Organisationen in den Sozialen Medien eine aktuelle Lageberichterstattung an die Bevölkerung gegeben wurde“, schreibt der Fraktionsgeschäftsführer der AfD Uwe Theilmann und resümiert, man habe „keine wirklichen Kritikpunkte“.

Diese hat auch die SPD nicht: „Durch die rechtzeitige Einsetzung des städtischen Krisenstabes wurde die hervorragende Arbeit der Einsatzkräfte effektiv gesteuert und unterstützt. An dieser Stelle sei auch ein Lob an die Stadtverwaltung ausgesprochen. Insgesamt haben sich die Erfahrungen aus der Corona-Krise und den Übungen für einen möglichen Blackout bezahlt gemacht“, antwortet Patrick Brammer und reiht sich damit ein in die Parteienriege, die im Rat der Stadt Celle in der Regel hinter dem Oberbürgermeister steht wie naturgemäß Parteikollege Alexander Wille (CDU), der Respekt und großen Dank zollt für „hervorragende Arbeit“: „Trotz Feiertagen, Urlaub und Überstunden haben die Beschäftigten in der Verwaltung ihren Mann/ihre Frau gestanden. Unser OB Jörg Nigge hat an allen Tagen ohne Unterbrechung den Krisenstab geführt und mit allen Einsatzkräften unsere Stadt und die Menschen, die hier leben, vor Schlimmerem bewahrt…“

Der Tenor des Statements von Dr. Udo Hörstmann für die Unabhängigen ist identisch, unter Führung des Oberbürgermeisters sei eine „unglaubliche Arbeit geleistet worden, um eine Katastrophe von unserer Stadt abzuwenden. […] Es mag zu Beginn untereinander Kommunikationsschwierigkeiten gegeben haben, die aber im Verlauf ausgeräumt worden sind.“

KRITIKPUNKTE, OPTIMIERUNGSBEDARF

Anders als manch anderer Kommunalpolitiker war Udo Hörstmann selbst vom Hochwasser betroffen und benötigte Sandsäcke, die er nicht vom nahe gelegenen Neuen Rathaus holte, sondern von einer Firma aus Nienhagen geliefert bekam. Nach Weihnachten konnten sich Bürger Sand auf dem Parkplatz des Neuen Rathauses abholen, Säcke gab es jedoch keine. Einer von mehreren Kritikpunkten der Gruppe „Zukunft Celle“ und „Die Linke“, die wie die WG/Die Partei bei der Bewertung eher in Richtung „mangelhaft“ tendieren. „Wenn wir die aktuelle Situation mit der des Jahres 2013 vergleichen, gibt es schon beim Krisenmanagement und Bürgerservice augenscheinliche Unterschiede. Anders als 2013 stellte die Stadt keine Sandsäcke zur Verfügung. […] Auch eine Hotline gab es damals. Eine Telefonnummer für diese Krise ist uns nicht bekannt“, antwortet Dr. Jörg Rodenwaldt, der in seiner Funktion als Ortsbürgermeister des stark betroffenen, innerstädtischen Bezirks Neuenhäusen während des Hochwassers dort viel unterwegs war und von Einwohnern des Stadtteils angerufen wurde. „Viele Neuenhäusener hatten z.B. auch Probleme mit dem Abwasser, die Schmutzwasserkanäle stauten zurück. Es gab aber keine Notrufnummern“, berichtet das Ratsmitglied von „Zukunft Celle“. Weiterhin bemängelt er „eine teilweise chaotische Verkehrsführung, da nur irgendwo Barken aufgestellt waren, aber die Menschen, darunter zur Festtagszeit auch viele ortsunkundige Besucher, nicht über alternative Routen von z.B. städtischen Mitarbeitern informiert wurden. Viele, insbesondere auswärtige Gäste, irrten so unnötigerweise durch die Stadt.“

Auch der Fraktionsvorsitzende der WG/Die Partei Torsten Schoeps stand in engem Kontakt mit Bürgern: „Viele fühlen sich mit ihren knöcheltief unter Wasser stehenden Kellern in Westercelle, Neuenhäusen und der Neustadt im Stich gelassen. Wo blieben die Infos zu den Stadtteilen? Wo drohten explizit Stromabschaltungen?“, schreibt der Ratsherr und zieht das Fazit: „Insoweit besteht beim Krisenmanagement durchaus Optimierungsbedarf.“

Allein die FDP enthält sich bei einer Bewertung: „Ich habe mich ganz bewusst zurückgehalten, mich um das tatsächliche Krisenmanagement vor Ort zu kümmern. Es gab in der kritischen Phase, Wichtigeres zu tun, als Ratsmitglieder über die Arbeit aufzuklären“, schreibt Joachim Falkenhagen. Er richtet wie alle anderen Fraktionsvorsitzenden auch einen sehr großen Dank an alle Einsatzkräfte der Feuerwehren und Hilfsorganisationen sowie alle freiwilligen Helfer und Helferinnen und verweist auf einen Antrag, den die Liberalen vor wenigen Tagen gestellt haben. Dieser fordert die Verwaltung auf, in einer der kommenden Fachausschuss-Sitzungen Bericht zu erstatten über Geschehenes und daraus zu ziehende Schlussfolgerungen inclusive möglicher Änderungen für die künftige Hochwasserschutz-Planung.

Anke Schlicht
Fotos: privat

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